Banken-Angreifer Renaud Laplanche tritt ab Die gefallenen Stars der Fintech-Branche

Vaterfigur der Fintech-Branche: Lending-Club-Gründer Renaud Laplanche beim Börsengang 2014

Vaterfigur der Fintech-Branche: Lending-Club-Gründer Renaud Laplanche beim Börsengang 2014

Foto: AFP

Renaud Laplanche muss eine Menge richtig gemacht haben. Der Gründer der Online-Kreditplattform Lending Club  und passionierte Segler genoss bis zuletzt ein sensationelles Rating von 96 Prozent auf der Arbeitgeber-Bewertungsseite Glassdoor. Ähnlich beliebt war er auch unter Branchenkollegen. "Er hat nicht nur Lending Club sondern die gesamte Online-Kreditindustrie auf die Landkarte gesetzt", rühmt Peter Renton , Gründer der Branchenkonferenz Lendit.

Ein Mann mit einer Mission - den traditionellen Banken mit ihren aus seiner Sicht zu hohen Zinsmargen dank niedriger Kosten den Rang abzulaufen. Nur hat Laplanche wohl auch einiges falsch gemacht, sein Rücktritt am Montag schockte die Fintech-Welt. Lending Club, zum Börsengang 2014 noch mehr als acht Milliarden Dollar wert, ist auf 1,6 Milliarden abgestürzt.

Eine interne Untersuchung hatte zuvor "erhebliche Schwächen" zutage befördert. Dazu gehörte ein nicht gemeldeter Interessenkonflikt Laplanches und des Ex-Morgan-Stanley-Chefs John Mack, dessen Sitz im Board Lending Club als führenden Angreifer der Kreditwirtschaft adelte. Beide hatten in einen Fonds investiert, für den sich auch ihr Unternehmen interessierte.

Ist digitales Banking wirklich rationaler?

Schwerer jedoch wiegt, dass Lending Club der Investmentbank Jefferies auch Kreditrisiken verkaufte, die diese gar nicht haben wollte - und dazu noch die Daten manipulierte. Der Vorfall blieb zwar ohne Schaden für den Kunden, doch "berührt den Kern des Geschäftsmodells", schreibt das "Financial-Times"-Blog "Alphaville" . Denn das datenbasierte, digitale Banking sollte doch höhere Verlässlichkeit versprechen.

Das Hauptproblem der Online-Kreditplattformen besteht derzeit ohnehin darin, dass die Verbriefung von Krediten plötzlich kaum noch auf Interessenten stößt. Auch Rivalen wie OnDeck oder Prosper ist seit Jahresbeginn schlagartig das Kapital ausgeblieben, um neue Kredite zu refinanzieren. Eine schlechte Position, um traditionelle Banken anzugreifen - die können zumindest noch auf Einlagen von Sparern zurückgreifen.

"Die Sorgen des Unternehmens sind Teil einer breiteren Abrechnung" mit den Fintechs, schreibt die "New York Times" .

Die einen haben kein Geschäftsmodell ...

Das Geld der Ottos verbrannt: Powa-Gründer Dan Wagner

Das Geld der Ottos verbrannt: Powa-Gründer Dan Wagner

Foto: imago/Italy Photo Press

Während Lending Club sich noch einer Milliarden-Bewertung und entsprechender Hoffnungen der Anleger rühmen kann, hat die europäische Fintech-Szene bereits ihren ersten Mega-Kollaps hinter sich.

Powa aus London war ähnlich wie Lending Club schon fast ein Jahrzehnt auf dem Markt, als im Februar das jähe Ende kam. Gründer Dan Wagner, der persönlich schnell Ersatz für das von ihm einst als "größte Tech-Firma seit Menschengedenken" ausgerufene Startup fand, erklärte das Scheitern mit einem irrationalen Willkürakt des Großinvestors Wellington Management.

Die Geldgeber - auch der deutsche Versandhandelsriese Otto hatte sich an Powa beteiligt - mochten nicht mehr Kapital in die wachsenden Verluste hineinschießen. Wagner selbst beschrieb den Status seiner Firma, die im Wesentlichen eine App für mobiles Bezahlen vermarktet, als "Prä-Umsatz" - er hatte schlicht noch keinen Weg gefunden, Geld zu verdienen, um die auf bis zu 2,7 Milliarden Dollar angesetzte Bewertung zu rechtfertigen.

