Freitag, 18. Oktober 2019

Mann wuchsen Brüste durch Medikament Pharmariese J&J soll 8 Milliarden Dollar Schadenersatz an Patienten zahlen

Johnson & Johnson: Die Anwälte des Pharmariesen sind derzeit schwer beschäftigt
REUTERS/Brendan McDermid/File Photo
Johnson & Johnson: Die Anwälte des Pharmariesen sind derzeit schwer beschäftigt

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson ist zu einer Schadenersatzzahlung in Milliardenhöhe verurteilt worden. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Pennsylvania entschied am Dienstag (Ortszeit), dass J&J wegen fehlender Informationen über die Nebenwirkungen eines bei Schizophrenie eingesetzten Medikaments acht Milliarden Dollar zahlen müsse.

Geklagt hatte ein Mann, der das Psychopharmakum Risperdal eingenommen hatte, das bei Schizophrenie und bipolaren Störungen verschrieben wird. Er wirft dem Pharmakonzern vor, ihm seien dadurch Brüste gewachsen.

Johnson & Johnson Börsen-Chart zeigen kündigte umgehend an, in Berufung zu gehen. J&J bezeichnete das Urteil als "absolut unverhältnismäßig" und "unbegründet". Das Unternehmen sei "zuversichtlich, dass das Urteil gekippt" werde. Bis es zu rechtswirksamen Entscheidungen kommt, bei denen Unternehmen den Klägern wirklich Geld zahlen müssen, vergehen oftmals Jahre.

Risperdal ist seit 1993 in den USA zugelassen und hat Einnahmen in Höhe von rund 737 Millionen Dollar erzielt. Klagen gegen J&J wegen der Nebenwirkungen des Medikaments sind in mehreren US-Staaten anhängig.

Bereits 2015 wurde dem Kläger eine Entschädigung zugesprochen

Im aktuellen Fall hatte eine Jury dem Kläger bereits 2015 eine Entschädigung von 1,75 Milliarden Dollar zugesprochen, die später auf 680.000 Dollar gesenkt wurde. Dabei ging es zunächst aber nur um den regulären Schadenersatz. Nun hatten die Geschworenen über den sogenannten Strafschadenersatz zu befinden, der im US-Recht als Zusatzsanktion in besonders schweren Fällen verhängt werden kann. Hier kommt es immer wieder vor, dass hohe Strafen hinterher von Richtern als unverhältnismäßig betrachtet und verringert werden.

Konzern auch in Opioid-Klagewelle unter den Beschuldigten

So oder so ist der Fall für Johnson & Johnson aber brisant, da der Konzern mit mehr als Zehntausend ähnlichen Klagen konfrontiert ist. Der Pharmariese ist rechtlichen Ärger ohnehin gewohnt. Auch bei der Klagewelle gegen Firmen, die mit süchtig machenden Schmerzmitteln zur Opioid-Krise und Drogen-Epidemie in den USA beigetragen haben sollen, ist das Unternehmen aus New Brunswick im Bundesstaat New Jersey unter den Beschuldigten. Zudem muss es sich zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des Pflegemittels "Baby Powder" stellen.

la/AFP/reuters

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