Mittwoch, 16. Oktober 2019

Sind Sie über 45 Jahre alt? Dann sind Sie kreativ tot...

Seit wann ist Kreativität eine Frage des Alters?
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Seit wann ist Kreativität eine Frage des Alters?

2. Teil: Hirne über 45 haben kreative Vorteile

Was ist eigentlich Kreativität? Nach der Definition von Harvard-Professorin Teresa Amabile sind drei Faktoren entscheidend: Fachwissen, kreative Fähigkeiten (Vorstellungsvermögen, Analogiedenken etc.) und intrinsische Motivation. Wenn Sie sich Ihren Kopf kurz einmal als Computer vorstellen, ist damit folgendes gemeint: Fachwissen ist die Menge der Dateien an Fachwissen und Erfahrungen, die Sie in Ihrem Kopf gespeichert haben.

Kreative Fähigkeiten sind der Chip, der es Ihnen erlaubt, das alles in Höchstgeschwindigkeit immer wieder neu miteinander zu vernetzen. Und intrinsische Motivation bedeutet: Sie müssen auch Lust haben, Ihr Gehirn entsprechend zu benutzen. Also die "Enter"-Taste überhaupt drücken wollen.

Jetzt kommt das, was Khosla und Zuckerberg vergessen: Tatsächlich verfügt das junge Gehirn über mehr kreative Fähigkeiten. Hirnwissenschaftlicher sprechen davon, dass junge Menschen über eine erhöhte synaptische Plastizität im präfrontalen Cortex verfügen. Heißt zu Deutsch: Vorne im Gehirn, wo das Zentrum für logisches Denken sitzt, funken die Nervenzellen noch nervös in alle Richtungen. Bei Älteren geht es eher in geordneten Bahnen zu. Nur: Was hilft der beste Chip im Computer, wenn keine Daten auf der Festplatte sind? Kreativität heißt letztlich: Alle Puzzlestücke und Erfahrungen im Kopf immer wieder neu zusammensetzen.

Das hat Vor- und Nachteile. Der häufig genannte Vorteil: Junge Menschen wissen noch nicht, was nicht geht. Korrekt. Deshalb gehen sie an vieles unbefangener heran als Ältere. Aber sie wissen auch noch nicht, was geht. Das ist der Vorteil des älteren Gehirns: Wie überzeugt man einen konservativen Vorstand von einer neuen Idee? Wie finde ich den Weg zur Hintertür, wenn mich der Kunde am Eingang hat abblitzen lassen? Wie organisiere ich schnell mal Ressourcen, die offiziell nicht vorhanden sind? Hier ist das ältere Gehirn eindeutig im Vorteil. Das Stichwort: Erfahrungswissen.

Die Silverpreneure kommen

So einen Begriff, der richtig sexy klingt, hat noch niemand für das Phänomen gefunden. Silverpreneur - ein Kunstwort, das auf die meist grauen Haare von Gründern anspricht, scheint noch eleganteste zu sein. Das Zukunftsinstitut erklärt die "Anti-Rentner" bereits zum Trend. Auch die Bundesregierung hat sich drangehängt. Die Broschüre "Existenzgründung im besten Alter" gibt Tipps und fragt nach der Motivation älterer Gründer und Gründerinnen.

Beispiele gibt es genügend: Tony Ryan gründete Ryanair erst mit 49, Charles Flint war 61, als er IBM ins Leben rief. Und mit 72 übernahm Ben Lipps, Ex-Vorstandschef bei Fresenius Medical Care, den Vorsitz bei Magforce - einem jungen Unternehmen der Biotech-Branche. Warum ging Lipps nicht einfach in Rente? Es war die Begeisterung für die innovative Technologie. Tot, was neue Ideen betrifft? Weit gefehlt!

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