Samstag, 21. September 2019

Klimaschutz als wichtiges Ziel formuliert Deutsche Luftfahrt will sauberer werden

Deutschlands Luftfahrtbranche soll sauberer werden

Bei der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz haben sich die Beteiligten auf eine Reihe von Zielen geeinigt. So soll die deutsche Luftfahrt künftig umweltschonender und nachhaltiger werden, zugleich aber international wettbewerbsfähig bleiben und sichere Arbeitsplätze bieten.

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften unterzeichneten bei der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz das sogenannte Leipziger Statement. Es soll auch Grundlage für eine Überarbeitung der Luftfahrtstrategie der Bundesregierung sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte die Bedeutung der Branche für die deutsche Wirtschaft und den Klimaschutz. Deutschland solle ein führender Standort für klimaverträglichere Flugzeugtechnologien werden, sagte sie.

Nationale Wasserstoffstrategie

Die Branche habe sich mit Selbstverpflichtungen, CO2-Emissionen zu senken, wichtige Ziele gesetzt und sei ein "Innovationsmotor". Merkel verwies auf die Entwicklung neuer, umweltverträglicherer Kraftstoffe.

"Wir wollen technologieoffen an die Dinge herangehen", sagte Merkel bei der Veranstaltung am Flughafen von Leipzig und verwies darauf, dass die "Potenziale von Wasserstoff auch für die Luftfahrt längst nicht erschlossen" seien. Bis Jahresende kündigte sie eine nationale Wasserstoffstrategie an.

Mit der Konferenz zeige die Bundesregierung auch, dass sie sich Themen wie Innovation, Standort- und Arbeitsbedingungen verpflichtet fühle - "da wir wissen, dass der Rest der Welt nicht schläft". Grundsätzlich lege die Bundesregierung bei der Luftfahrt der Zukunft einen Schwerpunkt auf Effizienz und Nachhaltigkeit.

Die Kanzlerin sagte zudem: "Wir wollen keine erzwungenen Einschränkungen unserer Mobilität." Umweltverbände kritisieren, der Flugverkehr sei die umweltschädlichste Art zu reisen, und fordern, die Zahl der Flüge deutlich zu reduzieren und deren Auswirkungen auf Klima und Luftqualität so gering wie möglich zu halten.

CO2-neutrales Fliegen als Ziel

In dem Leipziger Statement erklären die Unterzeichner ihren Willen, umwelt- und klimaschonende Technologien, Digitalisierung und neue Mobilität voranzutreiben. Ziel sei ein CO2-neutrales Fliegen. Gleichzeitig sollen der Luftfahrtstandort Deutschland und die Arbeitsplätze in der Branche gesichert werden.

Zu den Unterzeichnern gehörten die Minister für Wirtschaft und Verkehr, Peter Altmaier (CDU) und Andreas Scheuer (CSU), Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der Präsident des Bundesverbandes Deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie, Klaus Richter, IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und Ver.di-Vorstand Christine Behle.

Altmaier würdigte den Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften. Er hob die Bedeutung "ökoeffizienter Technologien" sowohl für mehr Umwelt- und Klimaschutz als auch für Wachstum, Beschäftigung und internationalen Markterfolg hervor: "Elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen" nannte Altmaier "zentrale Elemente strategischer Industriepolitik".

Verkehrsminister Scheuer sagte, sein Ministerium wolle "fördern statt verbieten" sowie saubere und synthetische Kraftstoffe billiger machen. Er setzte sich dafür ein, dass die Einnahmen der Luftverkehrssteuer für Forschung, Innovation und Klimaziele genutzt werden. "Ich will nicht, dass das Billig-Fliegen siegt."

Lufthansa-Chef zweifelt an positiver Wirkung einer höheren Kerosinsteuer

Derweil forderte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der die Leipziger Erklärung ebenfalls unterzeichnet hat, von der Bundesregierung einen Zeitplan für die Produktion von regenerativem Kraftstoff. "Als Ziel sollten wir uns nehmen, bis 2030 zu ersten Fortschritten gekommen zu sein", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow dem Radiosender SWR.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zog eine positive Wirkung einer möglichen Kerosinsteuer auf das Klima indes in Zweifel. Der Konzernchef warnte in der "Süddeutschen Zeitung", der Luftverkehr würde dann nur in andere Länder verlagert.

Fluggesellschaften würden im Ausland tanken, wo eine solche Steuer nicht erhoben werde. Spohr zufolge könnte der CO2-Ausstoß langfristig um 10 Prozent gesenkt werden, wenn synthetischer Treibstoff in großen Mengen hergestellt würde.

Der Sprecher für Luftverkehr der Linksfraktion, Jörg Cezanne, forderte eine Reduzierung des Luftverkehrs zum Schutz des Klimas. Das gehe am leichtesten durch Verlagerung der Kurz- und Mittelstrecken auf die Bahn.

brt/rei/afp/dpa-afx

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