Donnerstag, 12. Dezember 2019

Keine Aussicht auf Gewinne Viel Wind um nichts - Dyson begräbt E-Auto-Pläne

Spezialist unter anderem für Haartrockner und Staubsauger: Der britische Unternehmer und Erfinder James Dyson gibt seine E-Auto-Pläne auf

Der Hausgeräte-Spezialist Dyson gibt seine ambitionierten Pläne für den Einstieg ins Geschäft mit Elektroautos auf. "Unser Automotive-Team hat in den letzten Jahren ein fantastisches Elektroauto entwickelt, allerdings sehen wir aufgrund der aktuellen Situation im Bereich Automotive keine Möglichkeit, das Produkt kommerziell gewinnbringend zu vertreiben", erklärte Dyson am Donnerstag. Das Autoprojekt werde deshalb eingestellt.

Dyson, bekannt vor allem für seine beutellosen Staubsauger, hatte 2017 angekündigt, ein Elektrofahrzeug zu entwickeln und dafür rund 2,5 Milliarden britische Pfund (2,8 Milliarden Euro) zu investieren. Noch im Mai hatte Firmengründer James Dyson erklärt, man liege beim anvisierten Marktstart zum Jahr 2021 weitgehend im Plan und habe die Kosten im Griff.

Die britische Firma beschloss zudem, ihren offiziellen Sitz nach Singapur zu verlagern und dort eine Elektroautofabrik ganz im Stil von Tesla aufziehen. Diese Ankündigung war in Großbritannien mit Kritik aufgenommen worden, da James Dyson als Brexit-Befürworter in Erscheinung getreten war.

Dyson betonte jetzt in einer E-Mail an die Mitarbeiter, die Aufgabe der Autopläne sei "weder auf Mängel beim Produkt noch auf ein Versagen des Entwicklungsteams zurückzuführen". Dyson habe auch versucht, einen Käufer für das Projekt zu finden - "was allerdings bisher leider erfolglos geblieben ist". Die Firma werde aber von der für das Auto entwickelten Batterietechnologie profitieren.

Wissenschaftler äußerten schon zu Beginn der Pläne Skepsis

Angesichts der Probleme, die der E-Auto-Pionier Tesla beim Aufbau seiner E-Auto-Produktion und entsprechender Vertriebsstrukturen hatte und teils noch hat, zweifelten einzelne Experten, ob Dyson so ein Projekt stemmen könne - zumal der Brite die Fabrik selbst errichten wollte, anstatt die Arbeit an Zulieferer zu vergeben. So erklärte David Bailey, Professor für Industriestrategie an der britischen Aston Business School seinerzeit: "Ich glaube, sie unterschätzen das Ausmaß der Herausforderung."

Momentan stürzen sich alle großen Hersteller ins Geschäft mit Elektroautos, investieren Milliarden in dieses kapitalintensive Geschäft und wollen ihre Modelle in den kommenden Jahren auf den Markt bringen. Zugleich tut sich der Elektroauto-Pionier Tesla nach wie vor schwer damit, profitabel zu wirtschaften. Insofern überrascht es nicht, dass Dyson dieses Risiko nun ganz offensichtlich doch scheut.

BMW kann im September E-Auto-Absatz um 10 Prozent steigern

Gleichwohl stoßen Elektroautos auf eine kontinuierlich steigende Nachfrage: BMW meldete am Freitag, dass der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen im September um 10 Prozent gestiegen sei. Die Hybridmodelle und der bislang einzige vollelektrische BMW, i3, kamen im September auf einen Absatz von 16.000 Fahrzeugen.

Insgesamt steigerte BMW im September die Auslieferungen der Marke BMW um 4,8 Prozent auf über 210.000 Fahrzeuge, auch Mini und Rolls-Royce legten zu, so dass der Konzern insgesamt auf ein Plus von 4,6 Prozent auf 249.000 ausgelieferte Autos kam. Die Zuwächse waren in Europa, Asien und Amerika auf fast gleichem Niveau.

rei mit dpa-afx

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