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Flughafen Hahn: Frankfurt im Hunsrück

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Dubioser Flughafen-Investor aus China Wie Top-Prüfer von KPMG sich im Hunsrück blamieren

Keinen Monat hat es gedauert, bis der schöne Traum platzte: Vom reichen Investor aus China, der dem Land Rheinland-Pfalz endlich den chronisch defizitären Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück für 13 Millionen Euro abkaufen sollte, verlieren sich die Spuren.

Die neueste Wendung der Geschichte: Innenminister Roger Lewentz will der Shanghai Yiqiang Trading Company (SYT) doch wieder Zeit und notfalls "eine Art zweite Mahnung" geben. Am Mittwoch hatte er den Verkauf noch überraschend gestoppt, nachdem sich keine "prüfbaren Belege" fanden, dass die erste Rate fristgerecht überwiesen wurde. Und zudem die Zweifel wuchsen, ob SYT überhaupt ein seriöser Käufer sei.

Jetzt sind die Experten von KPMG wieder gefragt. Für den Fall, dass der Deal bis Ende Oktober nicht vollendet wird (laut "FAZ" sieht SYT-Projektmanager Kyle Wang das "zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen"), sollen die Wirtschaftsprüfer bei zwei unterlegenen Bietern nachhaken, ob sie noch Interesse haben.

Die Pappkartonfirma aus Shanghai

KPMG hatte den Markt für Rheinland-Pfalz, das die Mehrheitsanteile an dem Regionalflughafen 2009 für einen symbolischen Euro vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport angedreht bekommen hatte, sondiert. Auf die Expertise der Prüfer berief sich auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die sich persönlich für die Chinesen verbürgt hatte. Das Land habe "alles an Sicherheiten eingeholt, was möglich ist". KPMG habe den Investor geprüft und für seriös befunden.

Doch SYT ist offensichtlich auch in China kaum bekannt. Der angeblich dahinter stehende große Baukonzern Guo Qing, der laut Kyle Wang schon einmal "bis zu 200.000 Mitarbeiter" bei einem einzigen Projekt für Erdräumarbeiten einsetze, erscheint ebenfalls als Phantom.

Ein Fernsehreporter des SWR, der die Adresse von Guo Qing am Rand Shanghais besuchte, fand dort  neben einem "schäbigen Büro" voller Pappkartons einen Reifenhändler - mit der Begrüßung "Na, sind Sie auch ein geprellter Anleger?"

Fanden die Prüfer das Telefonbuch nicht?

Einen Bezug zur Luftfahrt gibt es erst recht nicht - außer der Behauptung des SYT-Generalbevollmächtigten Yu Tao Chou, er sei Arzt mit Pilotenschein und als erster Cargo-Pilot für die chinesische Fluggesellschaft Yangtze River Express im Hunsrück gelandet. Seine Vision für Hahn gründe auch darauf, die nach München abgewanderte Airline dank seiner Kontakte zurückzuholen. Laut "Airliners.de" jedoch sind weder Yu noch dessen Firma bei Yangtze River Express bekannt.

Peinlich für Dreyer, peinlich für Rheinland-Pfalz, das schon beim Großprojekt Nürburgring dubiosen Investoren auf den Leim ging - und peinlich für KPMG, einen der "Big Four" der globalen Wirtschaftsprüfer.

Das "Handelsblatt" bemerkt süffisant, "das Telefonbuch von Shanghai gehörte offenbar nicht" zu den "öffentlich zugänglichen Quellen", die den Experten als Nachweis dienten, dass es bei SYT "keine Anhaltspunkte für entsprechende Risiken" gebe. Die Adresse der Holding sei von der KPMG-Filiale in Shanghai kaum eine Autostunde entfernt.

Geschäftsmodell nach eigener Einschätzung "nicht nachhaltig"

Als alternative Investoren sind ein nicht bekanntes amerikanisch-chinesisches Unternehmen und die pfälzische ADC GmbH im Gespräch. Dem Vernehmen nach erhielt SYT den Vorzug, weil der angebotene Kaufpreis über dem symbolischen Euro liegt, den das Land selbst einst zahlte.

Doch mehr ist eventuell nicht zu holen. Der Betreiber des mit 2,6 Millionen Passagieren 2015 größten deutschen Regionalflughafens nennt sein eigenes Geschäftsmodell "nicht nachhaltig". Die Attraktivität für Billigflieger wie Ryanair  beruht auf niedrigen Gebühren und verschiedenen offenen und verdeckten Subventionen. Der Betrieb selbst fährt Jahr für Jahr hohe Verluste ein.

Nach einer Auflage der EU-Wettbewerbskommission muss bis 2024 Schluss sein mit den Beihilfen. Der nahe gelegene Flughafen Zweibrücken, der zur Rückzahlung verdonnert wurde, musste bereits schließen.

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mit dpa
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