Freitag, 18. Oktober 2019

Kooperationen mit Air China und Air Berlin Warum die Lufthansa sich gerade ständig paart

Umtriebiger Kranich: Die vielfältigen Partnerschaften der Lufthansa
AFP/ All Nippon Airways

Einer der wichtigsten Glaubenssätze von Lufthansa-Chef Carsten Spohr aus der jüngeren Vergangenheit lautet: "Bei den Themen, die wir selbst beeinflussen können, kommen wir gut voran." Gesagt Anfang August, anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Man tut eben was man kann.

Doch obwohl da etwas Wehklagen mitschwingt über die Ungerechtigkeit der (Luftfahrt-) Welt, enthält Spohrs Ausspruch auch Vertrauen in die eigene Schaffenskraft. Das beruhigt die Investoren. Und Spohr selbst. Konsequenterweise begegnet der Lufthansa-Chef dem von Arbeitskämpfen, Sparprogramm und aggressiver Konkurrenz gekennzeichneten Konzern-Alltag mit Taten. So arbeitet die Lufthansa künftig eng mit Air China zusammen, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gegeben hat. Auch mit Air Berlin ist ein Deal über eine Flugzeug-Leihe avisiert.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Die Aktivitäten spielen sich auf völlig verschiedenen Schauplätzen ab und passen sich nicht unbedingt stromlinienförmig in eine große Konzernstrategie ein. Doch in diesen Zeiten gilt eben: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Also greift Spohr nach dem, was er kriegen kann: In dem einen Fall nach einer gar nicht so kleinen potenziellen Gewinnmaschine im Asien-Verkehr. Das seit etwa zwei Jahren verhandelte Joint-Venture mit Air China steht vor dem Abschluss, und es könnte der Lufthansa helfen, die ohnehin gute Stellung auf der Route Deutschland-China weiter zu verbessern.

Rund 80 Prozent Marktanteile haben die Gesellschaften bisher auf der Strecke. Staatliche Behörden werden trotzdem kein Veto gegen das Geschäft einlegen - sie sind schon seit einer Weile in die Verhandlungen eingebunden. Ohne Zustimmung auf hoher politischer Ebene sind solche Deals bei Langstreckenflügen ohnehin nicht denkbar.

Wie Air Berlin sich der Lufthansa andient

Für die Passagiere drohen nun höhere Flugpreise. Kein anderes Ziel verbirgt sich hinter der "besseren Auslastung der Maschinen", wie sie die Airlines anstreben sowie Flugplänen, "die sich stärker am Passagieraufkommen orientieren". Bloß keine überzähligen Sitze verramschen, um Marktanteile zu sichern.

Aus Sicht der Lufthansa ist das alles legitim und angesichts staatlich protegierter Konkurrenz aus Arabien vollkommen nachvollziehbar. Die Aktion verdeutlicht allerdings auch, dass Spohr mit klassischen Management-Strategien aus dem Lehrbuch kaum weiterkommt.

Man nimmt was man kriegen kann - das gilt (auf niedrigerem Niveau) auch für die mögliche Zusammenarbeit mit Air Berlin. In großer Not dient die Hauptstadt-Airline der Lufthansa-Tochter Eurowings gerade etwa 40 Maschinen zur leihweisen Überlassung an, inklusive Crews und Landerechten in Berlin.

Ob Eurowings mit den eher zufällig verfügbaren Punkt-zu-Punkt-Verbindungen der strukturelle Durchbruch gelingt, darf bezweifelt werden. Zu aggressiv, zu billig scheint die Konkurrenz in dem Segment. Ryanair eilt von Passagierrekord zu Rekord und wird sich so kaum stoppen lassen.

Trotz allem wäre es für Carsten Spohr natürlich fahrlässig, die Gelegenheiten auszulassen. Wenn sie der Lufthansa auch nicht dauerhaft auf die Gewinnerspur bringen, kommen für die Aktionäre doch ein paar größere und kleinere Krümel dabei heraus. Und das ist ja auch schon was in Zeiten, in denen man doch eigentlich gar nicht so viel machen kann.

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