Montag, 22. April 2019

Trotz des starken Euro Linde wächst vor Fusion mit Praxair unerwartet stark

Vor allem im Anlagenbausparte konnte Linde Umsatz und Gewinn überproportional steigern

Vor der Fusion mit Praxair zeigt Linde nochmal Stärke: Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal kletterten. Vor allem die von den Amerikanern kritisch beäugte Anlagenbausparte überraschte mit starken Zuwächsen.

Vor der geplanten Fusion mit dem US-Rivalen Praxair wächst der Industriegasekonzern Linde überraschend stark. Dank guter Geschäfte in der von den Amerikanern kritisch beäugten Anlagenbausparte kletterten die Erlöse im zweiten Quartal um 1,1 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Der Betriebsgewinn stieg um 3,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Bei Herausrechnung von Wechselkurseffekten legten Umsatz und Ergebnis sogar jeweils um rund 8 Prozent zu.

Dass der Umsatz die von Branchenexperten erwarteten 4,1 Milliarden Euro übertraf, lag aber auch daran, das Linde ein früher zum Verkauf gestelltes Konzernsegment nun doch behält: Weil sich für die Kühllogistiktochter Gist kein Käufer fand, nahm Linde sie rückwirkend wieder in die Bilanz auf. Der Konzern hatte das laut Insidern mit rund einer halben Milliarde Euro bewertete Segment zwei Jahre lang ins Schaufenster gestellt.

An der Frankfurter Börse legte die Aktie von Linde Börsen-Chart zeigen bis Mittag um 2,8 Prozent zu und war damit größter Gewinner im Leitindex Dax.

Die Anlagenbausparte, die traditionell weniger profitabel ist als das wesentlich größere Geschäft mit Gasen wie Sauerstoff oder Stickstoff, steigerte ihren Umsatz im abgelaufenen Quartal um 35 Prozent auf 762 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis legte sogar um 75 Prozent auf 77 Millionen Euro zu. Damit erhöhte sich die Umsatzrendite um 2,3 Punkte auf 10,1 Prozent.

Weil die Renditen im Gasegeschäft oft dreimal so hoch sind, hatte Praxair bereits Zweifel an einer Fortführung des Anlagenbaus geäußert, wenn sich die beiden Konkurrenten zum weltgrößten Industriegasekonzern zusammenschließen. Linde argumentiert hingegen, dass der Anlagenbau bei Kunden oft erst die Türen für lukrative Aufträge im Gasegeschäft öffne.

Starker Euro drückt Umsatz der Gasesparte

Die Gasesparte litt im zweiten Quartal abermals unter dem starken Euro. Weil ein großer Teil der Einnahmen in Dollar und anderen Währungen fließt, sank der Spartenumsatz um 2,7 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Ohne die negativen Wechselkurseffekte wäre es ein Anstieg um 4,7 Prozent gewesen. Der Betriebsgewinn gab um knapp ein Prozent auf 1,1 Milliarden Euro nach. Dennoch stieg die Umsatzrendite um leicht auf gut 30 Prozent.


Teilverkauf an Japaner: Linde und Praxair gehen auf Nummer sicher


Linde bekräftigte die Erwartung, dass der Zusammenschluss mit Praxair im zweiten Halbjahr über die Bühne geht. "Die fusionskontrollrechtlichen und regulatorischen Prozesse sind in vollem Gange", erklärte Vorstandschef Aldo Belloni. Linde und Praxair haben den Kartellbehörden angeboten, sich von großen Geschäftsteilen in Europa und Amerika zu trennen, um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen.

Linde bestätigte zudem seinen Jahresausblick. Demnach sollen der Umsatz um bis zu vier Prozent und der Betriebsgewinn um bis zu fünf Prozent steigen. Praxair will seine Quartalszahlen am Donnerstag vorlegen.

rei/Reuters

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