Lufthansa intern Geheimpapier enthüllt - das fordern die Piloten wirklich

Kleiner Mann ganz groß: Zollen wir den Piloten eigentlich den Respekt, der ihnen gebührt?

Kleiner Mann ganz groß: Zollen wir den Piloten eigentlich den Respekt, der ihnen gebührt?

Foto: AP/dpa

Wieder einmal streiken die Piloten der Lufthansa, so dass Hunderte Flüge gestrichen werden und Tausende Passagiere am Boden bleiben müssen. Der Grund: Das Unternehmen will nicht auf die Forderungen der Flugzeugführer im Tarifkonflikt eingehen. Offiziell geht es dabei lediglich um eine bescheidene Gehaltserhöhung: Läppische 22 Prozent mehr Geld für die Zeit von April 2014 bis April 2017 hätte das Cockpit-Personal der Lufthansa gerne. Ein Klacks also, dem die Fluggesellschaft vermutlich schnell zustimmen könnte.

Doch wie manager magazin online exklusiv erfuhr, gibt es noch eine Reihe zusätzlicher Forderungen, von denen bislang nichts an die Öffentlichkeit gelangt ist. Welche Privilegien den Piloten im Einzelnen vorschweben, steht in einem internen Papier der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), das manager magazin online zugespielt wurde. Hier die wichtigsten Inhalte in Auszügen:

Diamanten an der Mütze und ein Leibarzt für jeden

Overdressed? Was die wenigsten wissen: Ludwig II. steuerte in seiner Freizeit gerne Verkehrsflugzeuge

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Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Nach dem Willen der Gewerkschaft VC sollten die Mützen der Lufthansa-Piloten bis vor Kurzem noch durch goldene, mit Juwelen besetzte Kronen ersetzt werden. Im Laufe der Verhandlungen konnte dieser Anspruch aber offenbar bereits abgemildert werden: Die Rede ist in dem VC-Papier nun nur noch von "diamantbesetzten Pilotenmützen" und "goldenen Manschettenknöpfen mit Edelsteinbesatz".

Zudem soll die Dienstuniform der Lufthansa-Piloten um einen mit Hermelinfell gefütterten Mantel aus purpurnem Samt erweitert werden.

Jedem Piloten der Lufthansa soll künftig rund um die Uhr ein persönlicher Diener zur Verfügung stehen, also auch außerhalb der Dienstzeit. Der Diener, so steht es im VC-Papier, habe einen schwarzen Frack zu tragen, schwarze Lackschuhe und weiße Handschuhe. Ebenso fordert VC für jedes seiner Mitglieder einen persönlichen Koch sowie einen Leibarzt.

Barbusige Amazonen auf schneeweißen Hengsten

Bitte einsteigen, Euer Hochwohlgeboren: Piloten fordern standesgemäße Fortbewegungsmittel

Bitte einsteigen, Euer Hochwohlgeboren: Piloten fordern standesgemäße Fortbewegungsmittel

Foto: DPA

Die Piloten wünschen sich auch die Einrichtung eines - selbstverständlich kostenlosen - Shuttle-Service für den Weg zur Arbeit und zurück. Der Transport soll vorzugsweise in sechsspännigen Kutschen erfolgen, ausgekleidet mit Brokat und eskortiert von je vier barbusigen Amazonen auf schneeweißen Hengsten. Alternativ wären laut VC auch goldene Sänften denkbar, aber nur, wenn sie von mindestens je acht Stewardessen in Seidendessous getragen würden und ausreichend mit Gold und Edelsteinen verziert seien, so das Papier der Gewerkschaft.

Einigkeit besteht zwischen Gewerkschaft VC sowie der Lufthansa hinter den Kulissen offenbar bereits über diesen Punkt: Die kompletten Strecken zwischen den Anwesen und Landsitzen der Piloten und den nächstgelegenen Flughäfen, wo sie in der Regel ihren Dienst antreten, sollen nach Möglichkeit mit roten Teppichen ausgelegt werden.

Celine Dion oder Robbie Williams im Cockpit

Let me entertain you! Die Langeweile im Cockpit empfinden viele Piloten als Zumutung

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Foto: Alexander Koerner/ Getty Images

Auf Flügen mit einer Dauer von mehr als fünf Stunden wünschen sich die Lufthansa-Piloten ein persönliches Unterhaltungsprogramm im Cockpit - mit Live-Performances bekannter Künstler wie Celine Dion oder Robbie Williams. Flugzeugführern mit einer Dienstzeit von mehr als fünf Jahren soll dieses Privileg bereits ab einer Flugdauer von vier Stunden zustehen, bei einer Dienstzeit von zehn Jahren oder mehr sogar schon ab 2,5 Stunden Flugdauer. Die Piloten legen auch Wert darauf, dass die Lufthansa künftig im persönlichen Gespräch sowie im Schriftverkehr mit ihnen die Anrede "Euer Gnaden", "Euer Herrlichkeit" oder "Euer Hochwohlgeboren" verwendet.

Wichtig: Der alljährliche Dank vom Bundespräsidenten

"Liebe Piloten der Lufthansa, im Namen aller Menschen in Deutschland möchte ich heute einmal Danke sagen. Danke, Danke und nochmal Danke, dass es Euch gibt."

"Liebe Piloten der Lufthansa, im Namen aller Menschen in Deutschland möchte ich heute einmal Danke sagen. Danke, Danke und nochmal Danke, dass es Euch gibt."

Foto: Michael Sohn/ dpa

Wie manager magazin online zudem aus Kreisen des Bundespräsidialamtes bestätigt wurde, wird auch über diesen Punkt verhandelt: Im Rahmen seiner Weihnachtsansprache im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soll der Bundespräsident künftig alljährlich eine Liste mit den Namen sämtlicher Lufthansa-Piloten verlesen und ihnen für ihre Dienste im Namen des deutschen Volkes Dank aussprechen.

(Ursprünglich hatte VC eine solche Danksagung durch den Papst im Rahmen des Ostersegens "Urbi et orbi" auf dem Balkon des Petersdoms gewünscht. Die Lufthansa konnte aber in monatelangem Hin und Her bis auf Ebene des Bundespräsidenten herunterverhandeln.)