Donnerstag, 22. August 2019

Fusion angestrebt Takeaway und Just Eat schmieden Riesen für Essenslieferung

Takeaway.com und Just Eat teilen die Märkte unter sich auf und wollen jetzt fusionieren
Getty Images; AFP
Takeaway.com und Just Eat teilen die Märkte unter sich auf und wollen jetzt fusionieren

Unter den Essens-Lieferdiensten bahnt sich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an. Die niederländische Lieferando-Mutter Takeaway.com will ihren britischen Wettbewerber Just Eat kaufen. Weil der Deal komplett über einen Aktientausch stattfinden soll, dürften am Ende allerdings die Just-Eat-Aktionäre die Mehrheit an dem fusionierten Unternehmen halten, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. Just Eat-Aktien legten am Montag um 21 Prozent zu, während Takeaway-Aktien leicht nachgaben.

Beide Gesellschaften hatten die Fusionsgespräche am Wochenende bestätigt, nachdem der britische TV-Sender "Sky" darüber berichtet hatte. Schon am Montagmorgen folgte die vorläufige Einigung über die finanziellen Details. Allerdings betonten die Gesellschaften erneut, dass offen bleibe, ob es tatsächlich zu einer verbindlichen Offerte komme. Zudem müssten die Aktionäre beider Gesellschaften dem Deal zustimmen.


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Takeaway.com war mit einer Marktkapitalisierung von 5,1 Milliarden Euro an der Börse etwas mehr wert als Just Eat mit umgerechnet knapp 4,8 Milliarden Euro.

Bezahlen wollen die Niederländer den Deal komplett mit eigenen Aktien. Gemessen an den Schlusskursen vom Freitag bieten die Niederländer 731 Pence für jede Just-Eat-Aktie - ein Aufschlag von rund 15 Prozent auf den letzten Kurs von Just Eat. Das britische Unternehmen würde folglich mit knapp 5,5 Milliarden Euro bewertet.

Dabei sollen die Anteilseigner von Just Eat für jede ihrer Aktien 0,09744 Anteile an Takeaway.com erhalten. Insgesamt bekämen sie damit eine Beteiligung von etwa 52,2 Prozent an dem fusionierten Unternehmen. Die Aktionäre von Takeaway.com blieben knapp in der Minderheit. Im vorgesehenen vierköpfigen Management sollen allerdings die Leute von Takeaway.com die Mehrheit stellen, und auch Unternehmenssitz soll in Amsterdam bleiben.

Just Eat ist den Angaben zufolge mit mehr 100.000 Vertragsrestaurants etwa in Großbritannien, Australien und Neuseeland und mehr als 26 Millionen Kunden deutlich größer als der Rivale Takeaway.com, der dank eines starken Europa-Geschäfts zuletzt auf knapp 44.000 Restaurants und im Jahr 2018 auf Bestellungen von gut 14 Millionen Kunden kam. Insgesamt wickelten Takeaway.com und Just Eat im vergangenen Jahr rund 360 Millionen Bestellungen ab.

In der Branche zeichnet sich angesichts des harten Wettbewerbs eine Konsolidierung ab. Takeaway.com hatte vor wenigen Monaten für 930 Millionen Euro das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero mit den Lieferdiensten Lieferheld, Foodora und pizza.de übernommen. Die Transaktion sollte nach früheren Angaben im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden. Die Niederländer vertreten die These, dass in jedem Land nur der führende Essens-Lieferdienst profitabel arbeiten kann. Amazon hatte die Branche mit einem Investment von 575 Millionen US-Dollar in den britischen, nicht börsennotierten Wettbewerber Deliveroo aufgeschreckt.

Just Eat wiederum stand unter Druck zahlreicher Investoren unter Führung des aktivistischen Aktionärs Cat Rock, der auf eine Fusion mit Takeaway.com gedrängt hatte.

rei/dpa/Reuters

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