Sonntag, 31. Mai 2020

Nespresso Aldi und Lidl eröffnen Kapsel-Schlacht

Kapselkrieger: Wie Nespresso die Konkurrenz ausbremst
obs

Erst waren es kleine streitlustige Wettbewerber, die Nespresso einen Teil des Kapselgeschäft streitig machten. Nun scheinen alle Schranken gefallen: Nach Masters Blenders und Mondelez stürmen auch Aldi und Lidl auf den lukrativen Kapsel-Markt - und lehren die Großen das Fürchten.

Hamburg - Sonderangebote waren bislang nicht das Ding von Nespresso. Doch für den Schweizer Kaffeeanbieter, der sein Klientel bislang mit edler Clubatmosphäre, Art-deco-Ambiente und edel kredenzten Grand-Cru Kapseln lockte, scheinen neue Zeiten angebrochen. Gleich auf der Startseite im Internet springt einem das Sonderangebot entgegen: Bis zu 100 Euro können Kunden beim Kauf einer Nespresso-Maschine sparen.

Es ist gar nicht lange her, da wäre so ein Lockangebot undenkbar gewesen, markenschädigend sogar. Schließlich verkauften die Schweizer mit ihrer Werbeikone George Clooney nicht nur zemlich teure Kaffeekapseln, sondern auch ein exquisites Lebensgefühl. Doch wenn die Schweizer im wichtigen Weihnachtsgeschäft nicht wertvollen Boden gegenüber den Wettbewerbern verlieren wollen, führt auch für sie an attraktiven Rabatten kein Weg vorbei.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Erst waren es vor allem kleine unabhängige Hersteller wie die Ethical Coffee Company des ehemaligen Nestlé-Managers Jean Paul Gaillard oder der Schweizer Hersteller Delica, die mit ihren Konkurrenz-Kapseln eine günstige Alternative für die Nestlé-Kapseln anboten und sich mit Nestlé eine Patent-Schlacht nach der anderen lieferten.

Jetzt da, Nestlés Verteidigungslinie endgültig durchbrochen scheint, wagen sich auch die anderen vor: Sowohl die ehemalige Kraft Tochter Mondelez als auch der in den Händen der Milliardärsfamilie Reimann befindliche Senseo-Hersteller Master Blenders mischen mittlerweile im lukrativen Kapselgeschäft mit.

Nun mischen auch Aldi und Lidl mit

Und jetzt wollen auch die Discounter ein Stück vom Kuchen abhaben. Die Discounterkette Lidl, die ihre Kapseln nach Problemen zeitweise wieder aus den Regalen genommen hatte, ist mit einer neuen Version Nespresso-kompatibler Kapseln wieder mit von der Partie.

Seit Mittwoch ist jetzt auch Aldi mit im Spiel - mit einem eigenen System samt Kapseln, das der deutsche Hersteller K-fee für die Discounterkette entwickelt hat. Die Tochter des Pulverkonzerns Krüger ist im Kapselmarkt keine unbekannte. Sie hat schon für Starbucks ein eigenes System entwickelt und ist auch mit einem eigenen Programm auf dem Markt.

Insgesamt sind es Schätzungen zufolge jetzt schon mehr als 50 Anbieter, die in Europa mit ihren Kapseln um die Gunst der Espressotrinker werben. Viele davon allerdings hauptsächlich oder sogar ausschließlich im Internet, wie der Berliner Kapselversender Gourmesso oder der Schweizer Erwin Meier, der mit dem Coffeemate eine wieder befüllbare Edelstahlkapsel entwickelt hat.

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