Joe Schoendorf Wenn Roboter die Arbeitswelt übernehmen

Joe Schoendorf hat beim diesjährigen Treffen der Tech-Elite in München die vielleicht wichtigste Frage der digitalen Revolution gestellt: "Was machen wir eigentlich mit den Millionen Menschen, die ihren Job durch Roboter verlieren werden"?
Von Andrea Rungg und Astrid Maier
Joe Schoendorf gehört zum Führungsteam des Weltwirtschaftsforums. Er lebt seit fast 50 Jahren im Silicon Valley. Seit 20 Jahren ist er Partner bei Accel Partner, dem ersten Risikokapitalgeber, der in Facebook investierte. Accel Partner machte aus einem 12,5-Millionen-Dollar-Investment beim Börsengang des Online-Netzwerkes einen Milliardenerlös.

Joe Schoendorf gehört zum Führungsteam des Weltwirtschaftsforums. Er lebt seit fast 50 Jahren im Silicon Valley. Seit 20 Jahren ist er Partner bei Accel Partner, dem ersten Risikokapitalgeber, der in Facebook investierte. Accel Partner machte aus einem 12,5-Millionen-Dollar-Investment beim Börsengang des Online-Netzwerkes einen Milliardenerlös.

Foto: DLD / Youtube

mm: Herr Schoendorf, Sie haben auf dem DLD einerseits die digitale Revolution gepriesen. Sie haben aber auch ein düsteres Szenario skizziert. Künftig würden Millionen Roboter die Arbeit erledigen, die zuvor von Menschenhand erledigt wurde. Viele würden also ihren Job verlieren und damit sinke auch die Kaufkraft. Sie haben von der Tech-Elite Lösungen für dieses Problem verlangt? Haben Sie selbst schon eine?

Schoendorf: Im Moment gibt es nicht die Lösung. Lassen Sie mich das Szenario noch ein bisschen deutlicher machen. Das Median-Alter weltweit ist 27 ½. Ich mache mir weniger Sorgen um die, die jünger sind, denn sie sind im Informationsalter aufgewachsen. Für die ist es am wichtigsten, dass sie die beste Ausbildung erhalten. Sie werden ein anderes Leben führen als wir. Sie werden viele Jobs haben. Dass man lange bei einem Arbeitgeber bleibt, das wird sich ändern.

mm: Und was ist mit der Gruppe, die älter ist als der Median?

Schoendorf: Um die mache ich mir Sorgen, genauer um die, die keine entsprechenden Kenntnisse des Informationszeitalters haben, deren Arbeitsplatz durch Maschinen ersetzt wird.

mm: Damit stellen Sie aber auch infrage, dass Innovation automatisch zu mehr Wohlstand führt. Kehren wir nun zurück zu einer Art neuem Feudalismus?

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Knightscope: Wachroboter auf Patrouille

Foto: Knightscope

Schoendorf: Nun, einige Europäer fragten mich recht pessimistisch, ob das bedeute, dass das kapitalistische System damit am Ende wäre. Nein, das ist es nicht. Ich bin nun seit 49 Jahren im Silicon Valley. Wir antizipieren dort große Probleme und lösen sie. Ich sage aber, dass dies das größte Problem ist, was ich jemals gesehen habe. Menschen mit normalen Jobs in Fabriken oder etwa in der Dienstleistungsbrache werden durch Maschinen ersetzt. Ich möchte dass sich die IT-Branche, die den ganzen Tag auf Problemsuche ist, darüber Gedanken macht.

mm: Es gibt im Silicon Valley aber auch andere Meinungen. Investor Peter Thiel oder Sun-Microsystem-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim sagen etwa, einige Jobs würden wegfallen und sie würden einfach durch andere gleichwertige oder bessere ersetzt. Das sei in Innovationsprozessen so.

"Bruttoinlandsprodukt wird steigen, die Beschäftigung aber nicht"

Schoendorf: Da bin ich anderer Meinung. Prozesse verlaufen nicht immer gleich. Thiel und Bechtolsheim meinen Jobs, für die man schon eine technische Qualifikation hatte. Ich möchte, dass sie mir sagen, welchen besseren Job der Schweißer bekommt, der in der Produktionskette von Daimler ist und von Robotern ersetzt wird. Er hat vierzig Stunden die Woche in einem Handwerksberuf gearbeitet und nun wird diese Arbeit wegfallen und er verfügt auch nicht über die technische Qualifikation, um gleich weiterzuziehen. Es wird für ihn vielleicht keinen Produktionsjob mehr geben.

mm: Sind die Auswirkungen der digitalen Revolution also negativer als die der industriellen Revolution?

Schoendorf: Ja. Einst haben wir Dinge besser gemacht. Jemand war vielleicht in der Lage mehr zu leisten, aber nun brauchen wir die Person gar nicht mehr. Das ist der große Unterschied.

mm: Können Sie mal ein paar Beispiele nennen?

