Dienstag, 2. Juni 2020

Schutzmaske wird Pflicht, leerer Mittelsitz aber nicht EU kommt Airlines zum erhofften Neustart im Juni entgegen

Nur noch mit Mundschutz: Stewardessen der Airline Emirates kommen von einem Flug von London in Dubai an. Noch ist der Himmel nicht für massenhafte reguläre Passagierflüge geöffnet.
Karim SAHIB / AFP
Nur noch mit Mundschutz: Stewardessen der Airline Emirates kommen von einem Flug von London in Dubai an. Noch ist der Himmel nicht für massenhafte reguläre Passagierflüge geöffnet.

Die schwer von der Coronavirus-Krise getroffene Luftfahrtbranche hofft auf einen Neustart regulärer Flüge Anfang Juni. Die EU-Kommission will für Passagierflüge Empfehlungen an die Airlines aussprechen. Dazu gehört unter anderem eine Schutzmaskenpflicht. Auf eine von den Fluggesellschaften abgelehnte Pflicht zum Freilassen von Sitzplätzen verzichtet die EU-Behörde jedoch. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorliegenden Dokument hervor.

Bei der Lufthansa ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes schon seit Anfang Mai vorgeschrieben. Auch der größte europäische Billigflieger Ryanair kündigte das an. Überlegungen zu einer Pflicht, einen Platz zwischen zwei Sitzen frei zu lassen, kritisierte die mit am schwersten von der Corona-Krise betroffene Branche aber.

Zum erhofften Neustart regulärer Flüge im Juni werden die Flugzeuge zwar ohnehin noch leer genug sein und viel Abstand zwischen den Passagieren ermöglichen. Obligatorisch Zwischenplätze freizuhalten würde aber die Kapazität bei steigender Flugnachfrage begrenzen, sodass die mit hohen Verlusten kämpfenden Airlines noch mehr Mühe hätten, Geld zu verdienen.

Die EU rät nun zu Maßnahmen gegen die Ansteckungsgefahr, die in Flugzeugen nach Darstellung von Lufthansa, Ryanair oder Tui sowieso schon gewährleistet sind. So sollen die Klimaanlagen die Luft so gut filtern, wie es in Krankenhäusern üblich ist. Die Airlines argumentieren, die vertikale Belüftung jedes einzelnen Sitzplatzes verringere schon in Verbindung mit den Schutzmasken die Ansteckungsgefahr ausreichend.

Zudem sollen Passagiere in den Flugzeugen gut verteilt werden, wenn genug Sitzplätze frei sind. Ein enges Aufeinandertreffen, etwa beim Schlangestehen vor der Flugzeugtoilette, soll vermieden werden. Ryanair kündigte an, die Fluggäste dürften nach Anmeldung bei den Flugbegleitern nur einzeln zu den Waschräumen gehen. Das alles dämme die Ansteckungsgefahr ein, wenn Abstandsregeln nicht völlig eingehalten werden könnten, erklärte die EU. "Sitze frei zu lassen, um die physische Distanz im Flugzeug zu erhöhen, wird deshalb nicht empfohlen."

Wie bei Reiseveranstaltern will die EU auch bei Fluggesellschaften die Pflicht zur Rückerstattung von Tickets bei Stornierungen nicht abschaffen. Stattdessen sollen den Verbrauchern Gutscheine durch eine längere Gültigkeitsfrist und das Beibehalten oder Verbessern von Konditionen und Preisen schmackhaft gemacht werden.

rei/Reuters

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