Generationswechsel bei Kienbaum Consultants zum Jahresende Joachim Kienbaum: Sohn Fabian soll es weiterwuppen

Von Rainer Steppan
Jochen Kienbaum: Der Top-Berater übergibt zum Jahresende die Führung von Kienbaum Consultants an seinen Sohn Fabian

Jochen Kienbaum: Der Top-Berater übergibt zum Jahresende die Führung von Kienbaum Consultants an seinen Sohn Fabian

Foto: Kienbaum

Wer Ende April auf dem Bonner Branchentreff "BDU-Personalberatertag" genau hingesehen hatte, konnte es ahnen. Da trat Fabian Kienbaum so selbstbewusst auf, als ob er bereits auf dem Chefsessel der Kölner Beratungsgruppe Kienbaum säße. Doch erst seit diesem Wochenende ist es offiziell: Am Ende des Jahres wird sich Fabians Vater Joachim ("Jochen") Kienbaum, 70, aus der Geschäftsführung der Kienbaum-Gruppe zurückziehen. Dann darf der 33-jährige Diplom-Kaufmann endlich ans Steuer.

Genauer gesagt: Fabian Kienbaum rückt an die Spitze von Kienbaum Consultants International, der operativen Führungsgesellschaft der Kienbaum-Gruppe. manager magazin hatte bereits im März über den überraschenden Abgang von Kienbaum-Vize Jürgen Kunz berichtet - ein Hinweis darauf, dass Fabian Kienbaum bald seinem Vater in der Führung der Beratungsgruppe nachfolgen würde.

Der Enkel des Firmengründers Gerhard Kienbaum arbeitet seit 2014 für die familien- und partnergeführte Beratungsgesellschaft, die 2016 nach Schätzung des Branchenportals ConsultingStar.com mit rund 650 Mitarbeitern etwa 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet hat.

Bewegung bei Kienbaum - Beteiligungen an digitalen Start-ups

Zurzeit bekleidet Fabian Kienbaum den Posten des Chief Operating Officers und verantwortet die digitale Weiterentwicklung sowie das Investmentgeschäft der Firmengruppe. Dabei hat er bereits für viel frischen Wind in dem Traditionsunternehmen gesorgt. Vergangenes Jahr hat das Beratungshaus nicht nur seinen Sitz und seine Zentrale vom beschaulichen, oberbergischen Städtchen Gummersbach in die quirlige Rhein-Metropole Köln verlegt, sondern sich auch auf die digitale Wirtschaft zubewegt.

Zum Autor

Rainer Steppan arbeitet als Rechtsanwalt und freier Wirtschaftsjournalist in Düsseldorf. Er ist Gründer und Betreiber des internationalen Branchenportals ConsultingStar.com (https://consultingstar.com).

Vor allem hat sich Kienbaum an mehreren Startup-Unternehmen beteiligt, etwa am digitalen Empfehlungsportal firstbird. Das 2013 in Wien gegründete Unternehmen bietet eine digitale Recruiting-Lösung nach dem Prinzip Mitarbeiter werben Mitarbeiter. Ein weiteres Beispiel ist die digitale Business-Plattform Edition F. Das Medien-Startup wendet sich an karriereorientierte Frauen und bietet einen Blog, eine Jobbörse, Netzwerk-Veranstaltungen und Webinare zu Business-Themen.

Dass solche Investments aber alles andere als Selbstläufer sind, musste Fabian Kienbaum kurz nach dem Start der "Unternehmer-Schmiede" erfahren, einer Beratungsfirma, in die er sein eigenes Geld gesteckt hat. Der ursprünglich als Geschäftsführer der Unternehmer-Schmiede bestellte Manager warf nach ein paar Wochen entnervt das Handtuch. Ein erfahrener Kienbaum-Manager muss jetzt für den Junior den Karren wieder flott machen.

Den Ex-Bundesliga-Handballer bringt nur wenig aus der Ruhe

Der hoch gewachsene, passionierte Freizeit-Jogger und ehemalige Bundesliga-Handballer wirkt auf Außenstehende locker und lässig - so wie wenn ihn kaum etwas aus der Ruhe bringen könnte. Fabian Kienbaum gerate nur bei Spielen seines Heimatvereins VfL Gummersbach oder bei einem Match seiner Lieblingsmannschaft Bayern München in Wallung, bestätigen Firmen-Insider. Die etwas holprige Umstellung der Firmen-IT auf die Software SAP  hat der designierte Kienbaum-Chef jedenfalls weitaus entspannter hingenommen als viele Mitarbeiter des Beratungshauses.

Consulting ist ein People's Business, und erfahrene Berater werden stark umworben. Vor diesem Hintergrund muss der Junior aufpassen, dass ihm bei seiner durchaus berechtigten Begeisterung für die digitalisierte Wirtschaft nicht die Leistungsträger des Unternehmens, die sich tagtäglich um das Brot- und Buttergeschäft kümmern, abhandenkommen. Für viele Mitarbeiter des Beratungshauses ist es deswegen sicher eine beruhigende Nachricht, dass Jochen Kienbaum angekündigt hat, er werde den Nachfolge-Prozess "sorgsam und helfend" gestalten.

Das heißt auch: Der Senior wird sich nicht völlig aus dem Unternehmen zurückziehen, sondern noch einige Zeit eine wichtige Rolle als Aufsichtsrat spielen.

Autor Rainer Steppan arbeitet als Rechtsanwalt und freier Wirtschaftsjournalist in Düsseldorf. Er ist Gründer und Betreiber des internationalen Branchenportals ConsultingStar.com . 

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