Freitag, 6. Dezember 2019

Neue Streiks drohen Schlichtung bei Lufthansa geplatzt

Streik des Lufthansa-Kabinenpersonals: Durch den Arbeitskampf fielen 1500 Flüge aus, 200.000 Passagiere waren betroffen
REUTERS/Ralph Orlowski
Streik des Lufthansa-Kabinenpersonals: Durch den Arbeitskampf fielen 1500 Flüge aus, 200.000 Passagiere waren betroffen

Die in der vergangenen Woche vereinbarte umfassende Schlichtung für die Flugbegleiter der Lufthansa Börsen-Chart zeigen ist in letzter Minute geplatzt. Das Unternehmen hat am Dienstagabend seine Zustimmung zurückgezogen, weil sich zuvor die Gewerkschaft Ufo nicht eindeutig und unbefristet zu einem Streikverzicht auch bei den vier Lufthansa-Töchtern bereit erklärt habe. Das bestätigte ein Lufthansa-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Das Unternehmen hält aber weiterhin an der der einseitig ausgelösten sogenannten "kleinen Schlichtung" fest, die sich ausschließlich um die wenigen Tarifthemen drehen soll, für die Ufo in der vorvergangenen Woche einen zweitägigen Streik veranstaltet hatte. Dazu gehörten mehr Spesen und Zulagen für die Flugbegleiter sowie Wechselmöglichkeiten für Saisonkräfte in reguläre Arbeitsverhältnisse.

Am vergangenen Dienstag hatten beide Seiten eine umfassende Schlichtung zu weitaus mehr Themen sowie eine darüberhinausgehende Moderation bei der Lufthansa-Kerngesellschaft vereinbart. Die Tarifstreitigkeiten zwischen der Gewerkschaft und den Lufthansa-Töchtern Eurowings, Germanwings, SunExpress und CityLine betraf das Abkommen nicht. Ihren jeweiligen Schlichter hatten beide Seiten noch nicht benannt und sich auf ein langes und kompliziertes Verfahren eingestellt. Ebenfalls war der frühere Ufo-Chef Nicoley Baublies entgegen vorheriger Vereinbarungen nicht wieder als Purser bei der Fluggesellschaft eingestellt worden.

Die Ufo will nach Baublies Worten zunächst die neue Situation intern bewerten. Der Verzicht auf die Schlichtung könne nicht das letzte Wort sein, sagte der Ufo-Sprecher. Er wies darauf hin, dass für die vier Lufthansa-Töchter keine Friedenspflicht gelte und daher Streiks erneut möglich seien. Bei der Lufthansa selbst sei die Kabine in der Friedenspflicht, aber dennoch zu Warnstreiks berechtigt.

UFO organisierte Anfang November einen 48-stündigen Streik bei der Kerngesellschaft, auch um die Airline an den Verhandlungstisch zu bringen. Lufthansa musste 1500 Flüge streichen, 200.000 Passagiere waren betroffen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vergeblich versucht, den Streik gerichtlich verbieten zu lassen. Am ersten Streiktag bot er dann Gespräche über eine Schlichtung an.

mg/dpa-afx, afp

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung