Alternative zum Staatseinstieg Lufthansa prüft Insolvenz im Schutzschirmverfahren

Lufthansa Airbus

Lufthansa Airbus

Foto: Silas Stein/dpa

Die Lufthansa  erwägt einem Insider zufolge, sich bei einem Scheitern der Verhandlungen über Staatshilfen über ein Schutzschirmverfahren zu sanieren. Die Fluggesellschaft ziehe das als Alternative in Betracht, wenn die Auflagen in einem Rettungspaket sie zu sehr in der Wettbewerbsfähigkeit beschränken würden, sagte eine mit den Überlegungen der Lufthansa vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Thema sei nicht vom Tisch. Die Gespräche mit der Bundesregierung über ein milliardenschweres Finanzierungspaket dauern an; dabei ist vor allem der künftige Einfluss des Staates strittig.

Die Aktie der Lufthansa drehte ins Minus und gehörte am Mittag zu den wenigen Verlierern im Dax.

Insolvenz in Eigenregie als mögliche Alternative

Unter dem Schutzschirm des Insolvenzrechts könnte sich die Lufthansa auch eines Teils ihrer Schulden und der Pensionslasten entledigen. Das Beispiel Condor zeige, dass dieser Weg möglich sei, sagte der Insider. Freilich zeigt gerade der Ferienflieger Condor, mit welchen Risiken ein Schutzschirmverfahren verbunden ist. Zwar hatten die Kunden dem Unternehmen die Treue gehalten.

Der geplante Verkauf, mit dessen Erlös die Gläubiger befriedigt werden sollten, scheiterte aber, weil der Käufer - die polnische Fluggesellschaft LOT - einen Rückzieher machte. Damit musste nun doch der deutsche Staat mit einem erneuten Überbrückungskredit einspringen.

Das Schutzschirmverfahren, eine Art Vorstufe zum Insolvenzverfahren, soll es Unternehmen ermöglichen, sich rechtzeitig zu sanieren, bevor ihnen das Geld ausgeht. Bedingung dafür ist, dass sie noch nicht zahlungsunfähig sind. Oft mündet das Schutzschirmverfahren aber nach drei Monaten in eine reguläre Insolvenz. Die Aktionäre würden dann aller Voraussicht nach leer ausgehen.

10 Milliarden Euro Staatshilfe - für eine Airline mit 4 Milliarden Euro Börsenwert

Die Lufthansa  ist an der Börse inzwischen weniger als vier Milliarden Euro wert. Sie schreibt angesichts des brachliegenden Flugverkehrs riesige Verluste und braucht in den nächsten Wochen neues Geld.

Vorbild für das Schutzschirmverfahren ist die Insolvenz nach "Chapter 11" in den USA, die in der Vergangenheit zahlreiche US-Fluggesellschaften zur Sanierung genutzt hatten.

Insolvenz als Drohkulisse im Poker um Staatshilfen

"Natürlich sind die öffentlichen Überlegungen der Lufthansa zu einer Insolvenz in Eigenregie nur eine Drohkulisse, um das bestmögliche Ergebnis im Bezug auf Staatshilfen zu erhalten", sagt Vermögensverwalter Markus Schön. Hier liege aber ein fundamentales Missverständnis vor: "Entweder ist man als Unternehmen so stark - Ryanair macht es vor -, dass man eine so fundamentale Krise überstehen kann, oder man geht mindestens partnerschaftlich mit seinem potenziellen Retter um."

Missmanagement durch steile Forderungen zu kaschieren, sei seit Elon Musk oder Donald Trump vielleicht salonfähig, aber nicht angemessen, sagt Schön. Schließlich ist Lufthansa schon jetzt faktisch insolvent. Die bislang aufgelaufenen Verluste und die notwendigen außerordentlichen Abschreibungen auf die Flugzeugflotte übersteigen nach Schöns Berechnungen das Eigenkapital schon jetzt um knapp 1 Milliarden Euro.

Umgekehrt dürfe die deutsche Bundesregierung nicht jetzt wieder den Fehler machen, ein Unternehmen an dessen Ende plötzlich für systemrelevant zu erklären. Dies habe bei der Commerzbank nicht geklappt und ist bei Lufthansa zum Scheitern verurteilt.

la/reuters
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