Montag, 23. September 2019

Notenbank-Bashing - Trump macht nur den Anfang Warum Notenbanken bald ihre Unabhängigkeit verlieren

Fed-Chef Jerome Powell in der Kritik: Aufkauf der Schulden und Einstieg ins Helikoptergeld sind mit unabhängigen Notenbankern kaum zu machen. Deshalb dürften Notenbanken in Kürze ihre Unabhängigkeit verlieren

2. Teil: Einstieg ins Helikopter-Geld: Bald wird es mit der Unabhängigkeit der Notenbanken vorbei sein

Notenbanken haben versagt - sie tragen Mitschuld an der Misere

Die Notenbanken tragen erhebliche Mitschuld an der Misere, in der wir stecken und damit auch an ihrem absehbaren Verlust an Unabhängigkeit. Es lohnt sich in Erinnerung zu rufen, dass Notenbanker entgegen ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit - und vermutlich auch ihrer Selbstwahrnehmung - nicht mehr über die Wirtschaftsentwicklung wissen, als andere Ökonomen auch.

Wie sonst ist zu erklären, dass Ben Bernanke, obwohl er über die große Depression der 1930er Jahre geforscht hat und als einer der führenden Experten weltweit zu dem Thema gilt, die Wiederholung derselben nicht kommen sah? Noch 2007 hielt er die Subprime-Krise für ein kleines Problem, welches die US-Wirtschaft nicht nachhaltig beeinflussen würde.

Dabei ist jedem Beobachter klar, dass ein deutlicher Anstieg der Verschuldung im Privatsektor immer ein eindeutiges Warnsignal für bevorstehende Turbulenzen ist.

Auch haben die Notenbanken seit über dreißig Jahren alles getan, um das Kreditwachstum und damit die Nachfrage zu befeuern. Ohne diese Politik hätte es die Technologieblase 1999/2000 und die Immobilienblasen in den USA, Spanien und Irland nicht gegeben. Die Notenbanken haben das Schulden-Monster erst geschaffen, welches sie nun seit Jahren mit noch mehr Geld vorgeben zu bekämpfen, in Wahrheit jedoch immer mehr füttern.

Damit sind die Notenbanken schon heute nicht so unabhängig wie sie tun. Sie sind Gefangene der Folgen der eigenen Politik und haben ein Problem mitverursacht, welches auf einfachem Wege nicht mehr zu bereinigen ist. Die EZB hat zusätzlich mit ihren Interventionen der letzten Jahre hochpolitisch agiert und Risiken innerhalb der Eurozone ohne jegliche demokratische Legitimierung zwischen den Steuerzahlern der einzelnen Mitgliedstaaten verschoben.

Kommt es zu einer erneuten Krise, was nur eine Frage der Zeit ist, werden die negativen Folgen dieser Politik noch offensichtlicher. Dann sind die Notenbanken schnell im Fokus der öffentlichen Kritik und die Rufe nach Aufhebung der Unabhängigkeit werden nicht nur in den USA lauter werden. Gerade für die Politik bietet es sich an, die Notenbanker zu Sündenböcken der Entwicklung zu machen.

Deshalb ist die Prognose recht leicht: schon in wenigen Jahren wird es mit der Unabhängigkeit der Notenbanken vorbei sein. Wir werden den Einstieg in Helikopter-Geld, direkte Staatsfinanzierung und letztlich die Monetarisierung der Schulden erleben. Nichts davon ist wünschenswert, was nichts daran ändert, dass wir uns darauf einstellen müssen. Die Geschichte lehrt dabei, dass jene Staaten, die es am schnellsten und konsequentesten machen, einen Vorteil gegenüber jenen Ländern erzielen, die erst verzögert auf diesen Kurs einschwenken. So gesehen ist Trump auf dem richtigen Weg. Sofern man angesichts des sich abzeichnenden Desasters von "richtig" sprechen mag.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt sein Kommentar nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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