Freitag, 15. November 2019

Milliardenfusion bahnt sich an Hongkonger Börse legt Milliardengebot vor, LSE reagiert verhalten

London Stock Exchange in London: Nach der Deutschen Börse versucht sich nun die Börse in Hongkong an einer Übernahme
Toby Melville/ REUTERS
London Stock Exchange in London: Nach der Deutschen Börse versucht sich nun die Börse in Hongkong an einer Übernahme

Unter den Börsenbetreibern bahnt sich eine Großfusion an: So will die Börse Hongkong ihr Pendant in London übernehmen, wie der Betreiber Hong Kong Exchanges & Clearing Börsen-Chart zeigen (HKEX) am Mittwoch in Hongkong mitteilte. HKEX habe der Londoner LSE Börsen-Chart zeigen ein Übernahmeangebot vorgelegt, das die Londoner Börse mit insgesamt rund 31,6 Milliarden britischen Pfund (etwa 35 Milliarden Euro) bewertet.

Die LSE-Aktie schoss um bis zu 16,4 Prozent in die Höhe. Auch die Titel der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen notieren zeitweise gut drei Prozent fester. Je LSE-Aktie biete HKEX 2045 Pence und 2,495 neue eigene Aktien. Darin inbegriffen seien zwei Milliarden Pfund an Schulden, die Hongkong übernehmen wolle.

Eine Fusion würde nicht nur einen weltweit führenden Finanzmarktkonzern entstehen lassen, sondern auch beide Geschäfte stärken, erklärte HKEX. Der Hongkonger Börsenbetreiber teilte weiter mit, schon Gespräche mit den Aufsehern im Heimatmarkt und in Großbritannien zu führen. Die Ankündigung vom Mittwoch sei jedoch noch keine finale, verbindliche Kaufofferte.

Eine Transaktion stehe zudem noch unter der Bedingung, dass die Anfang August angekündigte Übernahme des Datendienstleisters Refinitiv durch die LSE nicht zustande komme, erklärte HKEX. Der Deal zwischen den bisherigen Refinitiv-Eignern Blackstone und Thomson Reuters sowie der LSE wird derzeit von den Kartellbehörden und Finanzaufsehern in den USA, der Europäischen Union und anderen Ländern geprüft.

LSE reagiert verhalten

Die LSE bestätigte das Interesse aus Hongkong, reagierte allerdings verhalten. Die geplante Übernahme von Refinitiv werde weiter vorangetrieben, man mache Fortschritte. Das Angebot der HKEX komme unabgestimmt und stehe unter vielen Vorbehalten. Das LSE-Management werde es dennoch prüfen und sich in Kürze ausführlich dazu äußern.

Der HKEX gehört bereits die Londoner Metallbörse. Die LSE ist im Gegenzug an einem Ausbau ihres Geschäfts in Asien interessiert und verkündete vor Kurzem eine Partnerschaft in Shanghai. Refinitiv ist die ehemalige Finanzmarktsparte von Thomson Reuters, dem Mutterkonzern der Nachrichtenagentur Reuters. Sie wurde erst 2018 mehrheitlich von Blackstone übernommen. Das Unternehmen bietet unter anderem Börsenkurse und Konjunkturdaten sowie Informationen zu Fusionen und Übernahmen.

Sollte der Refinitiv-Deal mit der LSE nicht zustande kommen, könnte es für die Deutsche Börse wieder spannend werden: Die LSE hatte mit dem Refinitiv-Übernahmeangebot die Pläne des deutschen Börsenbetreibers durchkreuzt, sich die Devisenhandelsplattform FXall einzuverleiben, um ihre eigene Plattform 360T zu stärken.

Neben der LSE reagierten auch die Anteilsscheine der Branchenkollegen positiv. In Frankfurt zogen die Papiere der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen um rund 3 Prozent an. Die Deutschen hatten einst ebenfalls vorgehabt, die LSE zu übernehmen, waren im Frühjahr 2017 aber mit diesem Plan an dem Einspruch der EU-Kommission gescheitert.

mg/dpa-afx, rtr, afp

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