Donnerstag, 22. August 2019

Gewinn bricht ein, Aktie stürzt Lufthansa ächzt unter Preiskampf mit Ryanair

Der Preiskampf mit dem Wettbewerber Ryanair vor allem in Europa belastet den Gewinn der Lufthansa

Bereits am Vortag hatte der Billigwettbewerber Ryanair mit einem empfindlichen Gewinneinbruch verdeutlicht, wie sehr der Preiskampf am Himmel belastet. Am Dienstag nun muss auch die Lufthansa eine ähnlich schweren Gewinnabsturz berichten.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sackte von April bis Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf 754 Millionen Euro ab, teilte die Lufthansa Börsen-Chart zeigen am Morgen mit und machte dafür vor allem den Preiskampf in Europa und höhere Kosten verantwortlich. Das Konzernergebnis lag wegen einer Steuerrückstellung mit 226 Millionen Euro sogar 70 Prozent unter Vorjahr.

Lufthansa-Aktie: 50 Prozent Kursverlust binnen 18 Monaten

Aktionäre reagierten schockiert. Die Aktie der Lufthansa Börsen-Chart zeigen, bereits seit Monaten unter Druck, baute am Dienstag Vormittag ihre Verluste auf mehr als 5 Prozent aus und fiel in Richtung 14-Euro-Marke. Anfang 2018 hatte das Papier noch mehr als 30 Euro gekostet.

"Unser Ergebnis wird durch harten Konkurrenzkampf in Europa mit hohen Überkapazitäten beeinflusst", sagte Finanzchef Ulrik Svensson. Besonders die Kurzstrecken in Deutschland und Österreich seien umkämpft, die Kunden generell sehr preissensitiv. Höhere Kosten fielen für Treibstoff und die Überholung von Triebwerken an. Auch Ryanair Börsen-Chart zeigen litt unter hohen Treibstoffkosten. Der Umsatz der Lufthansa-Gruppe legte im zweiten Quartal um 4 Prozent zu auf 9,6 Milliarden Euro. Ryanair schaffte wegen deutlich gesenkter Ticketpreise 11 Prozent mehr Umsatz.

Vor sechs Wochen hatte die Lufthansa wegen der schwachen Geschäftsentwicklung schon die Jahresprognose kräftig gesenkt. Für 2019 erwartet der Dax-Konzern seither noch eine Gewinnmarge von 5,5 bis 6,5 Prozent, was einem bereinigten Ergebnis zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro entspricht - gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Rückgang um 14 bis 28,5 Prozent.

Billigtochter Eurowings schreibt Verluste

Bei den Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines brach der Gewinn im ersten Halbjahr um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Die Billigflugtochter Eurowings schrieb einen Verlust von 273 (Vorjahr 220) Millionen Euro in den ersten sechs Monaten. Eurowings baute das Angebot im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent aus, obwohl das Unternehmen vor drei Monaten angekündigt hatte, in diesem Jahr gar nicht wachsen zu wollen. Damit sollte der Flugbetrieb stabilisiert werden und das Augenmerk stärker auf die Integration der Geschäftsteile gelegt werden, welche die Lufthansa von der 2017 pleite gegangenen Air Berlin gekauft hat.


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Doch seither tobt unter den Billigfluganbietern ein Konkurrenzkampf um Marktanteile um jeden Preis. Lufthansa und Ryanair werfen sich gegenseitig vor, Flüge zu Dumpingpreisen in den Markt zu drücken. Der Preiskampf werde in diesem Jahr noch weitergehen, erklärte ein Lufthansa-Sprecher nun.

Lufthansa rechnet mit Fortsetzung des Preiskampfes

Im Juni hatte Eurowings-Chef Thorsten Dirks einen Sparplan angekündigt, durch den die Lufthansa-Tochter schwarze Zahlen schreiben soll. Personalabbau sei damit nicht verbunden, bekräftigte dazu ein Lufthansa-Sprecher. Zu einem Bericht des "Handelsblatt", wonach in Vorstand und Aufsichtsrat über einen Konzernumbau hin zu einer Holding diskutiert wird, verwies der Sprecher auf Äußerungen von Vorstandschef Carsten Spohr im vergangenen Monat. Demnach fühle sich Lufthansa in der jetzigen Struktur wohl, die eine gute Mischung aus zentralem Management und dezentraler betrieblicher Steuerung sei.

Im vergangenen Jahr war es zu massiven Störungen im Flugverkehr gekommen, was an Personalengpässen bei Fluglotsen, ungewöhnlich vielen Unwettern, aber auch organisatorischen Problemen bei der Lufthansa selbst lag. Hier hat sich die Lage gebessert durch Investitionen in mehr Reserveflugzeuge, auch Flugsicherung und Flughäfen setzten nach einem branchenweiten, im Herbst vereinbarten Plan mehr Ressourcen ein. Die Zahl der Flugausfälle bei der Lufthansa sank im ersten Halbjahr deutlich.

rei mit Reuters

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