Mittwoch, 27. Mai 2020

Lufthansa ringt in Corona-Krise um Staatshilfe Was jetzt aus Ihrem Lufthansa-Status und den Meilen wird

Lufthansa Business Class: Die Business Class wird erschwinglich

Für Vielflieger und Statusjäger ist die Corona-Krise noch zusätzlich "belastend". Denn wer nicht fliegen kann, der kann weder seinen bestehenden Vielfliegerstatus requalifizieren, noch die erstmalige Qualifikation für ein höheres Statuslevel in Angriff nehmen. Viele hatten für 2020 bereits größere Reisen geplant, die ihnen zum gewünschten Vielfliegerstatus verholfen hätten. Doch leider lassen sich diese jetzt nicht mehr realisieren. Zudem haben viele Angst, dass ihre mühsam gesammelten Prämienmeilen verfallen könnten.

Alexander Koenig
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    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Kulanzregeln in Übersee

Die Airlines haben auf diese Malaise zum großen Teil reagiert. Fast alle relevanten Airlines haben mittlerweile eigene Kulanzrichtlinien im Hinblick auf Status und Meilenverfall implementiert. Die vier großen US-Airlines und Air Canada verlängern etwa den Vielfliegerstatus der besten Kunden um ein komplettes Jahr. Bei Delta können zudem dieses Jahr gesammelte Statusmeilen schon direkt für die Statusqualifikation im kommenden Jahr angerechnet werden. Weiterhin wurde auch der Meilenverfall bis auf weiteres ausgesetzt.

Kulanzregeln in Europa

Ähnlich generös zeigen sich auch viele Airlines auf dieser Seite des Atlantiks. Das Flying Blue Vielfliegerprogramm von KLM und Air France verlängert den Vielfliegerstatus ihrer Kunden ebenfalls um ein volles Jahr, genauso machen es auch SAS Eurobonus, Aegean Miles+Bonus, TAP Portugal Miles & GO sowie Aeroflot. Turkish Airlines und Air Europa verlängern den Vielfliegerstatus immerhin um volle sechs Monate. British Airways verlängert zwar nicht den Status, reduziert aber die benötigten Statuspunktwerte für eine Requalifizierung um fast 40 Prozent. Kunden haben damit in 2020 eine Sorge weniger und können sobald der Flugverkehr wieder hochgefahren wird, direkt wieder durchstarten.

Lufthansa: 90 Prozent der Maschinen derzeit am Boden

Was macht Lufthansa?

Anders sieht es bei Lufthansa Börsen-Chart zeigen aus. Der Kranich scheint noch an anderen Fronten zu kämpfen. Das beherrschende Thema ist aktuell mehr neue Milliardenfinanzierungen und das Ringen um Staatshilfe Und dort geht es insbesondere darum, wieviel Einfluss der Staat bei einer Finanzspritze zukünftig im Lufthansa Konzern nehmen darf.

Lufthansa will den Einfluss geringhalten und droht gar mit einer Insolvenz im Schutzschirmverfahren. Vermutlich wird man sich am Ende aber irgendwie einigen. Dass Lufthansa fallen gelassen wird, ist nahezu ausgeschlossen, wie auch in der Politik bestätigt wurde.

Meilenverfall kann einfach gestoppt werden

Was bedeutet das jetzt für das Thema Vielfliegerstatus und Meilenverfall? Den Meilenverfall kann man auf zwei Wegen stoppen: Entweder man hat einen Lufthansa Vielfliegerstatus, ist also Frequent Traveller, Senator oder HON Circle Member oder man hat eine Lufthansa Miles & More Kreditkarte. Bei der Blue Version muss man pro Jahr mindestens 1.500 Prämienmeilen über Kartenumsätze generieren (= 3.000 Euro Umsatz), bei der Gold Version ist die unbegrenzte Meilengültigkeit von Anfang an implementiert.

Vielfliegerstatus mit 2020 vs. 2021 Unterschied

Schwieriger sieht es jetzt beim Thema Vielfliegerstatus aus. Aktuell in der Krise gibt es extrem viele sehr günstige Business aber auch First Class Angebote, die man für Ende 2020 oder Anfang 2021 buchen kann. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass Lufthansa die Schwellen für den Statuserwerb aufgrund der Corona Krise etwas aufweicht wie z. B. British Airways, dann könnte man noch Ende 2020 die (Re-) Qualifikation schaffen. So werden z. B. selbst Business Class Flüge nach Hawaii aktuell teilweise schon ab 1.260 Euro angeboten. Das ist einmalig.


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Wer erst für 2021 bucht, muss beachten, dass dann das neue Miles & More Statussystem basierend auf Statuspunkten gilt. Dann geht es nicht mehr um Wertigkeit der Flugtickets, sondern primär um Flugfrequenz. Doch auch hier lassen sich sehr günstige Varianten für die Status(re-)qualifikation finden, sofern man interkontinental fliegt. So reichen z. B. vier interkontinentale Business Class Flüge mit Zubringer aus, um den Lufthansa Senator Status einzufliegen. Dabei müssen allerdings die Hälfte der Statuspunkte sogenannte "qualifizierende" sein. Diese gibt es nur auf Flügen mit den Airlines der Lufthansa Gruppe, also Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings sowie den mitherausgebenden Miles & More Airline Partnern LOT, Croatia Airlines, Luxair sowie Air Dolomiti. Ebenso zählen ausgewählte Swiss Codeshare Edelweiss Flüge dazu.

Fazit

Sowohl das Thema Meilenverfall als auch das Thema Lufthansa Vielfliegerstatus kann jeder aktiv selbst steuern. Beim Status muss man bei Miles & More nur beachten, dass ab dem neuen Jahr das neue Statussystem gilt und man sonst gegebenenfalls Flüge für Ende 2020 noch buchen sollte.

Sie haben noch Fragen zum Thema Vielfliegerstatus oder Meilen? Exklusiv für die manager magazin online Leser beantwortet unser Autor Alexander Koenig Ihre Fragen, die Sie bitte an vielfliegerstatus@first-class-and-more.de schicken.

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More, dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

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