Sonntag, 21. April 2019

Neue Front gegen Nestlé Warum der Reimann-Clan jetzt in Tierkliniken investiert

JAB-Holding: Diese Manager verwalten die Milliarden des Reimann-Clans
REUTERS

Es sind ereignisreiche Zeiten im Reich der deutschen Milliardärsfamilie Reimann. Gerade erst verkündete deren Holding JAB, ihre Beteiligung an dem Parfum- und Kosmetikhersteller Coty aufstocken zu wollen und dafür bis zu 1,75 Milliarden Dollar zu investieren. Dann folgte die Ankündigung, beträchtliche Teile des Kaffeegeschäftes an die Börse zu bringen. Am Montag dann schon wieder eine neue Ankündigung: Die Holding steigt - sowohl mit eigenem Geld als auch mit dem mit externem Kapital ausgestatteten Consumer Funds - mehrheitlich bei der US-amerikanischen Tierklinikkette Compassion First ein.

Welchen Anteil JAB genau vom Finanzinvestor Quad-C Management erwirbt und wie viel sich die Holding das Investment kosten lässt, kommunizierten die Beteiligten nicht. JAB verkündete lediglich die Bewertung des Unternehmens: Sie liegt bei 1,215 Milliarden Dollar. Gründer und CEO John Payne - ehemaliger Chef von Bayer Animal Health in Nordamerika - und einzelne Veterinärdienstleister sollen beteiligt bleiben.

Für die Reimanns und deren Holding JAB ist der Tierklinik-Einstieg ein völlig neues Segment, neben dem Kaffee-, Getränke- und Kosmetikgeschäft, in das JAB zuletzt viele Milliarden investiert hatte. Seine früheren Investments im Luxusbereich hatte die Holding bereits nach und nach abgestoßen.

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Für das Management ist das Geschäft mit Tieren indes nichts völlig Neues. So haben eine ganze Reihe von JAB-Managern früher bei Mars gearbeitet, einem Unternehmen mit umfangreicher Erfahrung im Tierbereich: zum einen über Tierfutter wie Pedigree, Whiskas oder Royal Canin. Zum anderen machen Tierkliniken wie Banfiled, Blue Pearl, Pet Partners und VCA Mars nach eigenen Angaben zum größten Veterinärunternehmung in Nordamerika. In Europa kaufte der Konzern zuletzt die Tierklinikkette Anicura.

Und auch auf seinen Kaffee-Konkurrenten Nestlè stößt JAB im Tiergeschäft. Marken wie Purina, Felix und Friskies machten im vergangenen Jahr fast 15 Prozent des Umsatzes der Schweizer von fast 90 Milliarden Dollar aus.

Entsprechend erwarten Beobachter, dass der Einstieg bei Compassion First nur der erste Baustein für den Aufbau eines neuen Tiersegments darstellen könnte. Compassion First betreibt aktuell ein Netzwerk aus 41 Tierkliniken und Einrichtungen in 13 US-Bundesstaaten, darunter eine am New Yorker Flughafen JFK.

So bewertete die Ratingagentur Moody's JABs Einstieg ins Veterinärgeschäft als Diversifikation in ein sehr schnell wachsendes und großes Geschäftsfeld, in dem sich JAB ein sehr attraktives Sub-Segment herausgesucht habe.

So wächst der Tierpflegemarkt den Angaben zufolge jährlich um 4 bis 5 Prozent und ist zudem deutlich weniger reguliert als andere Segmente des Gesundheitsbereiches.

Zwar gibt es - auch hierzulande - Tierärzte, die mit ihren Diensten alles andere als einen Reibach machen. Den Dienstleistungen und damit auch den Einnahmen von Privatkliniken und Privatärzten hingegen kaum Grenzen gesetzt. Wovon nun auch große Konzerne profitieren wollen. So entwickelt Mars aktuell beispielsweise einen Gen-Test für Hunde.

Inwieweit sich der Zukauf künftig auf JABs unter Druck geratenes Rating auswirken wird, ist noch unklar. Die JAB-Chefs dürfen nur so lange eigenständig walten, wie sie das Kreditrisiko auf Investmentgrad halten.

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