Jede zehnte Stelle in Deutschland soll wegfallen Das Zittern bei Linde beginnt von vorn

Neuer Stellenabbau bei Linde geplant: 1000 Jobs gingen noch vor der Fusion mit Praxair verloren. Jetzt sollen mindestens 800 weitere wegfallen.

Neuer Stellenabbau bei Linde geplant: 1000 Jobs gingen noch vor der Fusion mit Praxair verloren. Jetzt sollen mindestens 800 weitere wegfallen.

Foto: DPA

Beim Industriegase-Konzern Linde  sollen einem Insider zufolge nach der Fusion mit Praxair in Deutschland mehr als 800 Stellen gestrichen werden. Das Unternehmen wolle damit die bei dem Zusammenschluss versprochenen Synergien heben, sagte eine mit den Plänen vertraute Person am Mittwoch Reuters.

Die "FAZ"  hatte darüber vorab aus ihrer Donnerstagausgabe berichtet. Das wäre mehr als jeder zehnte der rund 7000 Linde-Arbeitsplätze in Deutschland. Betroffen seien alle Sparten vom Anlagenbau bis zum Gasegeschäft. Bis Ende 2021 sind aber alle Mitarbeiter vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Linde hatte noch vor der Fusion im Inland knapp 1000 Stellen abgebaut, gleichzeitig aber auch Mitarbeiter eingestellt.

Ein Linde-Sprecher wollte sich am Mittwoch nicht zu dem Bericht äußern. Die Gewerkschaft IG Metall erklärte, sie werde am Donnerstag zu dem Thema Stellung nehmen.

Linde gibt Zentrale in München auf

Zum Jahresende gibt Linde zudem die Unternehmenszentrale in der Münchner Innenstadt nach zehn Jahren auf. Die verbliebenen rund 250 Mitarbeiter, die dort ihren Arbeitsplatz haben, ziehen nach Pullach um, wo Linde seinen größten Standort mit rund 3500 Beschäftigten unterhält, wie der Sprecher bestätigte.

Gewerkschaften und Mitarbeiter aber auch Aktionäre hatten den Zusammenschluss von Linde mit Praxair scharf kritisiert und bekämpft. Letztlich vergeblich: Ende Oktober 2018 hatte die US-Kartellbehörde FTC die 75 Milliarden Euro schwere Fusion der beiden Anbieter von Sauerstoff und Helium als letzte Instanz genehmigt. Linde-Chefaufseher Wolfgang Reitzle hatte den Zusammenschluss mit großem Einsatz betrieben.

Gründer Carl von Linde hatte in München 1901 seine erste "Sauerstoffmaschine" in Betrieb genommen. Die zentralen Funktionen wurden nach dem Zusammenschluss mit Praxair zwischen München und Danbury im US-Bundesstaat Connecticut aufgeteilt. Linde war 2007 von Wiesbaden nach München umgezogen, das damals neu gebaute Gebäude ist nur gemietet.

rei/Reuters