Kampagne der Apotheker gegen Versandhändler Apotheker - "Ausländer wollen sich bereichern"

Apotheken-Logo, aufgenommen an einer Apotheke in Hannover.

Apotheken-Logo, aufgenommen an einer Apotheke in Hannover.

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Die deutschen Apotheker ziehen mit nationalistischer Rhetorik gegen neue Konkurrenten zu Felde. In der Ankündigung einer groß angelegten Unterschriftenaktion formuliert Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: "Sammeln Sie (...) in Ihrer Apotheke so viele Unterschriften wie möglich, die zeigen: Deutschlands Patienten wollen, dass die Politik unser Gesundheitssystem vor gefährlichen Einflüssen von außen schützt." Der erste Satz eines mitgelieferten Plakats zum Aushang in der Apotheke lautet: "Aktuelle Entscheidungen der EU machen es ausländischen Konzernen noch einfacher, sich an unserem Gesundheitssystem zu bereichern."

Die Aktion ist der bisherige Höhepunkt einer der schrillsten und umfangreichsten Lobby-Aktionen in der Geschichte der Bundesrepublik. Anlass ist

ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Oktober, wonach Versandhändler künftig Medikamente mit Rabatten anbieten dürfen. Für die Apotheken werden die Preise verschreibungspflichtiger Medikamente zentral und weitgehend nach politischen Vorgaben festgelegt. Die deutschen Apotheker fürchten seit dem Urteil um ihr Geschäftsmodell: "Es geht um die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland und damit auch um die Zukunft Ihrer Apotheke", schreibt Schmidt. Von dem Urteil würden Anbieter wie DocMorris, Shop-Apotheke oder Online-Händler wie beispielsweise Amazon profitieren.

Schmidt vertritt eine einflussreiche Berufsgruppe: Die Apotheker haben jährlich Millionen von Kontakten mit Kunden - und potenziellen Wählern. Schmidts Lobbyverband hat in den vergangenen Wochen die Parteien mit dem Ziel bearbeitet, per Bundesgesetz den Vormarsch der Versandhändler zu stoppen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) versprach bereits Hilfe, der Koalitionspartner SPD sucht noch nach einer finalen Position.

Die Unterschriftenaktion soll nun weiteren Druck aufbauen. Schmidt hat seinen Mitgliedern dazu einen mehrseitigen Leitfaden und umfangreiche Materialien geschickt - unter anderem einen "praktischen Sammelblock für Unterschriften" sowie ein "Fax-Formular für Nachbestellungen" (den vollständigen Brief finden Sie hier). Außer mit dem Verweis auf gefährliche Ausländer argumentiert der Apothekerverband auch damit, dass das Netz von Apotheken und ihre Beratungsleistung geschwächt werden könnten - unter anderem, dass "auf lange Sicht keine zuverlässige Beratung für Schwangere, Senioren und Kranke" mehr möglich sein könnte. Die Aktion soll noch im Dezember starten und bis zum 1. März 2017 dauern.