Mittwoch, 13. November 2019

ISS-Aktien-Crash trifft Familie Kirk Kristiansen Lego-Eigner verlieren 150 Millionen Dollar an einem Tag

Thomas Kirk Kristiansen (l) und Kjeld Kirk Kristiansen (2016)
imago images / Ritzau Scanpix
Thomas Kirk Kristiansen (l) und Kjeld Kirk Kristiansen (2016)

Die reichste Familie Dänemarks ist am Mittwoch ein gutes Stück ärmer geworden. Wie "Bloomberg" errechnet, ist das Vermögen der Lego-Eignersippe Kirk Kristiansen um 150 Millionen Dollar geschrumpft, als der Aktienkurs ihres Investments ISS nach einer Gewinnwarnung um ein Fünftel einbrach. Am Donnerstagvormittag ging es um weitere knapp 4 Prozent abwärts.

Das Unternehmen steht im Visier von Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse wetten. ISS ist mit mehr als 485.000 Beschäftigten einer der großen Konzerne im Gebäudemanagement, von Technik über Reinigung bis Sicherheit. Das Unternehmen wurde vor über einem Jahrhundert als Wachdienst in Kopenhagen gegründet, der Trend zum Outsourcing hat es groß gemacht.

Der aktuelle Chef Jeff Gravenhorst verfolgt einen Strategiewechsel, die Vielzahl kleinerer Kunden zu Gunsten weniger großer Aufträge zu reduzieren. Beispielsweise hat ISS mit der Deutschen Telekom vereinbart, 9000 Gebäude in Deutschland zu verwalten. Dieser größte Auftrag in der Firmengeschichte wurde im Juli begonnen.

Die Hedgefonds sehen in dem vorerst kostspieligen Umbau eine Schwäche. Von der Gewinnwarnung am Mittwoch können sie sich bestätigt fühlen. Wegen des Kurssturzes ist die ISS-Aktie jetzt billiger als vor dem Börsengang im Jahr 2014.

Das Verfehlen der Ziele tue ihm "extrem leid", sagte Gravenhorst gegenüber "Bloomberg". Er sei "zu ehrgeizig" vorgegangen, seine Strategie bleibe aber richtig und "2020 wird gut". Gleichwohl räumte er ein, dass seine Position als Vorstandschef wackle: "Man muss kein Einstein sein, um zu sehen, dass es da Druck gibt."

Der Aufsichtsrat bekannte sich zu der Strategie, forderte aber besseres Management ein.

Auf Aktionärsseite kommt es vor allem auf die Lego-Eignerfamilie an. Ihr Family Office Kirkbi hält neben der Aktienmehrheit an dem Spielwarenkonzern und den vollen Markenrechten noch weitere große Beteiligungen wie Anteile an Offshore-Windparks, Immobilien und Unternehmen - nicht zuletzt 15 Prozent an ISS. Jedes einzelne der Familienmitglieder gilt als Multimilliardär, angeführt von Patriarch Kjeld Kirk Kristiansen (71), der lange Lego führte und heute an der Kirkbi-Spitze steht, und seinem Sohn Thomas Kirk Kristiansen (41) als Chef der Lego-Stiftung.


Lesen Sie auch unser Interview mit Lego-Chef Niels Christiansen


Kirkbi war 2012 bei ISS eingestiegen, das damals den Finanzinvestoren EQT und Goldman Sachs gehörte. Im Vorjahr war ein Verkauf an den noch größeren britischen Outsourcing-Konzern G4S geplatzt. Gegenüber dem Einstiegskurs dürften die Lego-Milliardäre trotz des jüngsten Rückschlags immer noch ein Plus verbuchen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung