Russe wird Nachfolger von Sir Simon Rattle Kirill Petrenko wird neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker

Im zweiten Anlauf haben sie doch einen neuen Chef gefunden: Die Berliner Philharmoniker haben Kirill Petrenko zu ihrem neuen Leiter auserkoren. Derzeit ist er Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper.
Von mm-newsdesk
Dirigent Kirill Petrenko: Bald in Berlin

Dirigent Kirill Petrenko: Bald in Berlin

Foto: Victoria Bonn-Meuser/ picture alliance / dpa

Der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Kirill Petrenko, soll neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker werden. Er wurde am Montagvormittag im Rahmen einer Orchesterversammlung mit großer Mehrheit von den Mitgliedern des Ensembles gewählt. Petrenko wird in diesem Amt auch als Künstlerischer Leiter der Stiftung Berliner Philharmoniker fungieren.

Bislang hat diesen Posten Sir Simon Rattle (60) inne, der 2018 das Haus verlässt. Ein erster Wahlversuch war - unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit - Mitte Mai ergebnislos geblieben. Das Treffen am Montag war dagegen der großen Öffentlichkeit zunächst verborgen geblieben.

Der 1972 in Omsk, Russland, geborene Petrenko war in Berlin von 2002 bis 2007 Generalmusikdirektor der Komischen Oper. Zur Spielzeit 2013/2014 wurde er von der Bayerischen Staatsoper in München als Generalmusikdirektor berufen worden, wo er eine starke Position hatte.

Die Einschätzung von SPIEGEL-ONLINE-Klassik-Kritiker Werner Theurich:

"Als Kirill Petrenko 2013 bei seinem Bayreuth-Debüt den "Ring des Nibelungen" dirigierte, blieb den Wagner-Fans vor Wonne das Herz fast stehen: Klarer, homogener und nuancenreicher hatte man das 16-Stunden-Werk auf dem Hügel selten gehört.

Auf Anhieb beherrschte Petrenko die heikle Akustik des Festspielhauses, leitete dadurch auch die Stimmen sicher durch die hohen Partitur-Wellen und erreichte eine kontrollierte Intensität. So kontrovers die Castorf-Inszenierung debattiert wurde, so einhellig war der Jubel von Medien und Wagner-Fans über Petrenkos "Ring"-Schliff. Kürzlich erst erntete Petrenkos Version von Alban Bergs "Lulu" in München ähnlichen Zuspruch.

Vielseitigkeit kennzeichnet ebenso das Profil Kirill Petrenkos. Mit ihm könnten die Berliner Philharmoniker die künstlerisch glaubwürdige Brücke zwischen Tradition und Moderne schlagen. Gleichzeitig wäre der meist bescheiden und vermittelnd auftretende Maestro ein glänzendes Aushängeschild des Orchesters und ein zeitgemäßer Kulturbotschafter Berlins. Man möchte den Berlinern gratulieren."

Spiegel Online, soc
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