Montag, 20. Mai 2019

Enttäuschende Quartalsbilanz Lufthansa-Aktien fliegen aus den Depots

Lufthansa-Flieger in Düsseldorf: Die Airline will beim Kapazitätswachstum auf die Bremse treten

Gestiegene Kosten für Treibstoff und Entschädigungszahlungen an Kunden haben den Gewinn der Lufthansa im dritten Quartal noch stärker belastet als erwartet. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) lag mit 1,35 Milliarden Euro knapp 11 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Auch der Umsatz fiel mit 9,96 (Vorjahresquartal 9,8) Milliarden Euro niedriger aus als erwartet. Analysten hatten im Schnitt mit einem Ergebnis von 1,41 Milliarden Euro bei Erlösen von 10,1 Milliarden Euro gerechnet.

Die Aktien der Lufthansa Börsen-Chart zeigen haben mit einem Kurseinbruch auf die Bekanntgabe der Quartalsbilanz reagiert. Zuletzt notierten die Papiere als klares Schlusslicht im Dax Börsen-Chart zeigen 9 Prozent tiefer bei 17,14 Euro und damit auf dem niedrigsten Stand seit Ende Mai 2017. Seit Jahresbeginn haben die Papiere damit mehr als 40 Prozent an Wert verloren, nachdem sie Anfang 2018 im Nachklang der Air-Berlin-Pleite ein Rekordhoch erlebt hatten.

Allein in den vergangenen gut fünf Wochen verloren die Titel der Airline mehr als ein Viertel ihres Wertes, nachdem sie Anfang Januar im Nachgang der Air-Berlin-Pleite noch ein Rekordhoch bei 31,26 Euro verzeichnet hatten. Im laufenden Jahr summiert sich der Kursabschlag auf rund 44 Prozent, was die Lufthansa-Aktie zum zweitschwächsten Dax-Wert nach der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen macht.

Im kommenden Jahr will die Lufthansa das Kapazitätswachstum, das 2018 durch die Übernahme von Air-Berlin-Teilen getrieben war, drosseln. "Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Kostenanstieg von mehr als einer Milliarde Euro allein durch Treibstoffkosten und Sonderbelastungen durch Flugausfälle und Verspätungen", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Die Ausgleichszahlungen für verspätete und ausgefallene Flüge schnellten im Sommer in die Höhe, weil der stark wachsende Luftverkehr durch Personalengpässe bei der Flugsicherung und technische wie organisatorische Probleme bei Airlines und Flughäfen gestört war. An Entschädigungszahlungen fielen bei der Lufthansa in diesem Jahr bereits 350 Millionen Euro an.

Bei der Lufthansa sind in diesem Jahr bereits 18.000 Flüge ausgefallen, rechnerisch mehr als 60 pro Tag, wie kürzlich Vorstandsmitglied Harry Hohmeister gesagt hatte. Zusätzlich gab es zahlreiche Verspätungen. Lufthansa schiebt die Schuld zum Großteil auf Flugsicherung, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung.

Ticketpreise werden 2019 steigen

Die Treibstoffkosten sollen wegen des Ölpreisanstiegs im Gesamtjahr um 850 Millionen Euro auf gut sechs Milliarden Euro steigen, wie schon bisher erwartet. Für 2019 rechnet der Dax-Konzern auf Basis der gleichen Menge Kerosin mit einer zusätzlichen Verteuerung um 900 Millionen Euro. "Spätestens ab 2019" würden die "deutlich gestiegenen Treibstoffkosten" zu höheren Ticketpreisen führen, kündigte Spohr an.

Von Januar bis September ging das bereinigte Ebit um 7,7 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zurück. Im vierten Quartal rechnet die Kranich-Airline dank guter Nachfrage nach Langstreckenflügen jedoch mit steigenden Erlösen. Die Lufthansa bestätigte die Prognose eines leichten Gewinnrückgangs gegenüber dem Rekordjahr 2017, als sie operativ knapp drei Milliarden Euro verdiente.

Der Rückgang liegt auch am Verlust der Billigflugtochter Eurowings, die mit der Übernahme von 77 Maschinen der pleite gegangenen Air Berlin Integrationskosten von 170 Millionen Euro zu stemmen hat. Bis Ende September fiel bei Eurowings ein Verlust von 65 Millionen Euro an.

Anfang Oktober hatte die Branche bei einem Spitzentreffen mit der Bundesregierung ein Maßnahmenpaket geschnürt, um ein erneutes Flugchaos 2019 zu vermeiden. Die Lufthansa tritt wegen der überlasteten Infrastruktur am Boden und in der Luft auf die Wachstumsbremse und will die Kapazität im nächsten Sommer nur noch um knapp 4 Prozent ausbauen. Die Airline wolle die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur nicht überstrapazieren und zugleich ihre Profitabilität sichern, erklärte das Unternehmen. Im Gesamtjahr soll das Angebot 2019 um deutlich weniger als die für 2018 angepeilten 8 Prozent zulegen.

mg/rtr, afp

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