Samstag, 20. April 2019

Wirbel um Zurich Ackermanns Abgang am Mythenquai

Josef Ackermann: "Rufschädigung zu Lasten von Zurich vermeiden"

Josef Ackermann hat seinen wichtigsten Job nach der Deutschen Bank abgegeben. Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich gerät nach dem Drama um den Selbstmord eines Managers in Turbulenzen. Ackermanns Erklärung liefert Stoff für neue Legenden.

Hamburg - Eine solche Rücktrittserklärung eines Konzernführers hat es wohl noch nicht gegeben. Josef Ackermann begründete seinen sofortigen Rücktritt als Verwaltungsratschef des Versicherungskonzerns Zurich am Donnerstag mit dem Tod des Finanzvorstands Pierre Wauthier. Die Polizei geht von Selbstmord aus - und Ackermann bringt sich selbst mit der Tragödie in Verbindung: "Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag."

Der langjährige Chef der Deutschen Bank wolle "eine Rufschädigung zu Lasten von Zurich vermeiden" - doch nun kommt der traditionell konservative Versicherer, der möglichst wenig von sich reden macht, erst recht in die Schlagzeilen. Der seit Tagen schwächelnde Aktienkurs rutschte am Donnerstag um weitere bis zu 4 Prozent ab. Die Versicherung wird zur Verunsicherung, obwohl die vakanten Posten von Finanzchef und Verwaltungsratsspitze rasch kommissarisch besetzt wurden.

Ein anderer Grund, der möglicherweise hinter dem Rücktritt stehen könnte, drängt sich nicht auf. Dass Ackermann laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" von der Münchener Staatsanwaltschaft im Fall Leo Kirch vorgeladen wurde, könnte zwar zu einer Verurteilung wegen Falschaussage führen. Die Ermittlungen laufen aber bereits seit zwei Jahren, da wäre der mutmaßliche Selbstmord Wauthiers der denkbar ungeeignetste Vorwand und Zeitpunkt, um einem unangenehmen Konflikt zwischen Amt und Gerichtsprozess zu entgehen.

Mandate bei Zurich, Siemens, Shell, Akbank und bei den Kuwaitis

Genug zu tun hat der Banker auch ohne das Zurich-Mandat. Ackermann war nicht nur als Vize-Aufsichtsratschef von Siemens Börsen-Chart zeigen in die jüngsten Turbulenzen um den Abgang von Peter Löscher eingebunden. Er sitzt auch im Kontrollgremium von Shell Börsen-Chart zeigen , mehreren Beiräten wie bei den Investmentvehikeln der schwedischen Wallenberg-Familie, der türkischen Akbank, der National Bank of Kuwait und laut russischen Medienberichten demnächst bei einem dort geplanten Staatsfonds, zusätzlich zu diversen ehrenamtlichen Engagements und privaten Investments.

Aber der Job bei Zurich Börsen-Chart zeigen, den Ackermann im Juni 2012 gleich nach dem konfliktbeladenen Abschied aus Frankfurt angetreten hatte, war für den Schweizer die Kernaufgabe. Ackermann hat den Job des Verwaltungsratspräsidenten, der im Schweizer Gesellschaftsrecht ohnehin eine stärkere Stellung hat als ein deutscher Aufsichtsratsvorsitzender, deutlich aktiver ausgeübt als seine Vorgänger.

Nun wird in Zürich spekuliert, ob genau das den Hintergrund für das Drama um Wauthier bildet. Die Vorwürfe der Familie, auf die Ackermann selbst verweist, sind nicht öffentlich, sodass über ihren Inhalt nur spekuliert werden kann - abgesehen von Ackermanns eigener Aussage, sie seien offenbar "objektiv unbegründet".

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