Kein Verfahren gegen Linde-Chefaufseher Staatsanwälte lassen Reitzle in Ruhe - vorerst

Wolfgang Reitzle: Vorerst kein Ermittlungsverfahren

Wolfgang Reitzle: Vorerst kein Ermittlungsverfahren

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt vorerst nicht gegen Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle wegen des Verdachts des Insiderhandels. "Die uns derzeit vorliegenden Unterlagen reichen nicht aus, um einen Anfangsverdacht zu begründen", sagte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösel am Freitag. Daher werde auch kein Ermittlungsverfahren eröffnet. Reitzle war ins Visier der Finanzaufsicht BaFin geraten, weil er vor Wochen vor dem ersten und schließlich gescheiterten Fusionsversuch mit dem US-Rivalen Praxair Linde-Aktien im Wert von einer halben Million Euro gehandelt hat.

Damit kann Reitzle die Fusion mit dem US-Gasekonzern Praxair nun unbelastet von juristischen Problemen vorantreiben. Allerdings hat Reitzle noch eine andere Baustelle: Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sind geschlossen gegen eine Fusion mit Praxair. Kommt es zu keiner Einigung, müsste Reitzle das Vorhaben mit Hilfe seines doppelten Stimmrechts durchboxen. Dies hatte er bereits angekündigt.

Kauf von Linde-Aktien im Wert von 500.000 Euro

Hintergrund der Insider-Vorwürfe: Reitzle war im Mai 2016 Aufsichtsratschef geworden und hatte im Juni für eine halbe Million Euro Linde-Aktien gekauft. Anfang August legte die Linde-Aktie plötzlich kräftig zu, Mitte August bestätigte Linde  schließlich Fusionsverhandlungen mit Praxair.

Die Finanzaufsicht Bafin durchleuchtete die Vorgänge intensiv und übergab ihren Untersuchungsbericht kürzlich der Staatsanwaltschaft. Diese will die Sache zwar noch weiter prüfen, sieht aber nach jetzigem Stand keinen hinreichenden Verdacht für eine Straftat. Reitzle hatte die Aktienkäufe veröffentlicht und als Bekenntnis des neuen Chefkontrolleurs zum Unternehmen erklärt.

Mit dem Zusammenschluss von Linde und Praxair würde der größte Industriegasekonzern der Welt entstehen, mit 28 Milliarden Euro Umsatz, 60 Milliarden Euro Börsenwert und 80.000 Mitarbeitern. Die Vorstände erwarten aus der Fusion Kostenvorteile von einer Milliarde Euro jährlich. Die Aktionärsvertreter im Linde-Aufsichtsrat sind geschlossen für den Zusammenschluss, die Betriebsräte und Gewerkschaften lehnen ihn ebenso entschieden ab: Sie befürchten einen massiven Stellenabbau und kritisieren den absehbaren Wegfall der Mitbestimmung.

Reitzle hat angekündigt, die Fusion bei der Anfang Mai geplanten Abstimmung mit seinem Doppelstimmrecht als Aufsichtsratschef durchzusetzen. Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler stellt deshalb in "Frage, ob Reitzle der Richtige für Linde ist".

la/dpa/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.