Dienstag, 18. Juni 2019

Spielzeugriese forscht bislang vergeblich Lego verzweifelt an der Suche nach grünem Plastikersatz

Keine reine Freude: Lego versucht verzweifelt, einen Ersatz für das vom Konzern in großen Mengen verarbeitete Plastik zu finden.
picture alliance / dpa
Keine reine Freude: Lego versucht verzweifelt, einen Ersatz für das vom Konzern in großen Mengen verarbeitete Plastik zu finden.

Steigende Umsätze, sprudelnde Gewinne, Absatzerfolge vor allem in China - eigentlich läuft bei Lego nach der Konzernkrise vor wenigen Jahren wieder alles rund. Wäre da nur nicht das Versprechen, bis 2030 das umweltschädliche Plastik bei der Produktion der berühmten Lego-Steine durch nachhaltige Materialien zu ersetzen. Seit Jahren versucht der dänische Familienkonzern, der zu den größten Spielzeugherstellern der Welt zählt, Rohstoffe zu finden, die Plastik als Baustoff der Lego-Elemente sowie der Verpackungsmaterialien gleichwertig ersetzen können - bislang wurde jedoch kaum ein solches Material entdeckt, wie das "Wall Street Journal" berichtet.

Lego habe in den vergangenen Jahren bereits mehr als 200 verschiedene Materialzusammensetzungen ausprobiert, so die Zeitung. Doch noch immer komme nachhaltiger Rohstoff auf Pflanzenbasis bei lediglich 2 Prozent der Lego-Produkte zum Einsatz. Lego-Steine auf Mais-Basis seien zu weich, heißt es. Weizen als Grundstoff schade der Farbechtheit der Steine. Andere Grundmaterialien machten die Bausteine zum Teil so hart, dass sie kaum noch auseinander zu bekommen seien, oder so brüchig, dass sie sich regelrecht in ihre Bestandteile auflösten.

"Es ist so wie bei der ersten Mondlandung", zitiert das "WSJ" Tim Guy Brooks, Legos Nachhaltigkeitschef. "Als Kennedy ankündigte, er wolle einen Mann auf den Mond schicken, existierte ein Großteil der dafür erforderlichen Technologie noch gar nicht. Wir müssen das jetzt erfinden."

Hintergrund: Lego machte seine Ankündigung einer "Mondlandung" bereits vor einigen Jahren. Da setzte sich der Konzern das Ziel, bis 2030 nur noch nachhaltige Rohstoffe in der Produktion sowie bei der Verpackung seiner Erzeugnisse einzusetzen. Später investierte das Unternehmen sogar umgerechnet etwa 130 Millionen Euro in die Gründung eines eigenen Forschungszentrums zu dem Zweck, mit der Aussicht, mehr als 100 Arbeitsplätze auf diesem Gebiet zu schaffen.

Auch andere Konzerne scheitern bislang am Thema Bioplastik

Besonders fatal: Lego hat sich den Druck aus freien Stücken selbst auferlegt. Zwar ist es immer gut für das Firmenimage, etwas für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu tun. Beim Thema Plastik richtet sich die Kritik der Öffentlichkeit jedoch in erster Linie gegen meist einmalig verwendete Erzeugnisse wie Tüten oder Strohhalme, die zu Unmengen von Plastikmüll führen. Legos Spielzeuge dagegen gelten als langlebig und werden oft auch nach Jahrzehnten nicht weggeworfen. Die Umweltbelastung, die mit ihnen einhergeht, dürfte also vergleichsweise gering sein.

Dennoch hält der Konzern an seinem Nachhaltigkeitsziel fest. Und erschwerend kommt hinzu, dass Lego besonders hohe Ansprüche an die von ihm verwendeten Rohstoffe hat. Die Lego-Steine müssen fest zusammenklicken, zugleich aber leicht wieder voneinander zu lösen sein. Sie müssen ihre Farbe und Form über viele Jahre halten, und das bei unterschiedlichsten Temperaturen. Besonders wichtig bei Bio-Rohstoffen: Lego-Steine sollten sich auch nach Jahrzehnten nicht selbst abbauen. Chemische Zusatzstoffe verbieten sich zudem, weil meist Kinder mit den Steinen in Berührung sind.

Die Herausforderung ist immens: Rund 50 Milliarden Lego-Steine produziert das Unternehmen im Jahr, so das "Wall Street Journal" - sie alle sollen in den kommenden Jahren auf nachhaltige Basis umgestellt werden. Nach einer Krise im Jahr 2017 mit Umsatzeinbruch, Jobabbau und Chefwechsel stiegen Legos Erlöse 2018 wieder um 4 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte ebenfalls um 4 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro, wobei sich vor allem das Geschäft mit den Harry-Potter- und Star-Wars-Welten sowie die Nachfrage in China erfreulich entwickelten. In Fernost befindet sich zugleich der Markt, auf den Lego-Chef Niels Christiansen seinen Optimismus für die Zukunft stützt.

Das Plastikproblem stört insofern ein ansonsten makelloses Bild, das das Unternehmen derzeit abgibt. Dabei ist Lego keineswegs das einzige Unternehmen, das bislang daran scheitert, einen adäquaten Plastikersatz für seine Produktion zu finden. Ikea versuche ebenfalls, vom Öl-basierten Plastik wegzukommen, schreibt das "WSJ". Bisher sei das einzige Plastikprodukt der Schweden, welches auf Pflanzenbasis produziert werde, jedoch ein Gefrierbeutel.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Weitere Konzerne mit Schwierigkeiten beim Thema Bioplastik sind dem Bericht zufolge Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, McDonald's Börsen-Chart zeigen, Nestlé Börsen-Chart zeigen sowie Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen. Laut "Wall Street Journal" haben sich diese Konzerne mit Lego bereits zusammengetan, um gemeinsam an einer Lösung zu forschen. Die Hoffnung ist offenbar, die "Mondlandung" mit vereinten Kräften zu bewältigen.

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