Fußball-Wettmeisterschaft Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Ihren Tippspiel-Sieg

Echte Sieger: Deutschland nach dem WM-Finale 2014. Haben Sie es damals getippt?

Echte Sieger: Deutschland nach dem WM-Finale 2014. Haben Sie es damals getippt?

Foto: Andreas Gebert/ obs

Mit dem Tippspiel zur Weltmeisterschaft ist es so eine Sache: Einerseits werden auch langweilige Partien mit Kicktipp und Co. plötzlich spannend. Ein grottiges 0:0 zwischen Australien und Peru lässt sich viel besser ertragen, wenn der Tipper sich bestätigt sieht, dass genau dieser lahme Ausgang sowas von zu erwarten war. Der Wettstreit im Kollegkreis oder unter Freunden garantiert zudem endlosen Gesprächsstoff, den es so nur alle vier Jahre gibt.

Andererseits geht womöglich der unbefangene Blick oft verloren auf das, was auf dem Rasen passiert. Beispiel: Island wächst gegen Argentinien über sich hinaus und ist nah dran an einer Sensation. Doch ein neutraler Zuschauer, der auf den Favoriten gesetzt hat, ist womöglich enttäuscht und kann das historische Spiel gar nicht genießen.

Wer nun aber während der Weltmeisterschaft den Titel des Tipperkönigs anstrebt, sollte seine Prognosen wohlüberlegt abgeben. Oder doch nicht? Hier jedenfalls die Übersicht über einige mögliche Strategien und Erfolgsfaktoren.

Den richtigen Zeitpunkt zum Tippen wählen

Schlechte Wetterbedingungen - vor dem Freundschaftsspiel Österreich-Deutschland in Klagenfurt vor der WM 2018

Schlechte Wetterbedingungen - vor dem Freundschaftsspiel Österreich-Deutschland in Klagenfurt vor der WM 2018

Foto: Bongarts/Getty Images

Grundsätzlich kann es sicher sinnvoll sein, seinen Tipp erst kurz vor Spielbeginn abzugeben. Läuft der hochdekorierte, aber angeschlagene Superstar einer Mannschaft auf oder nicht? Deutet ein Wolkenbruch darauf hin, dass ein technisch versiertes Team Probleme bekommt?

Zu viele Informationen in seine Entscheidung einfließen zu lassen - zumal auf den letzten Drücker - kann aber auch kontraproduktiv sein. "Viele dieser Einzelinformationen haben tatsächlich keine hohe Validität", sagt Psychologie-Professor Markus Raab von der Deutschen Sporthochschule Köln. Es bestehe die Gefahr, prominente Nachrichten überzugewichten.

Einen weiteren Vorteil hat es, so viele Spiele wie möglich am Anfang "durchzutippen": Es ist nicht mehr möglich, diese Spiele zu vergessen. Denn es ist allemal besser, irgendetwas als nichts getippt zu haben. Bei dieser "Strategie" sollten es sich Tipper aber offenhalten, ihren Tipp vor dem Anpfiff noch einmal anzupassen, wenn das Tippspiel dies ermöglicht.

Strategischer Nutzwert für Tipper: mittel

FIFA-Weltrangliste studieren

Schweizer Angriff: Die Eidgenossen als Geheimfavorit?

Schweizer Angriff: Die Eidgenossen als Geheimfavorit?

Foto: Georgios Kefalas/ dpa

Schön übersichtlich sieht sie aus, die FIFA-Weltrangliste . Alle 206 Fußball-Nationen, fein säuberlich sortiert nach den Erfolgen der vergangenen vier Jahre. Sie dient der Fifa unter anderem, um Lostöpfe für ihre Turniere zu bestücken. Tipper, die sich nicht wirklich gut vorbereitet fühlen für die WM, haben somit eine vermeintlich praktische Handreichung um die Mannschaftsstärken einzuschätzen.

Doch Vorsicht: So offiziös die Auflistung daherkommt, so viele Schwächen hat sie fürs Tippen. Die größte ist naturgemäß, dass sie sich ausschließlich auf die Vergangenheit bezieht, nicht auf die Zukunft. Und sie berücksichtigt alle Länderspiele, nicht nur die unter den WM-Teilnehmern.

So kommt es, dass beispielsweise die Schweiz auf Platz 6 geführt wird, das vielfach stärker eingeschätzte Frankreich dagegen nur auf Platz 7 (Stand: 7. Juni). Und im Eröffnungsspiel müsste laut Weltrangliste Saudi-Arabien gegen Russland leicht favorisiert sein, da es in der Liste drei Ränge (67) vor dem Gastgeber (70) geführt wird.

"Die Fifa-Vorhersagen sind nicht unbedingt besser als das Bauchgefühl durchschnittlich informierter Tipper", sagt Raab. Immer wieder haben Mannschaften aufgrund ihrer Fifa-Platzierung den Status eines Geheimfavoriten bekommen, so wie Österreich bei der EM 2016 - immer wieder sind diese bei Turnieren dann aber früh gescheitert.

