Japanisches Speiseeis wird nach 25 Jahren teurer Preiserhöhung um zehn Yen? Eine ganze Firma tut Buße

Akagi Nyugyo büßt für Preiserhöhung: Verbeugung mit versammelter Mannschaft

Akagi Nyugyo büßt für Preiserhöhung: Verbeugung mit versammelter Mannschaft

Foto: Youtube / Akagi Channel

Die Geste kennt man schon von japanischen Topmanagern: Zerknirschter Gesichtsausdruck, dann eine tiefe Verbeugung, um sich vor der Öffentlichkeit für seine Vergehen zu entschuldigen, seien es Fehlfunktionen in Autos oder gefälschte Bilanzen.

Bei dem Süßwarenhersteller Akagi Nyugyo übt jetzt nicht nur der Chef den Kotau. Mehr als hundert Angestellte haben sich für einen Fernsehspot  vor der Firmenzentrale in geordneten Reihen aufgestellt, vorn die Anzugträger vom Vorstand, dahinter die Untergebenen in Firmenuniform - und alle zusammen üben synchron die formvollendete Verbeugung zur tiefen Demutsgeste.

Untermalt von trauriger Gitarrenmusik, wird der Grund für die Zerknirschung genannt. Der Song heißt "Preiserhöhung". Das Magazin "Quartz" übersetzt : "Wir haben 25 Jahre durchgehalten, doch ... 60 -> 70." Statt 60 Yen soll die Packung des beliebten knusprigen Wassereis-Snacks Garigari-kun künftig also 70 Yen (56 Euro-Cent) kosten.

Aus Sicht der Zentralbank oder der Regierung von Shinzo Abe müsste dies doch genau die Art von Nachricht sein, die Japan dringend braucht. Der Premier verspricht mit seinen "Abenomics", die seit Jahrzehnten unter oder nahe null verharrende Inflationsrate auf 2 Prozent zu treiben, um dem Land wieder eine Perspektive für Wirtschaftswachstum und Entschuldung zu geben. Aus der "deflationären Mentalität" befreien will er Japan.

Doch der Akagi-Spot zeigt - neben der immer noch unter 1 Prozent verharrenden Inflationsrate, die jetzt auch noch durch den steigenden Wechselkurs des Yen gehemmt wird -, wie sehr das Land weiterhin in dieser Mentalität gefangen ist: bloß keine große Veränderung. Ein Szenario, auf das auch Deutschland zuzusteuern droht.

Garigari-kun stammt aus den 80er Jahren, als das "Land der aufgehenden Sonne" sich selbst noch mit Zukunft und Wachstum assoziierte. Immer neue Geschmacksrichtungen neben der üblichen Limonade bis hin zu Kartoffelbrei, Maissuppe oder Spaghetti alla napoletana zeugen noch von der alten Experimentierfreude, ebenso wie die grellbunten Verpackungen im Manga-Stil.

Doch zugleich bemüht sich das (schon etwas ergraute) Akagi-Management, die Kunden seines milliardenfach verkauften Bestsellers mit der Bewahrung des alten Retro-Charmes zu halten - wozu auch der vertraute Preis von 60 Yen zählte. Zumindest 25 Jahre lang.

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