Samstag, 14. Dezember 2019

Wunsch nach Beteiligung Lufthansa lässt Qatar Airways abblitzen

Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gern machen"

Der Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, strebt eine Beteiligung an der Lufthansa an. "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gern machen", sagte der Manager am Sonntag am Rande eines Besuchs von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Doha. In einem ersten Schritt könne er sich zumindest eine "Partnerschaft" vorstellen. Die Aktien der Lufthansa Börsen-Chart zeigen legten am Montag knapp 2 Prozent zu.

Qatar auch an Partnerschaft interessiert

Qatar Airways hält bereits Anteile an verschiedenen anderen Gesellschaften. "Deutschland ist für uns sowohl bei Luftverkehrsdienstleistungen als auch bei der Entwicklung des Tourismus ein sehr wichtiges Land", erklärte Al-Baker weiter. Eine weitere Möglichkeit wäre etwa eine Codeshare-Vereinbarung, bei der die Partner bestimmte Verbindungen teilen, oder eine Kooperation in der Vermarktung. Qatar Airways' derzeitige Mitgliedschaft im Bündnis Oneworld wäre dabei noch ein Hindernis, sagte Al-Baker. Dies könne sich aber ändern: "Ich habe mehrere Male erwähnt, dass wir Oneworld verlassen werden." Lufthansa ist Teil des Bündnisses Star Alliance.

"Wir unterhalten immer gern Geschäftsbeziehungen mit nationalen Fluggesellschaften in den Ländern, in denen wir tätig sind", erklärte der Qatar-Airways-Chef. Und er würde sich freuen, wenn auch Lufthansa wieder in die katarische Hauptstadt fliegt. Zurzeit steuert sie Doha nicht an. Als Grund dafür gilt - neben der geringer als erwartet ausgefallenen Nachfrage - die Blockade von Katars Nachbarn gegen das Emirat seit dem Juni 2017. "Wir würden es begrüßen, wenn sie fliegen würden, es gibt hier Geschäftschancen für jeden", meinte Al-Baker.

Lufthansa zeigt sich wenig interessiert - Personalvorständin auf Abruf

Die Lufthansa erteilt Qatar allerdings umgehend eine Abfuhr. "Wir haben die Lufthansa in Deutschland nicht privatisiert, um sie in Qatar wieder verstaatlichen zu lassen", sagte ein Sprecher am Montag. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisiert häufig, dass die Fluggesellschaften der Golf-Staaten Qatar, Emirates oder Etihad wegen staatlicher Subventionen den Airlines in Europa unfairen Wettbewerb machen können. Umgekehrt sieht die Lufthansa wegen deren Dominanz an ihrem Heimatmarkt keine Chancen, in den Emiraten eine Marktposition aufzubauen.

Zumindest könnten die Avancen von Katar auch ein Thema auf der morgigen Aufsichtsratssitzung der Lufthansa sein. Die Aufseher haben einiges zu besprechen, unter anderem werden sie wohl auch über die Zukunft von Personalvorständin Bettina Volkens entscheiden. Das Gremium ist laut einem Bericht des "Handelsblatt" unzufrieden mit der Strategie und der Kommunikation der 56-Jährigen im Streit mit der Kabinengewerkschaft UFO. Es sei weniger die Frage, ob Volkens ihren Posten räumen muss, als vielmehr, wie und wann dies geschieht, schreibt die Zeitung.


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Die Lufthansa und die UFO streiten bereits seit mehreren Monaten vordergründig um Spesen und Zulagen für die rund 21.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. In dem gesamten Tarifkonflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Bei einem zweitägige Warnstreik Anfang November waren rund 1500 Flüge mit 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

mg/dpa-afx

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