Strategischer Nutzwert für Tipper: gering

Marktwerte der besten Spieler eines Landes addieren

Wenig wert, aber zuletzt torgefährlich: Mario Gomez

Wenig wert, aber zuletzt torgefährlich: Mario Gomez

Foto: Bongarts/Getty Images

Portale wie Transfermarkt.de schätzen detailliert, wie hoch potenzielle Ablösesummen einzelner Spieler sind. Und was könnte besser ausdrücken als der Markt, wie wertvoll die Qualität der Stars tatsächlich ist?

Praktisch: Mithilfe eines Generators  lassen sich Mannschaften nach Nationalität generieren, zudem gibt es einer Übersicht der WM-Kader . Spanien bringt es bei Transfermarkt auf 1,03 Milliarden Euro, Deutschland auf 883 Millionen. Könnte auf einen klaren Sieg Spaniens deuten - oder doch nicht?

Einerseits sagt der summierte Marktwert einzelner Spieler wenig darüber aus, wie diese miteinander auf dem Platz harmonieren. So ist Jungspund Leroy Sané zwar angeblich 90 Millionen Euro wert und damit der wertvollste deutsche Spieler - fährt aber gar nicht erst mit nach Russland, weil er nach Ansicht von Bundestrainer Jogi Löw (noch) nicht in die Mannschaft passt.

Außerdem fallen erfahrene, ältere Spieler, die für ein Team oft extrem wichtig sind, oft hinten runter. Beispiel Manuel Neuer: Der deutsche Nationaltorwart kommt bei Transfermarkt "nur" auf einen Marktwert von 35 Millionen Euro. In der generierten Top-Elf steht Marc-André ter Stegen (60 Millionen). Mario Gomez ist vor allem wegen seines Alters (32) nur sechs Millionen Euro wert, Timo Werner dagegen 60 Millionen. Dabei hat er in der Bundesliga-Rückrunde seltener getroffen (5-mal) als Gomez (8-mal).

Strategischer Nutzwert für Tipper: gering bis mittel

Tippen durch die Fanbrille

Sympatische Mannschaft (Island) - aber auch erfolgreich?

Sympatische Mannschaft (Island) - aber auch erfolgreich?

Foto:

Sebastien Nogier/ dpa

Ich bin Island-Fan also tippe ich immer auf Sieg der Nordmänner? Und sage generell immer die Mannschaft als Gewinner vorher, die ich sympathischer finde?

Wer sich gut dabei fühlt - bitte. Die Chancen auf den Tippspiel-Sieg sinken dadurch aber rapide.

Viel Euphorie ist dem Wetterfolg tendenziell abträglich, sagt auch Psychologe Raab. So haben sich Tausende Österreicher und Schweizer bei der Europameisterschaft 2008 vertan, als sie die eigenen Mannschaften in der Favoritenrolle wähnten. Beide schieden in der Vorrunde aus.

Andersherum schwören manche Wetter auf "emotionales Hedging": Gewettet wird immer gegen die jeweilige Lieblingsmannschaft. So kann sich der Tipper entweder über den Erfolg seines Teams freuen oder über die gewonnene Wette. Verrückt? Ja, ziemlich.

Strategischer Nutzwert für Tipper: absolut kontraproduktiv

Tippen nach Bauchgefühl

"Am Ende gewinnt Deutschland", wusste schon Englands Legende Gary Lineker

"Am Ende gewinnt Deutschland", wusste schon Englands Legende Gary Lineker

Foto: Shaun Botterill/ Getty Images

"England ist für mich ein Mitfavorit" - mit dieser Aussage sind Tipper in den vergangenen Jahrzehnten reihenweise auf die Nase gefallen. Denn immer wieder haben Lineker, Gascoigne, Rooney und Konsorten bewiesen, dass Tradition und Geld allein eben nicht den Pokal gewinnen.

Und dennoch: Klischees und vom Bauchgefühl geprägten Annahmen haben schon ihre Richtigkeit, sagt Psychologe Raab. Er hat mit Kollegen den Ausgang vergangener Turniere ausgewertet und festgestellt: Die historisch guten Mannschaften sind in der Regel auch beim nächsten Turnier gut.

"Wer wenig Ahnung hat, sollte sich lieber auf sein Bauchgefühl verlassen", sagt Raab. Aktuelle Hypes um Geheimfavoriten und Rankings wie die FIFA-Weltrangliste sind wenig aussagekräftig im Vergleich zum fundierten Halbwissen.

Das trifft letztlich auch ein bisschen für England zu. Den Titel haben die Briten zwar seit 1966 nicht mehr geholt. Ins Viertel- oder Halbfinale sind sie aber auch des Öfteren vorgestoßen . Und Platz 6 in der ewigen Tabelle  ist ja auch nicht so schlecht.

