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Lithium: Das weiße Gold

Foto: Doc Searls / CC BY 2.0

Schlüssel-Rohstoff für Batterien boomt Lithium - ein Rausch in Weiß

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Lithium: Das weiße Gold

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In diesem Kaff soll ein neuer amerikanischer Traum beginnen? Die 107-Seelen-Siedlung Silver Peak in der Wüste Nevadas gibt dafür eine traurige Kulisse ab: Windschiefe Holzhäuser stehen da entlang der Hauptstraße herum, zum Teil sind es eher Gerippe. Auf dem Friedhof umgibt hohes, vertrocknetes Gras die Gräber. Wenn es etwas zu besprechen gibt, treffen sich die Einwohner in der düsteren "Old School Sports Bar", der einzigen Kneipe im Ort.

Was das Bild verdeckt: In Silver Peak geht es aufwärts.  Mehr und mehr Lithium-Firmen entdecken den Ort und das gesamte Clayton Valley. Dabei hatte die Siedlung schon den Status einer Geisterstadt bekommen. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts florierende Silbergewinnung war um 1915 zum Erliegen gekommen. Doch der Lithium-Boom, der die Rohstoffwelt derzeit erfasst, wirbelt auch in der Einöde der westlichen USA Staub auf. Zahlreiche größere und kleinere Minenfirmen, ausgestattet mit dem Geld risikofreudiger Anleger, suchen ihr Glück mit Bohrern und Pumpen unter der Wüstenerde. Dort lagern große Mengen Lithium-haltigen Wassers.

Die Gebiete sind abgesteckt . Mindestens zwölf Firmen hoffen auf einen möglichst hohen Lithium-Gehalt im Wasser unter ihren Ländereien. Sie probieren verschiedene Techniken aus, um das Metall zu extrahieren. Pionier ist das Unternehmen Rockwood Lithium, das in Silver Peak schon seit Jahren aktiv ist.

Lithium gilt als Schlüssel-Rohstoff für die Industrie der kommenden Jahrzehnte. Ob Smartphones, Drohnen, Roboter-Rasenmäher, Elektroautos oder stationäre Stromspeicher: Überall stecken Lithium-Ionen-Batteriezellen drin.

Von derzeit 35 Gigawattstunden soll der Bedarf an derartigen Batterien auf 122 Gigawattstunden im Jahr 2020 steigen, erwartet der Branchendienst Benchmark Mineral Intelligence. Bis 2020 soll der Weltmarkt 40 Milliarden Dollar groß sein, 2015 waren es 24 Milliarden.

Damit wächst beständig auch der Hunger nach Lithium. Der Wertschöpfungsanteil von Lithiumverbindungen in den Batterien liegt Fachleuten zufolge bei einem einstelligen Prozentwert. In einem Elektroauto stecken je nach Batteriegröße Lithiumverbindungen im Wert von einigen Hundert Euro. Auch andere Rohstoffe wie Graphit oder Kobalt gewinnen in Elektroautos an Bedeutung.

Der Preis für eine Tonne reinen, weißen Lithiumhydroxids sei binnen zwei Jahren von etwa 7000 auf knapp 20.000 Dollar gestiegen . Es gibt andere, weniger dramatische Angaben - der Markt ist intransparent und fragmentiert. Doch die Tendenz nach oben zeigt sich überall.

"Im scharfen Gegensatz zu anderen Rohstoffen haben die Lithium-Preise 2015 abgehoben und steigen weiter", stellen die Analysten von Macquarie Research fest. Der Grund: "Der lange erwartete Aufstieg der Elektroautos hat eingesetzt."

Teslas Gigafactory wirkt wie ein gewaltiger Lithium-Staubsauger

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Auch in Chile, Mexiko, Australien, China und anderswo rüsten Rohstofffirmen bei der Lithium-Gewinnung deshalb auf. Oft holen die Unternehmen das Metall aus Salzwasser wie in Nevada, vor allem in Südamerika. Auch in Tonschichten sind Vorkommen anzutreffen. In Australien extrahieren sie es aus Gestein. Das ist aufwändiger und lohnt sich nur unter günstigen Umständen.

Die Aktivitäten in Nevada haben jedoch auch eine besondere symbolische Bedeutung. Etwa dreieinhalb Autostunden entfernt, nahe Reno, baut Tesla eine gigantische Batteriefabrik. Dort sollen in wenigen Jahren Akkus für jährlich 500.000 Elektroautos vom Band rollen. Dafür werden 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid benötigt. Im vergangenen Jahr umfasste der Weltmarkt 50.000 Tonnen. Teslas Fabrik - so sie wie geplant fertiggestellt wird - wirkt wie ein gewaltiger Lithium-Staubsauger.

Dass in der Nähe Lithium gewonnen wird, kann ein strategischer Vorteil für Tesla sein. Doch der Elektroautobauer ist mit zahlreichen weiteren Firmen im Gespräch, die beispielsweise in Mexiko aktiv sind.

Viele Unsicherheiten und Risiken

Der Rausch in Weiß birgt naturgemäß viele Unsicherheiten und Risiken. Viele Technologien, mit denen die Firmen im Clayton Valley und anderswo experimentieren, könnten sich als untauglich erweisen. Schon jetzt sind viele einst hoffnungsvolle Lithium-Unternehmen wieder von der Bildfläche verschwunden.

Wenn alle Welt nach Lithium sucht, ist die Gefahr eines Überangebots und kollabierender Preise groß. Auch könnten sich mittelfristig alternative Speichertechniken durchsetzen, die ohne das Metall auskommen. Zumindest in den kommenden Jahren ist der Stoff allerdings notorisch knapp, erwarten die Macquarie-Experten.

Für Silver Peak, die ehemalige Geisterstadt, ist das eine gute Nachricht. Sie könnte endgültig wieder zu neuem Leben erwachen.

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