"Bedenkliche Entwicklung" Immer weniger Frauen führen mittelständische Firmen

Angela Titzrath: Die Chefin des Hafenbetreibers HHLA ist eine der wenigen Frauen an der Spitze eines großen deutschen Unternehmens

Angela Titzrath: Die Chefin des Hafenbetreibers HHLA ist eine der wenigen Frauen an der Spitze eines großen deutschen Unternehmens

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Nur noch rund jeder sechste mittelständische Betrieb wird einer Studie zufolge von einer Frau geführt. Von den rund 3,71 Millionen Unternehmen standen zuletzt 16,4 Prozent unter weiblicher Führung, wie die staatliche Förderbank KfW am Dienstag zu ihrer Untersuchung mitteilte. Sie hat dafür Daten aus dem Jahr 2016 ausgewertet. Verglichen mit dem Vorjahr nahm der Anteil weiblicher Chefs damit um drei Prozentpunkte ab. In den Jahren 2014 und 2015 lag der Anteil bei 18 Prozent.

Nicht alle Größenklassen des Mittelstands seien dabei gleichermaßen betroffen: In Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Vollzeitstellen waren 2016 rund 17 Prozent der Inhaber weiblich. In den Chefetagen von kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten stieg der Frauenanteil sogar leicht von 10,4 Prozent im Jahr 2013 auf 11,5 Prozent. Weiterhin gelte jedoch: Mit zunehmender Größe des Unternehmens sinkt der Frauenanteil in den Chefetagen. In Firmen mit mehr als 50 Beschäftigten betrug er 2016 nur 9,1 Prozent.

Gleichzeitig wagten zuletzt nur noch 270.000 Frauen den Sprung in die Selbstständigkeit, ein Rückgang von 17 Prozent. Ein Grund für den Schwund dürfte die gute Lage am Arbeitsmarkt sein, von der insbesondere Frauen profitierten. "Karriereentscheidungen fallen daher immer häufiger gegen die Selbstständigkeit aus", hieß es. "Mit Verzögerung bremst das den Anstieg der frauengeführten Mittelstandsunternehmen in den nächsten Jahren."

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner hält diese Entwicklung für schlecht. "Die zuletzt rückläufigen Zahlen frauengeführter Mittelständler sind bedenklich", sagte der Experte. "Dabei bräuchte die deutsche Wirtschaft die gut ausgebildeten Frauen immer dringender, gerade auch in den Führungsetagen von Unternehmen." So sinke die Erwerbsbevölkerung, während der Fachkräftemangel zunehmen werde und bei vielen Mittelständlern die Nachfolgesuche anstehe.

mg/rtr
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