Strategischer Nutzwert für Tipper: mittel bis hoch

Wettquoten recherchieren

Sportwetten - Quoten sind nicht völlig objektiv, mitunter aber hilfreich

Sportwetten - Quoten sind nicht völlig objektiv, mitunter aber hilfreich

Foto: Carsten Rehder/ picture-alliance/ dpa

Um Wettquoten in Erfahrung zu bringen, muss niemand Geld setzen - die Zahlen sind mannigfach frei im Internet verfügbar. Wie die Quoten zu Stande kommen, bleibt vielfach das Geheimnis der Wettanbieter.

Doch sie haben prinzipiell ein Interesse daran, dass die Wahrscheinlichkeiten in etwa richtig abgebildet werden, sonst droht ihnen unter Umständen ein Verlustgeschäft. Andererseits spiegeln sie auch stark die Erwartungen der Tipper und sind so gesehen nicht völlig objektiv.

Bei Weltmeisterschaften stehen den Anbietern zudem weniger Daten zur Verfügung als etwa im Ligabetrieb. Laut Psychologe Raab muss das Tippen nach Bauchgefühl nicht schlechtere Ergebnisse bringen als das Tippen nach Quoten. Das Turnier ist vor allem zu Anfang auch für die Wettprofis alles andere als ein offenes Buch. Im weiteren Verlauf der Endrunde könnten die Quoten ein genaueres Abbild der Lage zeichnen.

Strategischer Nutzwert für Tipper: ziemlich hoch

Statistische Wahrscheinlichkeit von Ergebnissen berücksichtigen

Schande von Gijon (Deutschland-Österreich 1982): Ein 1:0 kommt recht häufig vor

Schande von Gijon (Deutschland-Österreich 1982): Ein 1:0 kommt recht häufig vor

Foto: DPA

Jeder, der sich ein wenig mit Fußball auskennt, weiß, dass in nur wenigen Spielen fünf, sechs oder mehr Tore fallen. Als extrem waghalsig wäre daher ein Tipp-Strategie zu bezeichnen, die oft ein 4:3 oder ein 6:0 vorhersagt.

Könnte es also helfen, gezielt Ergebnisse zu tippen, die besonders häufig vorkommen? Fast jeder hat schon einmal von einem Fußball-Laien gehört, der mit Erfolg stoisch 1:1 oder 2:1 tippt. Sogar verstorbene Tipper sollen mit diesem testamentarisch geregelten Wettverhalten schon Trophäen gewonnen haben.

Davon abgesehen, dass ein derartiges Verhalten Langeweile verbreitet (und deshalb in manchen Tipprunden verboten ist), ist auch Vorsicht geboten. Denn gerade bei Weltmeisterschaften gelten andere Gesetzmäßigkeiten als in der Liga. Dort ist das häufigste Ergebnis das 1:1, danach kommen 2:1 und 1:0.

Bei Weltmeisterschaften beginnen aber hier Schwierigkeiten. Unentschieden gibt es nur in der Vorrunde. Und wer 1:0 oder 2:1 tippt, muss sich ja für einen Sieger entscheiden. Während in der Bundesliga statistisch am häufigsten die Heimmannschaft gewinnt, gibt es eine solche (mit Ausnahme des Gastgebers) bei der WM-Endrunde nicht. Hilfsweise könnten Tipper aber ihren jeweiligen Favoriten zur Heimmannschaft umdeuten und auf einen knappen Sieg setzen.

Strategischer Nutzwert für Tipper: hoch

Auf Lücke tippen

Nach dem EM-Finale 2004: Der konventionelle Sieger-Tipp hätte wohl eher Portugal gelautet und nicht Griechenland

Nach dem EM-Finale 2004: Der konventionelle Sieger-Tipp hätte wohl eher Portugal gelautet und nicht Griechenland

Foto: Getty Images

Hohe und überraschende Ergebnisse sind also ein absolutes No-go fürs Tippspiel? Das gilt nicht immer. Wer ab und zu einen Überraschungssieger vorhersagt und dabei richtig liegt, kann entscheidende Punkte gut machen. Gegen Ende des Turniers kann eine unkonventionelle Ergebnisvorhersage sogar die einzige Möglichkeit sein, einen Führenden noch einzuholen.

Boden gut machen kann ein Verfolger mit dieser Taktik natürlich nur, wenn seine riskante Wette aufgeht und der Führende selbst konservativ tippt. Das weiß in der Regel aber nur dieser selbst. Ein Pokerspiel - das den Verlauf des Tippspiels aber sehr unterhaltsam machen kann.

Strategischer Nutzwert für Tipper: normalerweise hochriskant bis kontraproduktiv, in speziellen Fällen siegbringend

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