Dienstag, 2. Juni 2020

Nur eine Kundengruppe profitiert Das sind die neuen Kulanzregelungen für Lufthansa-Vielflieger

Fast schon im Geheimen hat Lufthansa am vergangenen Wochenende endlich die lang erwarteten Lufthansa Miles & More Status Kulanzregelungen verkündet. Andere Airlines hatten dies bereits früher gemacht.

Alexander Koenig
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    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Nur eine Kundengruppe profitiert

All diejenigen, deren Lufthansa Status (Frequent Traveller, Senator, HON Circle) im Jahr 2021 ausläuft, bekommen den Status um ein weiteres Jahr bis 02/2022 verlängert. Alle anderen gehen leider leer aus. Vor allem bleiben auch die Status-Anforderungen für 2020 erhalten. Das bedeutet, um sich für den "Frequent Traveller Status" zu qualifizieren, sind weiterhin 35.000 Statusmeilen erforderlich, für den "Senator Status" 100.000 Statusmeilen und für den "HON Circle Status" 600.000 "HON Circle Meilen" (verteilt auf zwei Jahre). Das ist somit für all diejenigen enttäuschend, die in 2020 noch einen Lufthansa Vielfliegerstatus erreichen wollten und dafür auch Flüge gebucht hatten, die dann ganz oder teilweise nicht zustande kamen.

Zusätzlich werden auch alle "Upgrade eVouchers" bis Ende 2021 verlängert. Das gilt auch für solche, die in 2019 ausgelaufen wären, dann für Flüge in 2020 eingesetzt wurden, die aber nicht stattfinden konnten.

Verschiebung des neuen Statussystems um ein Jahr

Doch die eigentliche Überraschung ist eine andere. Im November 2019 wurde mit großer medialer Begleitung das neue Miles & More Statussystem verkündet. Seitdem ist dieses bei jedem Login in den Miles & More-Account präsent gewesen. Im Kern sieht das neue System eine Umstellung von Statusmeilen auf sogenannte Statuspunkte vor. Dadurch wird das System deutlich einfacher verständlich. Profiteure des neuen Systems sind die wirklichen Vielflieger, denn Flugfrequenz wird besonders belohnt. Zudem muss man für den beliebten "Lufthansa Senator Status "mindestens die Hälfte der Statuspunkte mit Lufthansa, Swiss, Austrian und anderen an Miles & More direkt beteiligten Airlines einfliegen. Und die neuen Statuslevels gelten immer nur noch ein statt zwei Jahre. Insbesondere der letztgenannte Punkt führt dazu, dass das neue System, wenn man die Kosten pro Statusjahr durchrechnet, für viele Kunden unattraktiver ist.

Probleme für Kunden, die auf neue Regeln gesetzt haben

So gesehen ist die Verschiebung für viele willkommen, wenn es da nicht auch einige Kunden geben würde, die im Glauben an die Lufthansa Ankündigungen ihre Reisen für Anfang 2021 schon so gebucht haben, dass sie das neue System optimieren. Ganz konkret bedeutet das: Wer im neuen System zum Beispiel vier Mal in der Lufthansa Business Class mit Zubringer nach Dubai fliegt, ist Lufthansa Senator. Im alten System bekommt man hierfür noch nicht einmal den "Frequent Traveller Status". Das ist für solche Kunden mehr als ärgerlich und es wäre wünschenswert, wenn es für betroffene Kunden zusätzliche Kulanzregelungen geben würde.

Fazit: Das zusätzliche Statusjahr ist eine überaus großzügige Regelung. Schade ist, dass an den Statusanforderungen für 2020 nichts geändert wurde. Die Verschiebung des neuen Statussystems ist dann in Ordnung, wenn es weitere Kulanzregelungen für Kunden geben wird, die von der Verschiebung durch bereits gebuchte Flüge negativ betroffen sind.

Ähnlich generös zeigen sich auch viele Airlines auf dieser Seite des Atlantiks. Das "Flying Blue"-Vielfliegerprogramm von KLM und Air France verlängert den Vielfliegerstatus ihrer Kunden ebenfalls um ein volles Jahr, genauso machen es auch SAS Eurobonus, Aegean Miles+Bonus, TAP Portugal Miles & GO sowie Aeroflot. Turkish Airlines und Air Europa verlängern den Vielfliegerstatus immerhin um volle sechs Monate. British Airways verlängert zwar nicht den Status, reduziert aber die benötigten Statuspunktwerte für eine Requalifizierung um fast 40 Prozent. Kunden haben damit in 2020 eine Sorge weniger und können, sobald der Flugverkehr wieder hochgefahren wird, direkt wieder durchstarten.

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More, dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

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