Sonntag, 22. September 2019

Lufthansa-Chef Mehr Flugpassagiere statt "Greta-Effekt"

Frankfurt am Main: Eine Lufthansa-Maschine setzt zur Landung auf der Nordwest-Landebahn des Flughafens an. (Unten rechts sind Lichter der Anflugbefeuerung zu sehen.)

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann keine Zurückhaltung der Kunden durch die derzeitige Klimaschutz-Debatte feststellen. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, sagte Spohr in einem Interview der "Neuen Züricher Zeitung am Sonntag" auf die Frage nach einem "Greta-Effekt". Damit wird auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg angespielt, die mit ihren Protesten die jüngste Klimaschutzbewegung angestoßen hat. Doch Spohr erwartet für die gesamte Lufthansa-Gruppe 2019 einen Passagierzuwachs von rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings setze der Preiskampf dem Unternehmen zu, räumte Spohr ein.

Desaster Eurowings - was die Gewinnwarnung der Lufthansa verschweigt

"Grundsätzlich erwarten wir nach zwei Rekordjahren wieder ein Jahr mit guten Ergebnissen", sagte der Konzernchef. Aber ein zu hohes Angebotswachstum in der Branche, besonders in Deutschland, bringe Überkapazitäten. Die drücken auf die Flugpreise, so dass 2019 für die Lufthansa kein neues Rekordjahr werde. Deutschlands größte Airline hatte Mitte Juni ihre Gewinnziele für das laufende Jahr gekappt.

In dem NZZ-Interview kritisierte Spohr die Konkurrenz für Tiefstpreise: "Wettbewerber arbeiten tatsächlich teilweise mit Preisen pro Flug unter zehn Euro". Das sei ökonomisch, ökologisch und politisch unverantwortlich. "Flüge für unter zehn Euro dürfte es nicht geben." Darüber liegende Billigangebote der Lufthansa-Tochter Eurowings verteidigte der Manager damit, dass sich sein Konzern zur Verteidigung von Marktanteilen nicht ganz dem Preiskampf entziehen könne. Dieser werde so lange wie nötig durchgehalten, sagte Spohr. "Uns wird jedenfalls keiner aus unseren Heimatmärkten verdrängen."

rtr/mh

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung