Sonntag, 19. Mai 2019

Hauptversammlung in Bonn Lufthansa legt Übernahmeangebot für Condor vor

Condor-Maschine von Thomas Cook: Der britische Konzern will sich von dem Ferienflieger trennen

Die Lufthansa Börsen-Chart zeigen hat offiziell ihr Interesse bekundet, den Ferienflieger Condor komplett zu übernehmen. Ein entsprechendes unverbindliches Angebot sei an den britischen Eigentümer Thomas Cook gerichtet worden, erklärte Konzernchef Carsten Spohr am Dienstag bei der Hauptversammlung seines Unternehmens in Bonn. Das Angebot könne auch auf die kompletten Airlines der Thomas-Cook-Gruppe erweitert werden. Es reiht sich damit ein in die umfangreichen Expansionspläne des Lufthansa-Chefs, bei denen es auch um weitere Zukäufe, Drehkreuze und den Börsenwert geht.

Besonders attraktiv an der Condor erscheint die Langstrecke zu touristischen Zielen ab Frankfurt und München, die an die Lufthansa-Tochter Eurowings angeschlossen werden könnte. Bei der Übernahme des Kurz- und Mittelstreckenangebots hatten Lufthansa-Manager in der Vergangenheit stets auf mögliche kartellrechtliche Bedenken der EU-Kommission hingewiesen. Hier rechne man mit Auflagen seitens der Kommission, erklärte Spohr. Die EU hatte bereits die Übernahme noch größerer Teile der insolventen Air Berlin durch die Lufthansa aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verhindert.

Der finanziell angeschlagene Touristikkonzern Thomas Cook (TC) hatte seine Fluggesellschaften mit zuletzt 105 Flugzeugen und rund 9000 Beschäftigten im Februar zum Verkauf gestellt, um zusätzliche Mittel für neue Hotels und die Digitalisierung zu erhalten. Thomas Cook Börsen-Chart zeigen unterhält Flugbetriebe in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Spanien, die im vergangenen Jahr einen operativen Spartengewinn von 129 Millionen britischen Pfund (147 Millionen Euro) eingeflogen haben.


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Eine erste Frist für ernsthafte Interessensbekundungen läuft an diesem Dienstag (7. Mai) ab. Medienberichten zufolge hatten sich auch die Wizz-Mutter Indigo, Ryanair , Easyjet und die British-Airways-Mutter IAG für die TC-Airlines interessiert.

Kritische Aktionäre wollen Vorstand Entlastung verweigern

Die Lufthansa hat die Aktionäre am Dienstag zu ihrer Hauptversammlung nach Bonn geladen. Konzern-Chef Carsten Spohr muss den Aktionären angesichts sinkender Gewinne, steigender Kerosin-Preise und der neuen "Flugscham" vieles erklären. Starker Gegenwind droht dem vor fünf Jahren angetretenen Lufthansa-Chef aber nicht.

Erstmalig will der Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre bei Europas umsatzstärkster Airline die Klimaproblematik diskutieren. In einem förmlichen Antrag zur Tagesordnung fordert der Verband, die Mitglieder des Vorstands nicht zu entlasten, weil sie zu wenig gegen den Anstieg der CO2-Emissionen getan hätten. Bereits bei der Hauptversammlung des Energieriesen RWE hatte die Organisation einen Teil ihres Rederechts an Aktivisten der Bewegung "Fridays for future" abgetreten, was sich nun in Bonn wiederholen könnte.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa AG mit einem stark ausgebauten Flugangebot ihre CO2-Emissionen um 7 Prozent auf 32,6 Millionen Tonnen gesteigert. In diesem Licht scheine das von der Zivilluftfahrtorganisation ICAO vorgegebene Ziel eines CO2-neutralen Wachstums unrealistisch, betonte der Dachverband und bezeichnete die von Lufthansa angekündigten Gegenmaßnahmen als nicht ausreichend.

Dividende soll unverändert bei 0,80 Euro liegen

In seiner Stellungnahme verwies das Management auf den niedrigsten Durchschnittsverbrauch in der Geschichte des Unternehmens, der im vergangenen Jahr vor allem mit effizienteren Jets erreicht worden sei. Die Airlines der Gruppe benötigten im Schnitt noch 3,65 Liter Kerosin, um einen Passagier 100 Kilometer weit zu fliegen. Die Flottenerneuerung gehe weiter. 2018 wurden 29 neue Flugzeuge in die Flotte aufgenommen, für 2019 sind 32 Neuzugänge geplant. Man wolle die Umweltauswirkungen auf ein unvermeidbares Maß beschränken und nach einem internationalen Verfahren von 2021 an das Wachstum mit CO2-Zertifikaten komplett kompensieren, so das Unternehmen.

Im vergangenen Jahr hatte der Dax-Konzern mit einem um 8 Prozent gesteigerten Angebot bei sinkenden Preisen den Umsatz um 1 Prozent auf 35,84 Milliarden Euro gesteigert. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 2,16 Milliarden Euro, rund 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal dieses Jahres ging es weiter abwärts. Der Vorstand schlägt den Aktionären eine unveränderte Dividende von 0,8 Euro pro Anteil vor.

Lufthansa verlängert Vertrag mit Eurowings-Chef Dirks

Bereits am Vorabend hatte die Lufthansa bekannt gegeben, dass der Vertrag mit Eurowings-Chef Thorsten Dirks um weitere drei Jahre bis Ende April 2023 verlängert wird. Damit setze der 55-Jährige als Unternehmenschef den Umschwung fort, teilte Lufthansa nach einem Aufsichtsratsbeschluss in Frankfurt mit.

Der einstige Telekommunikationsmanager war zum Mai 2017 für zunächst drei Jahre an Bord geholt worden, um die Digitalisierung in dem Luftverkehrskonzern voranzubringen. In der Praxis bekam es der am 17. Juni 1963 in Hamburg geborene Dirks aber mit der Übernahme großer Teile der insolventen Air Berlin und einem erheblichen Flugchaos im zurückliegenden Sommer zu tun.

Um die Lage bei der Billigtochter zu stabilisieren, strich der Konzern die Wachstumspläne für das laufende Jahr komplett zusammen. Der geplante Verkauf der früheren Air-Berlin-Tochter LG Walter mit ihren Dash-Propellermaschinen soll die Flotte vereinheitlichen und die Prozesse bei Eurowings verbessern. Eurowings strebt an, pro Standort nur noch mit jeweils einem ihrer diversen Flugbetriebe präsent zu sein und will operativ aus der Verlustzone herauskommen.

mg/dpa-afx

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