Sonntag, 18. August 2019

K+S Aktie gefragt K+S sucht schützenden Großaktionär

Kali-Abraum in Sachsen-Anhalt: K+S sucht nach Kurssturz Halt und verspricht eine neue Strategie

Neuer Chef, neue Strategie: Der Kali-Konzern K+S sucht einen Großaktionär als Schutz vor Übernahmen. Spekulationen beflügeln die Aktie von K+S.

Der im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Rohstoffkonzern K+S sucht zur Stabilisierung des Unternehmens nach einem Großaktionär. "Wir führen dazu Gespräche", sagte der neue K+S-Chef Burkhard Lohr der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Als sogenannter Ankeraktionär kämen insbesondere "langfristig denkende Investoren" infrage, die nicht aus der Branche stammten und auch keine Kunden von K+S seien.

Gleichzeitig kündigte Lohr eine neue Strategie an: "Wir werden Wachstumschancen identifizieren und ein Gesicht des Konzerns für das Jahr 2030 entwerfen", sagte er. Der Wert des Unternehmens solle gesteigert werden. Der derzeitige Aktienkurs von etwa 22 Euro spiegele ihn nicht annähernd wider. Lohr, bislang Finanzchef bei K+S, hat den glücklosen Norbert Steiner als CEO bei K+S abgelöst.

Vor gut zwei Jahren hatte K+S ein Übernahmeangebot des kanadischen Konkurrenten Potash abgewehrt. Der gebotene Preis von 41 Euro pro Aktie hatte den Deutschen nicht gereicht. Nachdem Potash sein Angebot zurückgezogen hatte, war der Aktienkurs von K+S eingebrochen und liegt auch jetzt bei nur bei einem Bruchteil des damaligen Angebotspreises. Den Nachweis, dass K+S mehr wert sei als 41 Euro pro Aktie, ist das K+S Management schuldig geblieben. K+S Chef Norbert Steiner musste deshalb seinen Job an Lohr übergeben.

K+S-Aktie steigt - wagt Potash bald einen zweiten Versuch?

Immerhin sorgten die Ankündigungen Lohr dafür, dass die Aktie am Montag rund 4 Prozent zulegte und sich an die Spitze des MDax Börsen-Chart zeigen setzte. Laut Branchenkreisen ist es auch nicht ausgeschlossen, dass Potash erneut eine feindliche Übernahme von K+S wagen könnte - zu einem dann deutlich niedrigeren Preis als vor zwei Jahren. Vor solch einem Szenario würde sich K+S mit Hilfe eines Ankeraktionärs besser schützen können.

Im vergangenen Jahr hat der Düngemittel- und Salzproduzent unter Produktionsproblemen und dem anhaltenden Preisdruck im Kali-Geschäft gelitten. Der Umsatz sackte um 17 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro ab. Unter dem Strich blieb ein bereinigter Gewinn von 131 Millionen Euro, nach 542 Millionen Euro ein Jahr zuvor. K+S musste die Produktion in Deutschland drosseln, weil die Entsorgungskapazitäten nicht ausreichten. Das Abwasser aus der Kali-Produktion wird in die Werra oder den Boden geleitet. Umweltschützer befürchten negative Folgen für das Trink- und Grundwasser.

Im Streit mit Umweltschützern und Behörden um die Abwässer aus dem Kali-Bergbau hat der neue K+S Chef Burkhard Lohr denn auch Fehler eingeräumt und Besserung gelobt. "Vielleicht hätten wir an der ein oder anderen Stelle mehr zuhören sollen", sagte der Vorstandsvorsitzende der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Positionen lägen oft weit auseinander, man müsse aber die Nöte der anderen Seite erkennen und anerkennen. "Wir werden uns selbstkritisch fragen, was wir noch besser machen können." K+S wolle in Deutschland weiter Bergbau betreiben. Das gehe aber nicht völlig ohne Eingriff in die Umwelt.

Lohr verwies auf Bemühungen des Unternehmens. In der Region Werra seien die salzhaltigen Abwässer von 20 Millionen auf 7 Millionen Kubikmeter jährlich reduziert worden. "Ab 2018 werden wir weitere 20 Prozent mit einer neuen Anlage einsparen".

la/dpa/mmo

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