Schoendorf: Das MIT hat in seinen Laboren beispielsweise bereits eine Maschine, die Essen produzieren kann, ohne dass sie dafür ein einziges Saatkorn pflanzen müssen. Oder nehmen wir das Biotec Startup, das tierische Produkte entwickeln kann, ohne dass ein Bauer dafür eine einzige Kuh züchten muss. Das Leder kommt aus der Maschine. Wir müssen uns eine Gesellschaft vorstellen, in der es weniger Arbeitsplätze gibt. Wir werden sehen, dass das Bruttoinlandsprodukt weiter steigen wird, aber damit wird anders als früher keine steigende Beschäftigung einhergehen.

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Roboter für Olympia: Wie Japan in den Wettbewerb der Zukunft geht

Foto: Koji Sasahara/ AP

mm: In China gab es kürzlich Proteste, weil Arbeiter durch Roboter ersetzt wurden.

Schoendorf: Das sind die ersten Auswirkungen. Ich habe mir sagen lassen, dass chinesische Elektronikgerätehersteller mehr als eine Million Roboter bestellt haben. Das sind quasi Menschen, die nicht mehr beschäftigt werden müssen. Chinas Sicherheit hängt nicht zuletzt davon ab, dass es den Menschen Arbeit geben kann, aber das Land muss auch in einer globalisierten Welt konkurrieren. Wir stehen also vor gewaltigen Herausforderungen und als jemand, der aus dem Silicon Valley mit einem gewissen Einblick kommt, fühle ich mich verantwortlich, auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

mm: Google-Chairman Eric Schmidt sagte kürzlich, dass es die Entwicklungs- und Schwellenländer viel härter erfassen wird als beispielsweise entwickelte Länder, weil bei uns das Bildungsniveau höher sei.

Schoendorf: Ich kenne Eric Schmidt ganz gut, und wenn er sich darüber Gedanken gemacht hat, dann hat er es sicherlich gut durchgedacht. Er könnte Recht haben. Wir werden in Davos darüber sprechen. Das zweite Maschinenzeitalter wird dort ein großes Thema.

mm: Politiker werden häufig am Stand der Arbeitslosigkeit gemessen. Sie reden viel mit Politikern. Sind sie sich darüber bewusst, was die neue maschinengesteuerte Welt bedeutet? Welche Maßnahmen muss die Politik ergreifen?

"Deutschland duldet es nicht zu scheitern"

Schoendorf: Ich weiß es nicht, ob ihnen das Problem bewusst ist, aber wir werden in Davos mit vielen Regierungschefs darüber reden. Politiker haben nur leider die Angewohnheit, mit Regulierungen an die Sachen heranzugehen. Das ist aber die falsche Lösung. Sie müssten stattdessen sagen, unsere intelligentesten Leute müssen mit den brillantesten Ideen daherkommen.

mm: Mit Ihren Warnungen oder Szenarien hören sich sehr europäisch an. Im Silicon Valley wird vor allem unserem Land gerne die "German Angst" vorgeworfen. Es heißt immer, die Vorteile werden die Nachteile überwiegen. Ihr seid zu pessimistisch.

Schoendorf: Das ist ein anderes Thema. Dabei geht es um Risiken und die Möglichkeit des Scheiterns. Andreas von Bechtolsheim ist beispielsweise in die USA gegangen um Sun Microsystems zu gründen, weil er in Deutschland nicht das Risiko hätte eingehen können. Wenn er in Deutschland gescheitert wäre, dann hätte man ihm das ewig nachgetragen. Deutschland duldet es nicht zu scheitern. Im Silicon Valley waren unsere besten Unternehmer bereits zuvor schon einmal gescheitert.

mm: In Deutschland diskutieren Politiker und Unternehmer derzeit, wie wir die Lücke ins Silicon Valley schließen können. Dabei geht es auch um protektionistische Maßnahmen. Sogar die Zerschlagung Googles wurde ins Gespräch gebracht.

Schoendorf: Wenn sie versuchen, durch Regulierung zu konkurrieren, dann werden sie schneller verlieren als ohne. Deutschland steht so gut da, weil es das Industriezeitalter dominiert hat. Nun sind wir im Informationszeitalter und Deutschland liegt zurück. Um bessere Maschinenbauer hervorzubringen, hat Deutschland auch keine Gesetze erlassen. Es hat Kompetenzen entwickelt, um besser als jeder andere zu sein. Das gleiche muss es nun im Informationszeitalter machen. Stattdessen werden Regulierungen diskutiert, um alle anderen auszubremsen. Das ist falsch. Deutschland sollte seine Bürger richtig ausbilden und an einem Kulturwandel arbeiten. Im Informationszeitalter geht es darum Risiken einzugehen. Wenn man es dominieren will, dann muss man das Scheitern und Riskieren kultivieren.

mm: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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