Airline-Chef Spohr kassiert auf HV seine Insolvenz-Drohung wieder ein Lufthansa - auf leisen Sohlen zur Rettung

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht auf der digitalen Hauptversammlung seines Unternehmens

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht auf der digitalen Hauptversammlung seines Unternehmens

Foto: Ina Fassbender / AFP

Bei der Hauptversammlung der Lufthansa geizten CEO Carsten Spohr und Chefaufseher Karl-Ludwig Kley mit Informationen zu den Verhandlungen über die geplante Staatshilfe. Zwischentöne lassen aber erkennen, dass eine Einigung nahe liegt und die Lufthansa  sich erfolgreich gegen unliebsame Konditionen gewehrt hat.

So betonte Spohr trotz ansonsten demonstrativer Zurückhaltung, der Konzern dürfe durch die erbetene Staatshilfe nicht zu stark für die Zukunft belastet werden. Dass lässt vermuten, dass die ursprünglich hohen Zins- und Dividendenforderungen des Bundes - die Rede war von einer neunprozentigen Garantiedividende - vom Tisch sind. "Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen", sagte Spohr. Das Unternehmen müsse bereits jetzt planen, wie staatliche Kredite und Beteiligungen nach Bewältigung der Corona-Krise so schnell wie möglich wieder zurückgeführt werden können.

Damit die Zurücknahme der Garantiedividende für alle Seiten gesichtswahrend ist, setzt die Lufthansa-Spitze auf eine demonstrativ verbindliche Rhetorik. Aufseher Kley betonte, die Lufthansa stelle gegenüber der Politik keine Forderungen. Vorstandschef Spohr kassierte seine verdeckte Drohung ein, notfalls in eine Planinsolvenz und ein Schutzschirmverfahren zu gehen. Er habe kein Interesse an einer Insolvenz, versicherte Spohr.

Hilfe für Wettbewerber aus USA und China

Die Politik müsse darauf achten, dass Hilfen nicht zu einer Schieflage im internationalen Wettbewerb führen, erklärte Spohr. Wettbewerber aus den USA oder China könnten sich in der aktuellen Situation mit staatlicher Hilfe gesund sanieren. Der internationale Wettbewerb dürfe nicht durch Art und Umfang unterschiedlicher Staatshilfen verzerrt werden. Spohr geht davon aus, dass der Wettbewerb nach der Krise wegen Überkapazitäten zunächst hochbleibe, doch sei eine beschleunigte Marktkonsolidierung wahrscheinlich.

Lufthansa brauche jetzt staatliche Unterstützung. "Aber wir brauchen keine staatliche Geschäftsführung", sagte Spohr und fügte hinzu: "Auch in der Bundesregierung in Berlin möchte niemand eine staatlich gelenkte Lufthansa." Keiner im Konzern habe ein Interesse an einer Insolvenz oder Schutzschirmverfahren, sagte Spohr. Er sei zuversichtlich, die Gespräche mit der Regierung zum Abschluss zu führen.


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Die Verhandlungen über die präzise Ausgestaltung der Staatshilfen zwischen verzinsten stillen Einlagen und direkter Beteiligung waren am Dienstag noch nicht abgeschlossen. Fondsgesellschaften wie die Deka und die genossenschaftliche Union Investment stützten vor der Versammlung den Kurs von Konzernchef Spohr gegen eine zu starke staatliche Lenkung.

Spohr erklärte weiter, dass es derzeit keine weiteren Verkaufsüberlegungen gebe, außer der Catering-Sparte LSG Sky Chefs. Im November vergangenen Jahres hatte der Konzern bekannt gegeben, den europäische Teil der Sparte an die Schweizer Gategroup zu verkaufen.

mmo mit dpa