Sonntag, 21. April 2019

Lira unter Druck Erdogan droht Währungsspekulanten

Recep Tayyip Erdogan macht Währungsspekulanten für Lira-Verluste verantwortlich

Eine knappe Woche vor den wichtigen Kommunalwahlen in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan Währungsspekulanten mit Konsequenzen gedroht. Diejenigen, die "provokative Aktionen" unternähmen, Devisen kauften und auf einen Kursverfall der Türkischen Lira Börsen-Chart zeigen setzten, müssten einen "sehr hohen Preis zahlen", sagte Erdogan am Sonntag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf einer Wahlkampfveranstaltung in Istanbul.

"Ich wende mich an diejenigen, die am Vorabend der Wahl solchen Aktionen beitreten, wir kennen Eure Identität, wir wissen, was Ihr alle gemacht habt", sagte Erdogan demnach. Die Bankenaufsichtsbehörde BDDK habe bereits Schritte unternommen.

Der Kurs der Türkischen Lira hatte am Freitag um mehr als 4 Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Es war der stärkste Wertverluste an einem Tag seit der Krise im vergangenen August. Am Samstag ermittelte dann die BDDK nach Anadolu-Angaben gegen die US-Bank JP Morgan. Hintergrund sei ein Bericht der Bank von Freitag, meldete Anadolu, ohne Details zum Inhalt zu nennen.

Die Lira war am Freitag unter Druck geraten, nachdem Erdogan auf die Aussage von US-Präsident Donald Trump reagierte, der die Aberkennung der von Israel besetzen Golanhöhen ins Spiel brachte. Erdogan sagte bei einem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, dass sie niemals zuließen, dass die Besetzung der Golanhöhen legitimiert werde. Händler machten sich daraufhin Sorgen über einen weiteren Konflikt unter den Nato-Partern. Am Montagvormittag erholte sich die türkische Währung gegenüber dem Dollar wieder leicht, konnte den Verlust vom Freitag aber nicht wettmachen.

Inflation bei 20 Prozent

Schon im Sommer hatte unter anderem ein Zerwürfnis mit den USA zu einer Währungskrise in der Türkei geführt. Die türkische Wirtschaft war schließlich zum Jahresende 2018 in die Rezession gerutscht. Ökonomen sprechen von Rezession, wenn eine Volkswirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Die Inflation lag zuletzt bei 20 Prozent, immer mehr Firmen melden Konkurs an, die Lebensmittelpreise sind um 29 Prozent gestiegen. Um die Märkte zur Senkung der Preise zu zwingen, hat die Regierung seit Mitte Februar eigene Verkaufsstände eingerichtet, die verbilligtes Gemüse anbieten.

Die wirtschaftliche Lage der Türkei gilt als eines der Hauptthemen bei den Kommunalwahlen am 31. März. Zuletzt intensivierte Erdogan in den vergangenen Tagen so auch seine Angriffe auf die Opposition. Bei einem Auftritt in Ankara in der vergangenen Woche, bezeichnete er den Bürgermeisterkandidaten der Oppositionspartei CHP, Mansur Yavas, beispielsweise als "Steuerhinterzieher" und "Schuldschein-Akrobaten". Yavas lag Umfragen zufolge in der vergangenen Woche vor dem Kandidaten der AKP.

dpa-afx/ rtr / akn

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