Samstag, 18. Januar 2020

Kritiker sprechen von Sieg für Zigarettenindustrie US-Behörde beschränkt Verkauf von E-Zigaretten mit Aromen

Mango, Mint, Frucht - E-Zigaretten von Juul mit Fruchtgeschmack gelten unter Kritikern als besonders gefährlich. Juul nahm sie rechtzeitig vom US-Markt und verhinderte somit aus Sicht auch anderer E-Zigarettenanbieter wohl Schlimmeres für die Branche.

Die US-Regierung will den Verkauf von E-Zigaretten mit Geschmacksrichtungen beschränken, die besonders Jugendliche ansprechen, verzichtet unter dem Druck der Zigarettenlobby aber auf ein Komplettverbot. Jugendschützer und Gesundheitsverbände kritisierten die neue Regelung.

Die Aufsichtsbehörde FDA (Food and Drug Administration) teilte am Donnerstag mit, nach dem Ablauf von 30 Tagen seien solche Geschmacksrichtungen, wie etwa Frucht oder Minze, nicht mehr erlaubt. Dies betreffe E-Zigaretten mit bereits befüllten Patronen, die bei Jugendlichen besonders beliebt seien.

Die Geschmacksrichtungen Tabak und Menthol allerdings sind von der Beschränkung nicht betroffen, ebenso wenig andere Modelle wie E-Zigaretten mit kleinen Tanks, die selbst befüllt werden können.

Nie zuvor in der US-Geschichte habe sich der Missbrauch einer Substanz so schnell verbreitet wie der Konsum von E-Zigaretten durch Jugendliche, sagte Gesundheitsminister Alex Azar. Dabei seien es die kartuschenbasierten Systeme, die für Jugendliche besonders attraktiv seien. Tank-Systeme würden dagegen "von den Kids nicht in nennenswertem Umfang genutzt".

Jugendschützer und Gesundheitsverbände kritisierten die neue Regelung. Diese schaffe "ein riesiges Schlupfloch, dass den derzeitigen Tabakfirmen zugute kommen wird", sagte Matthew Myers von der Kampagne für tabakfreie Kids.

Die Präsidentin des Amerikanischen Herz-Verbands, Nancy Brown, sprach von einem "großen Sieg" für die bei US-Jugendlichen besonders beliebte Marke Juul, für Vape-Shops und den Rest der Zigarettenindustrie "über die Interessen dieser Nation".

E-Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird, haben in den vergangenen Jahren weltweit enorm an Beliebtheit gewonnen. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage gaben 28 Prozent der High-School-Schüler höherer Jahrgänge an, in den vergangenen 30 Tagen E-Zigaretten geraucht zu haben.

Während E-Zigaretten zunächst als weniger gesundheitsschädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten galten, wachsen bei Behörden die Bedenken. In den USA wurden in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten mehr als 50 Todesfälle registriert.


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Der umstrittene US-Anbieter Juul Labs hatte bereits Ende Oktober vergangenen den Verkauf aromatisierter E-Zigaretten mit Fruchtgeschmack in den Vereinigten Staaten gestoppt. Juul kam damit - wie sich jetzt zeigt - der Aufsichtsbehörde FDA zuvor. Womöglich könnte Juuls frühzeitiges, teilweises Entgegenkommen die wohlwollende Entscheidung der FDA mit begünstigt haben.

rei/AFP/dpa

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