... die anderen verwässern ihres

Square-Chef Jack Dorsey: Im Nebenjob muss er noch Twitter sanieren - oder ist es andersherum?

Square-Chef Jack Dorsey: Im Nebenjob muss er noch Twitter sanieren - oder ist es andersherum?

Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERS

Nicht ganz so schlimm steht es um Square  mit einem Börsenwert von immer noch gut drei Milliarden Dollar, deutlich mehr als zum IPO im November. Allerdings bedeutet das einen Absturz um ein Drittel seit der Veröffentlichung der neuen Quartalszahlen in der vergangenen Woche - und eine Halbierung seit der letzten privaten Kapitalspritze vor dem Börsengang.

Das Unternehmen von Jack Dorsey, der mit dem Kurznachrichtendienst Twitter  noch einen zweiten Problemfall an der Backe hat, verbucht fast hundert Millionen Dollar Verlust im Vierteljahr.

Das wäre noch zu verschmerzen, denn Square hat zumindest einen Weg gefunden, den Trend zum mobilen Bezahlen zu monetarisieren: Die Firma bietet Einzelhändlern Lesegeräte an und kassiert dann Gebühren für jede Transaktion, ähnlich wie Kreditkartenfirmen. Die in Amerika erst beginnende Verbreitung von Funkchips sorgt für Nachfrage nach weiteren Geräten. Nur ist dieses Geschäft äußerst margenschwach - und trotzdem anfällig für Billigkonkurrenz von Großkonzernen wie Apple  oder Google .

Einen Ausweg hat Square in der Ausweitung auf weitere Fintech-Geschäftsfelder gesucht - und sich ausgerechnet auf die Online-Kreditvermittlung verlegt, in der Spezialisten wie Lending Club schon eine schlechte Konjunktur erleben. "Herausfordernde Kreditmarktbedingungen" führt Square für seine Verlustmeldung an - ein Warnruf.

Attacke auf das deutsche Vorzeige-Unternehmen

Wirecard: Die hohen gemeldeten Margen geben Rätsel auf

Wirecard: Die hohen gemeldeten Margen geben Rätsel auf

Foto: obs / Wirecard AG

Deutsche Fintechs stoßen meist nicht ganz so weit in die Sphäre der "Einhörner" mit luftigen Milliardenwerten vor. Ein Unternehmen gibt es allerdings, das jedoch selten mit dem "Fintech"-Etikett versehen wird: Wirecard , einen Backroom-Anbieter für Online-Zahlungsdienste.

So langweilig das Geschäft klingt, so üppig sind die ausgewiesenen Margen der aus den Dotcom-Ruinen hervorgegangenen Firma aus einem Münchener Vorort. Das wirft Fragen auf.

Anonym vorgetragene Vorwürfe, die Bilanzen seien nicht ganz sauber, lässt Unternehmenschef Markus Braun als "verleumderisch und gänzlich unwahr" zurückweisen. Es gibt aber immer noch eine Reihe Investoren, die sich der Attacke mit Leerverkäufen der Wirecard-Aktie anschließen mögen.

Zwischenzeitlich sank der Börsenwert um einen Milliardenbetrag. Aus dem TecDax  gekegelt wurde Wirecard damit zwar nicht, aber die Aktie, die jahrelang nur den Weg nach oben zu kennen schien, steht nach wie vor unter Druck.

... und die eine Erfolgsstory, die Banken wirklich alt aussehen lässt

Paypal-Logo an der Techbörse Nasdaq: Mehr wert als alle deutschen Banken zusammen

Paypal-Logo an der Techbörse Nasdaq: Mehr wert als alle deutschen Banken zusammen

Foto: Andrew Gombert/ dpa

Wenn es einen nahezu uneingeschränkten Erfolg in der Fintech-Welt gibt, dann ist das Paypal . Das bereits im vorigen Jahrtausend gegründete Online-Zahlungsunternehmen, das den Ruhm etlicher Silicon-Valley-Größen begründete, wurde unter dem Dach von Ebay groß und ist jetzt der wertvollere Teil des aufgespaltenen Konzerns.

Paypal bringt es heute auf eine Marktkapitalisierung von fast 50 Milliarden Dollar, mehr als alle börsennotierten deutschen Banken zusammen - und das mit einer klaren Fokussierung auf den Zahlungsverkehr. Ein Geschäft, das für die traditionellen Branchenvertreter zur Basis gehört, ihnen in der Kapitalmarkteuphorie der vergangenen Jahrzehnte aber zu wenig Rendite versprach.


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