Donnerstag, 12. Dezember 2019

SAP - Jennifer Morgan ist erste Dax-Chefin "Angst gehört für mich nicht in die Unternehmenswelt"

SAP Co-Chefin Jennifer Morgan
SAP / Eventrix
SAP Co-Chefin Jennifer Morgan

Es ist ein historischer Tag für die Deutschland AG. Mit Jennifer Morgan rückt erstmals eine Frau an die Spitze eines Dax-Konzerns. Dass sich die 48 Jahre alte US-Amerikanerin bei SAP durchsetzen würde, dürfte nur Außenstehende überraschen: Morgan bringt alles mit, was es für den Sprung an die Spitze brauchte, wie ein Blick auf ihren Lebenslauf zeigt.

2004 wechselt die ehemalige Unternehmensberaterin vom kleineren Konkurrenten Siebel zum Software-Riesen SAP Börsen-Chart zeigen. Es folgt ein rascher Durchmarsch durch verschiedene Topjobs im Konzern. Als Leiterin der Cloud Business Group ist sie verantwortlich für das zukunftsweisende Cloud-Geschäft, das inzwischen mehr Geld einspielt als das Geschäft mit Softwarelizenzen. Ab 2017 führt Morgan die Regionen Amerika und Asien-Pazifik-Japan mit insgesamt 43.000 Mitarbeitern. Im gleichen Jahr erfolgt die Berufung in den SAP-Vorstand. 2018 schließlich wählt das Wirtschaftsmagazin "Forbes" sie in den Kreis der 100 einflussreichsten Frauen der Welt. Und nun, gemeinsam mit dem 39-jährigen Christian Klein, wird sie SAP leiten. Bei einer solch steilen Karriere binnen so kurzer Zeit würde manchem schwindelig.

Doch Morgan selbst sieht ihren Aufstieg gar nicht als spektakulär an - eher als folgerichtig. "In der alten Welt könnte man meinen Aufstieg als 'rasch' bezeichnen", sagte Morgan im Frühjahr in einem Interview mit dem "Philadelphia Inquirer". "Aber mal ehrlich: Ich bin nicht mehr 27."

"Konzentriere dich auf die Menschen, dann stimmen bald auch die Zahlen"

Mit dem gleichen nüchternen Kalkül, das sich nicht durch alte Rollenmuster benebeln lässt, hat Morgan ihre Karriere bei SAP beschleunigt. "Angst gehört für mich nicht in die Unternehmenswelt. Sie behindert dich dabei, klar zu denken und kreativ zu sein", gehört zu Morgans Leitsätzen. Und: "Ich glaube daran, Kunden und Mitarbeitern sofort ehrliches Feedback zu geben. Wenn man sich bei der Führung eines Teams auf die Menschen konzentriert, dann stimmen bald auch die Zahlen."

Als Morgan im Jahr 2004 zur SAP stieß, war sie noch eine Exotin in einer Welt älterer, weißer Männer. Dass dies sich inzwischen geändert hat, ist auch auf ihre eigene Arbeit zurückzuführen. Als Mitglied des Executive Boards bei SAP arbeitete sie hartnäckig daran, die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen (Gender Pay Gap) auszugleichen und Frauen besser zu bezahlen. Dies und ihr Einsatz für mehr Diversität bei SAP sorgten dafür, dass das US-Magazin "Fortune" SAP Nordamerika in die Liste der 100 besten Arbeitgeber aufnahm.

Auch privat bricht die Mutter zweier Söhne alte Rollenmuster auf. Während die Absolventin der James Madison University (Betriebswirtschaft) nun für die Gesamtstrategie eines Konzerns mit knapp 100.000 Mitarbeitern verantwortlich ist, kümmert sich ihr Ehemann daheim in Newtown (Philadelphia) um die beiden Teenager. Die Zahl ihrer Reisen nach Europa und in die Walldorfer Zentrale dürften deutlich zunehmen, auch wenn sich Morgan den CEO-Job bei SAP mit dem Deutschen Christian Klein teilt.

Ritterschlag: Erfolg im Cloud Geschäft

Der Ritterschlag für Morgan war aber nicht ihr Einsatz bei den Themen Innovation und Unternehmensführung, sondern die erfolgreiche Umstellung des Software-Riesen SAP Börsen-Chart zeigen auf das Cloudgeschäft. Um die von ihr verantworteten Geschäftsbereiche Ariba, Concur, Qualtrics und Hana an dieses Ziel zu führen, waren enorme Investitionen, Forschung und Schnelligkeit nötig: Die Operation war kein Job für Zauderer; das Ganze hätte durchaus schiefgehen können. Morgan bestand den Test, und Aufsichtsratschef Hasso Plattner setzte sie als Nachfolgerin ihres Landsmannes Bill McDermott an die SAP-Spitze.


Lesen Sie auch:
Jennifer Morgan ist erste Dax-Chefin - diese Frauen spielen in Deutschlands Top-Manager-Liga


"Meine Dankbarkeit gilt Hasso Plattner und dem Aufsichtsrat für das in uns gesetzte Vertrauen, bei diesem nächsten Kapitel in erster Reihe zu stehen", bedankte sich Morgan am Tag ihrer Ernennung - verwies aber in ihrem ersten Statement als Co-CEO zugleich auch auf die "herausragenden und talentierten Kollegen". Sie freue sich darauf, das Erbe ihres Vorgängers Bill McDermott weiter zu führen. Das darf man nicht nur innerhalb des Konzerns als glatte Untertreibung verstehen: Ihre wichtigste und schwierigste Aufgabe sei es, sicherzustellen, dass SAP sich rasch genug neu erfindet, hatte Morgan schon vor ihrer Berufung zum Co-CEO gesagt.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung