Experte warnt vor Verkauf an Abwickler Generali verkauft seine Lebensversicherten

Mit der Generali Leben wird in Deutschland der erste große Lebensversicherer an einen Abwickler verkauft. Die Kunden müssen eine Beschneidung ihrer garantierten Leistungen nicht fürchten. Eine gute oder bessere Überschussbeteiligung sollten sie aber nicht erwarten. Der Bund der Versicherten rät dringend vom Verkauf ab. Viridium habe "auffällig hohe Beschwerdequoten" und kämpfe mit IT-Problemen.
Generali Deutschland will gut 4 Millionen klassische Lebensversicherungen an den Abwickler Viridium verkaufen

Generali Deutschland will gut 4 Millionen klassische Lebensversicherungen an den Abwickler Viridium verkaufen

Foto: © Alessandro Bianchi / Reuters/ REUTERS

Der Protest unter Verbraucherschützern und Experten war groß, als im September 2017 bekannt wurde, dass mit Ergo, Axa und Generali gleich drei Branchengrößen sich von Millionen klassischen Lebensversicherungen zu trennen beabsichtigen. Die Ergo machte nach heftigen Protesten auch in der eigenen Belegschaft einen Rückzieher. Sie entschied sich für den internen Run-off der rund 6 Millionen Policen und will auf einer eigenen Plattform quasi als neues Geschäftsmodell künftig die Bestände anderer Lebensversicherer verwalten. Der Marktführer Allianz Leben hatte in der Vergangenheit einen Verkauf seiner klassischen Policen kategorisch ausgeschlossen.

Die Generali Deutschland hingegen will und wird sich nun sehr wahrscheinlich von ihren klassischen Lebensversicherungen mit festen Zinszusagen weitgehend trennen; die Rede ist von rund vier Millionen Policen. Der Abwickler Viridium werde 89,9 Prozent an der Generali Leben übernehmen, teilten Viridium  und der Versicherer am Donnerstag mit.

Viridium wirbt mit möglicherweise höherer Überschussbeteiligung

Generali selbst behält die restlichen Anteile und hält sich zudem die Option offen, sich mit bis zu 10 Prozent an Viridium zu beteiligen. Damit würde die Generali Deutschland nach der Hannover Rück  der zweite Partner aus der Versicherungsbranche, der sich an der Viridium Gruppe beteiligt.

Generali Leben wird bei der Transaktion mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. Generali erwartet durch den Verkauf Gesamteinnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro. Viridium verwaltet bisher eine Million Verträge im Volumen von 16 Milliarden Euro, mit Generali würde sich der Bestand vervielfachen. Die Versicherungsaufsicht der Bafin muss dem Deal noch zustimmen.

"Alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert", versichert Viridium in der Mitteilung. Die Lebensversicherten sollten zudem von Kostenvorteilen profitieren, die langfristig zu einer höheren Überschussbeteiligung führen könnten, versucht das Unternehmen Bedenken zu zerstreuen.

"Auffällig hohe Beschwerdequoten" - Eindringliche Warnung vor Verkauf an Abwickler

Tatsächlich können Lebensversicherer auch ohne Einverständnis ihrer Kunden deren Verträge verkaufen, solange der Käufer insbesondere die garantierten Zinszusagen einhält. Darauf wird die Versicherungsaufsicht, die sich schon bei kleineren Bestandsverkäufen vergleichsweise viel Zeit gelassen hatte, genau schauen. Die künftige Überschussbeteiligung dagegen ist nicht garantiert und nicht Gegenstand so einer Prüfung.

Wie die Versicherer selbst hat auch ein Abwickler bei der Überschussbeteiligung Spielraum. Das Problem aus Sicht des Lebensversicherten: Das Neugeschäft ist eingestellt, der Käufer muss mit attraktiven Gewinnbeteiligungen keine Neukunden mehr werben und hat damit eigentlich keinen Grund, das Füllhorn über den Bestandskunden auszuschütten.

"Freiwillig wird kein Investor Geld für die Kunden locker machen", glaubt auch Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten (BdV). Alle Generali-Kunden müssten damit rechnen, zukünftig "noch spärlicher" mit Überschüssen bedacht zu werden.

Der Versicherungsaufsicht empfiehlt Kleinlein implizit, den Deal nicht zu genehmigen. Viridium sei bislang durch "auffällig hohe Beschwerdequoten" aufgefallen und kämpfe zudem mit IT-Problemen. Letzteres stelle zumindest die kolportierten Kostenvorteile in Frage, von denen die Kunden profitieren sollen. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Aufsichtsbehörde einem solchen Deal grünes Licht gibt", so Kleinlein.


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Lebensversicherer kämpfen seit Jahren mit anhaltenden Niedrigzinsen. Die hohen Renditeversprechen für alte Verträge mit einem Garantiezins von bis zu 4 Prozent können sie am Markt nur noch schwer erwirtschaften. Die meisten Lebensversicherer haben daher das Neugeschäft mit klassischen Policen eingestellt und verkaufen nur noch stark kapitalmarktorientierte Produkte, bei denen der Kunde das Anlagerisiko selbst trägt und lediglich die eingezahlten Beiträge abzüglich der Kosten garantiert sind.

Abwickler wie Viridium stehen bereit, die Bestände mit klassischen Policen zu übernehmen und die Verträge der Kunden bis zum Ablauf weiterzuführen. Viridium gehört dem Finanzinvestor Cinven und dem Rückversicherer Hannover Rück.

Bisher sind lediglich nur sechs kleinere Lebensversicherer an drei verschiedene Bestandsmanager gegangen. So hatte unter anderem der Versicherer Axa Deutschland stillgelegte Bestände der Pensionskasse Pro BAV mit 260.000 Verträgen an den Abwickler Frankfurter Leben verkauft. Dieser hatte 2017 auch 322.000 Verträge der Arag Leben übernommen. Hinter der Frankfurter Leben stecken der chinesische Investor Fosun und die BHF-Bank, die zuvor schon die Basler Leben in Deutschland übernommen hatte.