Kartellamt "Springer-Blätter-Verkauf kein Selbstläufer"

Springer will den Großteil seines Printgeschäfts an die Funke-Gruppe verkaufen. Die Kartellwächter werden das sehr genau prüfen, sagen sie. Machen sie Auflagen, könnten auch Wettbewerber zum Zuge kommen.
Zeitungslandschaft im Umbruch: Der Springer-Medienkonzern will unter anderem das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost" verkaufen

Zeitungslandschaft im Umbruch: Der Springer-Medienkonzern will unter anderem das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost" verkaufen

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Frankfurt am Main - Das Bundeskartellamt wird die Pläne des Medienkonzerns Axel Springer zum Verkauf eines Großteils seines Printgeschäfts an die Funke-Mediengruppe intensiv prüfen. "Der Fall Funke/Springer ist kein Selbstläufer", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt der "Süddeutschen Zeitung". "Das ist ein Fall von erheblichem Gewicht - nicht nur mit Blick auf die beiden beteiligten Unternehmen."

Machen die Kartellwächter in einzelnen Bereichen gravierende wettbewerbsrechtliche Probleme aus, können sie Auflagen erlassen. Diese könnten etwa den Verkauf einzelner Unternehmensteile an Wettbewerber umfassen.

Springer will für 920 Millionen Euro traditionsreiche Blätter wie das "Hamburger Abendblatt" und die "Hörzu" an die Funke-Mediengruppe verkaufen. Nur noch "Bild", "Welt" und deren Zeitschriften-Marken sollen beim Berliner Medienkonzern bleiben. Funke und Springer wollen zudem künftig zusammenarbeiten und gründen dafür ein Vermarktungs- sowie ein Vertriebs-Joint-Venture.

Funke und Springer planen zudem Joint-Venture

"Der Fall betrifft eine Vielzahl von Märkten und darunter einige, die man sich aus Wettbewerbssicht sehr genau ansehen muss", sagte der Kartellamtschef. "Wir werden uns vor allem mit drei Bereichen intensiver befassen müssen: dem Markt für überregionale Anzeigen in Zeitungen, mit verschiedenen regionalen Anzeigenmärkten und den Märkten für Programmzeitschriften."

Die Bonner Wettbewerbshüter hatten deshalb bereits vergangene Woche ein Hauptprüfverfahren eingeleitet, um die Transaktion genauer unter die Lupe zu nehmen. Für die kommende Woche seien erste Gespräche im Kartellamt angesetzt, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Die Funke-Mediengruppe mit Hauptsitz in Essen beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 6000 Menschen. Hierzulande gibt sie Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Niedersachsen heraus. Allein die NRW-Titel haben dem Medienhaus zufolge eine verkaufte Auflage von rund 700.000 Exemplaren. Die zum Verkauf gestellten Springer-Blätter hatten 2012 einem Umsatz von rund 512 Millionen Euro erzielt.

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rei/rtr
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