Schlichterspruch angenommen Lufthansa und Piloten legen Lohnkonflikt bei

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Die Lufthansa und die Piloten erzielen in ihrem zähen Dauertarifkonflikt einen Durchbruch. Beide Seiten haben eine Schlichterempfehlung zur Beilegung des Streits über die Bezahlung der 5400 Flugzeugführer im Konzerntarifvertrag (KTV) angenommen, teilte die Lufthansa am Mittwoch mit. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Auf Basis der Einigung erhalten die 5400 Piloten nun 8,7 Prozent mehr Geld über sieben Jahre. Sie hatten rückwirkend ab 2012 rund 3,7 Prozent mehr Gehalt im Jahr gefordert. Die Lufthansa bot bei einer Laufzeit von sechs Jahren eine Lohnsteigerung von 0,7 Prozent pro Jahr.

Zusätzlich gebe es eine Einmalzahlung im Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro, was voraussichtlich einer Ausschüttung von 5000 bis 6000 Euro je Beschäftigten entspreche, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Aktien der Lufthansa  bauten gegen Mittwochmittag ihre Gewinne aus. Sie stiegen um rund 1,20 Prozent auf 13,00 Euro.

Lufthansa: Cockpitkosten erhöhen sich um 85 Millionen Euro im Jahr

Laut Lufthansa werde der Schlichterspruch die Cockpitkosten um etwa 85 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Um die Steigerung zu kompensieren, sollten 40 Flugzeuge, die künftig zur Flotte kommen, außerhalb des Konzerntarifvertrags eingesetzt werden.

Die Laufzeit der Vergütungstarifverträge gelte bis Ende 2019. Gleichzeitig hätten beide Seiten vereinbart, die Gespräche zu allen offenen Tarifthemen fortzusetzen, um Kostensenkungen im Rahmen einer Gesamtlösung zu erreichen, so die Lufthansa. Ungelöst sind etwa die wesentlich schwierigeren Fragen zum Vorruhestand und den Betriebsrenten.

Die Piloten streiken seit 2014 immer wieder und legten in der Zeit den 120.000 Mitarbeiter starken Luftfahrtkonzern 14 Mal lahm. Der Arbeitskonflikt zieht sich so lange hin, weil hinter den Kulissen ein Streit um den Ausbau des Billigablegers Eurowings zwischen den beiden Parteien tobt. Die Flugzeugführer fürchten, durch die neue Konkurrenz mit schlechter bezahlten Angestellten im eigenen Haus künftig erpressbar zu werden. Für Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist die schnelle Expansion von Eurowings strategisch wichtig, um der Expansion von Ryanair und Easyjet Paroli zu bieten.

Der umstrittene Konzerntarifvertrag (KTV) für die Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings sieht vor, dass Flugzeuge der Marke Lufthansa nahezu ausschließlich von Piloten geflogen werden dürfen, die nach dem KTV beschäftigt werden. Lufthansa sucht daher nach Wegen, Flugzeuge mit billigeren Piloten betreiben zu können. Im Konzern sind die KTV-Piloten bereits in der Minderheit. Bei allen Töchtern wie Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings wird weniger gezahlt.

rei/Reuters/dpa
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