Montag, 16. September 2019

Bedenken wegen Interessenkonflikten Milliardendeal geplatzt - Familie Kushner darf nicht mit Chinesen

Kushner-Immobilie 666 Fifth Avenue: Das Gebäude soll 40 Stockwerke höher werden - aber Anbang aus China darf kein Geld dafür geben

Die Gespräche zwischen der Familie von Jared Kushner und dem chinesischen Versicherer Anbang liefen Berichten zufolge bereits seit Sommer vergangenen Jahres, lange vor dem Wahlsieg Donald Trumps also. Gemeinsam mit weiteren Geschäftspartnern wollten beide Parteien mehrere Milliarden Dollar in die Büroimmobilie 666 Fifth Avenue in New York investieren, die sich bereits seit 2007 im Besitz der Kushners befindet.

Den Plänen der Kuchners zufolge soll das Gebäude um 40 Etagen aufgestockt werden, sodass ein mehr als 400 Meter hoher Wolkenkratzer entsteht, mit Einzelhandel, einem Hotel und einigen der teuersten Luxusapartments, die die Millionenmetropole zu bieten hat. Die Entwürfe für die insgesamt 7,5 Milliarden Dollar teure Mammutsanierung stammen noch von der im vergangenen Jahr verstorbenen Star-Architektin Zaha Hadid, schreibt das "Wall Street Journal" (kostenpflichtig).

Der Zeitung zufolge hoffen die Kushners, das Objekt, das gleichzeitig in 660 Fifth Avenue umbenannt werden solle, auf diese Weise auf einen Wert von zwölf Milliarden Dollar zu bringen. Erworben haben sie die Immobilie einst für 1,8 Milliarden.

Doch aus diesem Projekt wird nun vorläufig nichts - jedenfalls nicht in der Konstellation, an der Chinas Versicherungskonzern Anbang als Investor beteiligt ist. Wie Bloomberg berichtet, haben die Kushners und Anbang ihre Gespräche über das gemeinsame Vorhaben beendet, nachdem zunehmende Bedenken wegen möglicher Interessenkonflikte aufgekommen waren: Die Kushners wollten das Geschäft mit den Chinesen offenbar durchziehen, während inzwischen gleichzeitig der Spross der Familie, Jared Kushner, an einflussreicher Stelle in der US-Regierung tätig ist.

400 Millionen an die Kushners, zu "vorteilhaften Konditionen"

Jared Kushner ist nicht nur verheiratet mit Donald Trumps Tochter Ivanka und damit der Schwiegersohn des US-Präsidenten. Er ist gleichzeitig auch einer der wichtigsten Berater im Weißen Haus, mit starkem Einfluss auf die Innen- und Außenpolitik. Erst vor wenigen Tagen übertrug ihm der Präsident zudem mit der Führung des neuen Amtes für amerikanische Innovation zusätzliche Kompetenzen.

Kaum verwunderlich also, dass der geplante Deal der Kushners in Washington auf Vorbehalte stieß: Bloomberg hatte Mitte März enthüllt, dass im Rahmen des Vorhabens eine Vier-Milliarden-Dollar-Transaktion zwischen Anbang und den Kushners geplant sei, inklusive einer Zahlung von 400 Millionen Dollar in die Kassen der Kushners, und zwar zu Konditionen, die einige Experten laut Bloomberg als ungewöhnlich vorteilhaft für die New Yorker Familie erachtet hatten. Anbang hatte zwar kurz darauf klar gestellt, bislang nicht in den Tower 666 Fifth Avenue investiert zu haben - ein Dementi zu den publik gewordenen Plänen war das aber nicht.

Folge: In Washington nahmen fünf demokratische Abgeordnete die Sache genauer unter die Lupe und sandten einige Fragen dazu ans Weiße Haus. Unter anderem wollten die Politiker wissen, inwieweit Jared Kushner in die Gespräche mit Anbang involviert sei, und wie es konkret um die Distanzierung des Präsidentenberaters von seinen früheren Geschäften bestellt sei, so Bloomberg.

"Wenn dieser Deal über die Bühne geht, gibt es offensichtlich einen klaren Interessenkonflikt", schrieben sie dem Bericht zufolge. Schließlich habe Anbang enge Verbindungen zur chinesischen Führung.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Mit dem Nachbohren hatten die Abgeordneten offenbar Erfolg: Das Unternehmen der Kushners ließ kurz darauf wissen, es sei nicht mehr in Gesprächen mit Anbang über die mögliche Entwicklung von 666 Fifth Avenue. Weitere "aktive, fortgeschrittene Verhandlungen" über das Projekt mit möglichen Investoren würden aber geführt.

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