Sonntag, 21. April 2019

Banken-Angreifer Renaud Laplanche tritt ab Die gefallenen Stars der Fintech-Branche

Vaterfigur der Fintech-Branche: Lending-Club-Gründer Renaud Laplanche beim Börsengang 2014

Renaud Laplanche muss eine Menge richtig gemacht haben. Der Gründer der Online-Kreditplattform Lending Club Börsen-Chart zeigen und passionierte Segler genoss bis zuletzt ein sensationelles Rating von 96 Prozent auf der Arbeitgeber-Bewertungsseite Glassdoor. Ähnlich beliebt war er auch unter Branchenkollegen. "Er hat nicht nur Lending Club sondern die gesamte Online-Kreditindustrie auf die Landkarte gesetzt", rühmt Peter Renton, Gründer der Branchenkonferenz Lendit.

Ein Mann mit einer Mission - den traditionellen Banken mit ihren aus seiner Sicht zu hohen Zinsmargen dank niedriger Kosten den Rang abzulaufen. Nur hat Laplanche wohl auch einiges falsch gemacht, sein Rücktritt am Montag schockte die Fintech-Welt. Lending Club, zum Börsengang 2014 noch mehr als acht Milliarden Dollar wert, ist auf 1,6 Milliarden abgestürzt.

Eine interne Untersuchung hatte zuvor "erhebliche Schwächen" zutage befördert. Dazu gehörte ein nicht gemeldeter Interessenkonflikt Laplanches und des Ex-Morgan-Stanley-Chefs John Mack, dessen Sitz im Board Lending Club als führenden Angreifer der Kreditwirtschaft adelte. Beide hatten in einen Fonds investiert, für den sich auch ihr Unternehmen interessierte.

Ist digitales Banking wirklich rationaler?

Schwerer jedoch wiegt, dass Lending Club der Investmentbank Jefferies auch Kreditrisiken verkaufte, die diese gar nicht haben wollte - und dazu noch die Daten manipulierte. Der Vorfall blieb zwar ohne Schaden für den Kunden, doch "berührt den Kern des Geschäftsmodells", schreibt das "Financial-Times"-Blog "Alphaville". Denn das datenbasierte, digitale Banking sollte doch höhere Verlässlichkeit versprechen.

Das Hauptproblem der Online-Kreditplattformen besteht derzeit ohnehin darin, dass die Verbriefung von Krediten plötzlich kaum noch auf Interessenten stößt. Auch Rivalen wie OnDeck oder Prosper ist seit Jahresbeginn schlagartig das Kapital ausgeblieben, um neue Kredite zu refinanzieren. Eine schlechte Position, um traditionelle Banken anzugreifen - die können zumindest noch auf Einlagen von Sparern zurückgreifen.

"Die Sorgen des Unternehmens sind Teil einer breiteren Abrechnung" mit den Fintechs, schreibt die "New York Times".

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