Mittwoch, 20. November 2019

Konjunkturdämpfer IWF senkt Prognose für Deutschland und die Welt

Maschinenbau: Die deutsche Wirtschaft dürfte 2019 nur noch um 1,3 Prozent wachsen, schätzt der IWF
Christian Charisius/DPA
Maschinenbau: Die deutsche Wirtschaft dürfte 2019 nur noch um 1,3 Prozent wachsen, schätzt der IWF

Angesichts des Zollkonflikts trüben sich die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft und für Deutschland laut dem IWF ein. Das globale Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr nur noch um 3,5 Prozent und 2020 um 3,6 Prozent zulegen, prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem am Montag veröffentlichten "World Economic Outlook". Im Oktober hatte er für beide Jahre 3,7 Prozent vorhergesagt.

"Wir gehen davon aus, dass die Risiken für eine deutlichere Abwärtskorrektur steigen", warnte der IWF zugleich. Dazu gehörten die Schwankungen an den Finanzmärkten in den Industriestaaten und die Handelskonflikte.

1,3 Prozent: Bremsspuren in Deutschland besonders stark

Für die deutsche Wirtschaft wurde die Vorhersage für das laufende Jahr von 1,9 auf 1,3 Prozent gesenkt, während für 2020 nach wie vor 1,6 Prozent erwartet werden. "Produktionsschwierigkeiten in der Autoindustrie und eine geringere externe Nachfrage belasten das Wachstum 2019", hieß es dazu. Hinzu kämen die Hängepartie um einen EU-Austritt Großbritanniens und eine Haushaltsschieflage in Italien, die die Konjunktur in Europa gefährden könnten.

Für die USA werden für 2019 weiter 2,5 Prozent prognostiziert, während es 2020 nur noch 1,8 Prozent sein sollen. "Die Expansion in den USA hält an, aber die Prognose geht von einer Abschwächung nach dem Auslaufen der fiskalischen Anreize aus", erklärte der Fonds.

2018 dürfte die weltgrößte Volkswirtschaft nicht zuletzt wegen der Impulse durch die Steuerreform noch um 2,9 Prozent zugelegt haben. Zu den Gefahren für die amerikanische Konjunktur zählt der IWF ein länger anhaltender Haushaltsstreit, durch den Hunderttausende Staatsbedienstete derzeit kein Geld erhalten.

China wächst weiterhin um mehr als 6 Prozent

Für die weltweite Nummer zwei China sagt der IWF sowohl für dieses als auch für kommendes Jahres ein Plus von 6,2 Prozent voraus. 2018 war das Wachstum mit 6,6 Prozent so gering ausgefallen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. "Chinas Wachstumsverlangsamung könnte stärker ausfallen als erwartet, besonders wenn die Handelsspannungen anhalten." Die USA und China haben sich im vergangenen Jahr gegenseitig mit Strafzöllen überzogen und suchen nach einem Ausweg aus dem Konflikt.

Der IWF mahnte zur internationalen Zusammenarbeit. Der Spielraum der Länder für Gegenmaßnahmen im Falle eines deutlichen weltweiten Abschwungs seit geringer als vor der Finanzkrise 2008. "Multilaterale Kooperation wird daher wichtiger", betonte der Fonds.

la/reuters

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