Sonntag, 13. Oktober 2019

Chemieparkbetreiber Currenta für 3,5 Milliarden verkauft Krisenkonzern Bayer kommt beim Umbau voran

Bayer verkauft seinen Anteil an Currenta und baut weiter um
Sascha Steinbach / EPA
Bayer verkauft seinen Anteil an Currenta und baut weiter um

Der krisengeschüttelte Bayer-Konzern kommt bei seinem Umbau ein gutes Stück voran - und bekommt Geld in die Kasse. Bayer und Lanxess verkaufen den Chemieparkbetreiber Currenta an die australische Bank Macquarie Börsen-Chart zeigen beziehungsweise an die Infrastruktur-Investmentgesellschaft Mira von Macquarie. Bei dem Deal wird Currenta inklusive Schulden mit 3,5 Milliarden Euro bewertet. Die Analysten Markus Mayer und Laura Lopez Pineda von der Baader Bank sprachen von einer "überraschend hohen Bewertung". Die Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen und Lanxess Börsen-Chart zeigen stiegen am Mittwoch kräftig.

Bayer hält an Currenta 60 Prozent, der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess 40 Prozent. Das Unternehmen ist Betreiber des so genannten Chemparks mit Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen und beschäftigt rund 3200 Mitarbeiter. Bayer hatte Ende 2018 angekündigt, sich von seinem Anteil an Currenta trennen zu wollen. Macquarie galt bereits als favorisierter Bieter für die Gesellschaft.

Auch Covestro hatte Interesse an Currenta

Bayer hatte Insidern zufolge seinen Anteil eigentlich der früheren Kunststoff-Tochter Covestro verkaufen wollen, beide Seiten konnten sich aber nicht auf eine gemeinsame Bewertung einigen. Covestro ist neben Lanxess, ebenfalls eine Abspaltung von Bayer, der größte Currenta-Kunde.

Lanxess-Chef Matthias Zachert hatte noch auf der Hauptversammlung im Mai erklärt, den Anteil an Currenta behalten zu wollen. Er schließe zwar nichts aus, aber als Eigentümer sei das Unternehmen weiter in die strategische Ausrichtung seines Dienstleisters einbezogen. Offenbar hat Macquarie aber mit seiner Offerte überzeugt. Der Anteil von Lanxess wird nach Abzug von Schulden mit etwa 780 Millionen Euro vor Steuern bewertet. Durch den Verkauf erhalte Lanxess "zusätzlichen finanziellen Spielraum, um unseren Wachstumskurs in der Spezialchemie voranzutreiben", erklärte Zachert.


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Als einer der Hauptkunden von Currenta will der Spezialchemiekonzern Mira in der Übergangsphase operativ unterstützen und seine Beteiligung noch einige Monate länger halten als Bayer. Während die ehemalige Mutter den Abschluss ihres Teils der Transaktion im vierten Quartal erwartet, rechnet Lanxess mit Ende April 2020. Mit Mira habe man sich auf zunächst zehnjährige Dienstleistungs- und Versorgungsverträge für die drei Standorte Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen verständigt, wo Lanxess einen wesentlichen Teil seiner weltweiten Produktionsanlagen betreibt.

Mira sichert Erhalt der Arbeitsplätze zu - vorerst jedenfalls

Mira sicherte zu, den Geschäftsbetrieb von Currenta ohne Restrukturierung oder geplante Veränderungen der bestehenden Belegschaft fortzuführen. "Wir haben uns verpflichtet, in den ersten drei Jahren keine Unternehmensteile zu verkaufen", sagte Mira-Deutschland-Chef Hilko Schomerus der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sind von dem integrierten Modell der Currenta-Gruppe überzeugt und halten daran langfristig fest." Currenta sei ein risikoarmes Investment mit einer angemessenen Rendite. "Wir gehen von einer Haltedauer von zehn bis zwölf Jahren aus."

Bayer will sich auch noch von seinem Tiermedizingeschäft trennen. Vorstandschef Werner Baumann rechnet dafür mit einer Entscheidung bis Jahresende. Insidern zufolge wird ein Zusammenschluss der Sparte mit dem US-Rivalen Elanco erwogen. Die Verkaufspläne sind Teil eines umfangreichen Umbaus, der weltweit rund 12.000 Arbeitsplätze bei dem Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern kosten wird.

rei/Reuters

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