Montag, 18. November 2019

mm-Serie zum Klimaschutz Auf diese Innovationen wartet das Klima

CO2-Steuern und Emissionshandel: Diese CO2-Preise gibt es schon heute
DPA

Statt des großen Wurfs hat das Klimakabinett doch wieder Business as usual gebracht. So lautet einhellig die Reaktion von Wissenschaftlern und Aktivisten auf die Beschlüsse aus Berlin von diesem Freitag. Beispielsweise hat die Koalition symbolisch einen CO2-Preis beschlossen, der Autofahrer vom Benzin abbringen soll; den Preis jedoch so gedeckelt, dass sie möglichst wenig davon spüren. Gut möglich, dass das jährliche Monitoring der Fortschritte zum Klimaschutzziel für 2030 ähnliche Ergebnisse bringt wie die heutigen Berichte zum 2020-Ziel: Das wird nichts.

Dabei war das noch der einfache Part. Das Ziel, bis 2030 ein gutes Drittel weniger Treibhausgase in Deutschland zu emittieren, wäre mit vorhandener und erprobter Technik zu erreichen: Bahn statt Auto, Erneuerbare Energien statt Kohle, Gebäudedämmung und Fernwärme statt Ölheizungen ... Es geht nur um ein quantitatives Umsteuern.

Wirklich schwierig wird es hingegen, bis zur Mitte des Jahrhunderts die Wirtschaft "weitgehend klimaneutral" zu gestalten, wie das offizielle Regierungsziel für 2050 heißt - und zwar ohne einfach auf alles zu verzichten und damit drastisch zu schrumpfen.

Das sei "an der Grenze absehbarer technischer Machbarkeit und heutiger gesellschaftlicher Akzeptanz", heißt es in der vom Bundesverband der Deutschen Industrie beauftragten Studie "Klimapfade für Deutschland" von der Boston Consulting Group und dem Prognos-Institut. Funktionieren würde es wohl nur mit Hilfe mehrerer "Game Changer": Technologien, die zwar in Grundzügen entwickelt, aber weit von der Marktreife entfernt sind. In den meisten Fällen wären Multi-Milliarden-Investitionen nötig, um überhaupt zu prüfen, ob sie eine Chance haben.

Wenig Fortschritt gab es in den vergangenen Jahren. Fast schon deprimierend liest sich eine Studie des Umweltbundesamts zur Forschungsförderung der EU in diesem Feld. Nach der Finanzkrise seien die Innovationen für weniger Emissionen, gemessen an Patentanmeldungen und Forschungsbudgets, "durch die Bank zurückgegangen". Es gebe starke "Fehlanreize", etwa durch niedrige oder fehlende CO2-Preise, die ab 2014 stark gesunkenen Ölpreise oder auch die Erfahrung, dass Unternehmen wie in der Solarindustrie mit erfolgreichen Innovationen einem für sie selbst ruinösen Wettbewerb den Weg bereitet haben.

"Treibhausgase auszustoßen ist viel zu billig, dadurch fehlt der Druck, neue Technologien zu entwickeln, um Emissionen zu reduzieren", sagte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel jüngst in der "Zeit".

Doch auch wenn es unwirtschaftlich ist, haben sich zahlreiche große Konzerne zum Handeln verpflichtet - nicht zuletzt solche, die besonders viel CO2 ausstoßen und mit herkömmlicher Technik kaum noch sparen können. Beispielsweise will Thyssenkrupp seine Stahlproduktion bis 2050 klimaneutral machen, HeidelbergCement verspricht Ähnliches für seinen Zement.


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In den kommenden Wochen wird das manager magazin die "Fridays for Future" mit einem Blick auf diese echten Zukunftsinitiativen begleiten. Unsere Serie wirft Schlaglichter auf solche Game Changer fürs Klima: die damit verbundenen Versprechen, aber auch die technischen und vor allem wirtschaftlichen Hindernisse.

Folgende Beiträge sind geplant:

Freitag, 27. September Stahlproduktion ohne Kohle

Freitag, 11. Oktober Wie sich Sonne und Wind speichern lassen

Freitag, 18. Oktober Die grüne Baustelle

Freitag, 25. Oktober Wie CO2 vom Schad- zum Nutzstoff werden kann

Freitag, 1. November Treibstoff aus Algen

Freitag, 8. November Wasserstoff als Wundermittel

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