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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Kryptowährung Iota Auf diesen Berliner Bitcoin-Rivalen setzen die Konzerne

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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Es gibt wohl kaum eine gemeinnützige Stiftung in Deutschland, die ein Vermögen von zehn Milliarden Dollar verwaltet. Die erst seit November 2017 anerkannte Iota Foundation mit Sitz in Berlin allerdings hält die Kontrolle über die von ihr geschaffenen Iota-Tokens, deren aktueller Marktwert in dieser Höhe sie in die Top Ten der von Bitcoin angeführten Kryptowährungen bringt.

Der 21 Jahre junge Mitgründer Dominik Schiener könnte in dieser Größe schwelgen - sagt in einem Reddit-Forum  aber: "Unsere Strategie ist es, uns von diesem ganzen Marktirrsinn so bald wie möglich abzulösen." Dass der Gründer einer anderen Kryptowährung, Ripple, plötzlich zu den reichsten Menschen der Welt zählt, "ist für mich eines der lächerlichsten Dinge aller Zeiten".

Iota surft zwar zweifellos auf der Welle des Interesses an Kryptogeld mit, die durch den Bitcoin-Boom und die Gier nach schnellem Reichtum aus dem Nichts angetrieben wird. In mehrerer Hinsicht ist Iota aber ein Gegenentwurf dazu - und das macht das Berliner Start-up interessant für Konzerne, die einen realen wirtschaftlichen Nutzen aus der neuen Technik ziehen wollen.

Bosch hat kurz vor Weihnachten bereits über seinen Risikokapitalfonds RBVC in "eine bedeutende Menge an Iota-Token" investiert. Es werde "große Synergien zwischen Bosch und der Iota-Stiftung" geben, erklärte RBVC-Partner Hongquan Jiang, der in den Iota-Stiftungsbeirat einzog. Bosch wolle mit Iotas Hilfe das Internet der Dinge weiterentwickeln - Maschinen, die miteinander direkt kommunizieren und sich für ihre Leistungen auch direkt bezahlen.

Im ZDF-Morgenmagazin gab Volkswagens Entwicklungschef Johann Jungwirth Iota sein Plazet mit Blick auf Roboterautos: "Wenn diese Fahrzeuge selbständig als Unternehmer handeln und auch den besten Preis aushandeln, selbständig fürs Parkhaus, fürs Laden bezahlen, das werden Milliarden Transaktionen sein pro Tag, und dafür braucht man sichere Technik. Und da, muss ich sagen, finde ich diese Technik hochspannend."

Im Projekt "Carpass", wo es um das digitale Tracking von Autos geht, arbeitet Iota mit Volkswagen  und dem Energiekonzern Innogy  zusammen.

"Wir werden die Miner komplett los"

Noch zu Beginn dieses Jahres will Iota einen Marktplatz für Daten eröffnen, an dem sich rund 40 Konzerne beteiligen. Da finden sich noch mehr große Namen wie Fujitsu , Microsoft  oder Deutsche Telekom . Die Stiftung betont allerdings, dass es lediglich um die gemeinsame Forschung an wirtschaftlichen Anwendungsfällen für die Iota-Technik gehe, nicht um eine offizielle Partnerschaft. Die eigene Marke als Referenz für eine heiße Krypto-Wette, das hatte manche Konzernmanager dann doch irritiert.

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Immerhin ist das schon ein großer Unterschied zur anarchokapitalistisch geprägten Bitcoin-Gemeinde: Die Iota-Macher sind überhaupt bereit, mit Konzernen als hierarchischen Instanzen (ebenso wie mit Universitäten, Regierungen und sogar Zentralbanken) zu kooperieren.

Mehr noch - Dominik Schiener erklärt die industrielle Nachfrage zur Raison d'être: "Wenn du ein Großkonzern bist, willst du nicht warten, eine höhere Gebühr zahlen, oder mit der Unsicherheit leben, dass deine Transaktionen gar nicht durchkommen."

Im Unterschied zu Bitcoin  und Co., soll das heißen. Iota - der Name soll neben dem "Internet of Things" auch an den griechischen Buchstaben erinnern, der für die kleinste Einheit steht - ist gedacht für Micropayments, also schnelle Mini-Zahlungen, die auch über Cent-Bruchteile lauten und automatisiert zwischen vernetzten Geräten laufen können.

Damit sich das für die Eigner der Maschinen rechnet, muss es möglichst gebührenfrei sein. Und das heißt: "Wir werden die Miner komplett los", erklärt Schieners Gründerkollege David Sønstebø. Den teuren Prozess, energiehungrige Serverfarmen für das Schöpfen des digitalen Gelds zu vergüten, spart Iota sich. Die Geldschöpfung hat die Stiftung in die eigene Hand genommen und bereits abgeschlossen.

"Die Blockchain ohne Block und ohne Chain"

Herbe Kritik, die Iota aus Teilen der Kryptogemeinde entgegenschlägt, deuten die Gründer als interessengeleitet: "Iota macht ihr Geschäftsmodell langfristig nutzlos", meint Sønstebø. Das ist schon eine ironische Wende: Wollte Bitcoin das etablierte Finanzsystem aufmischen, hat Iota damit keine Berührungsängste, erklärt aber seinerseits das Bitcoin-Establishment zum Fall für Disruption.

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Wie Bitcoin baut zwar auch Iota auf die dezentrale Verifikation von Zahlungen durch die Gemeinde - aber ausdrücklich nicht in einer Blockchain, wie die komplexe Bitcoin-Datenbank heißt. "Wir machen die Blockchain ohne Block und ohne Chain", scherzt Sønstebø. Das Iota-Konzept der dezentralen Datenbank heißt Tangle, also Flechtwerk. Statt wie in der Blockchain die gesamte Historie aller Transaktionen aufzulisten - was das System immer schwerfälliger und letztlich untauglich für wirtschaftlich nützliche Anwendung im großen Stil macht - bezieht sich ein Tangle-Eintrag nur auf zwei zufällig ausgewählte frühere Iota-Transaktionen.

Die Gründer sehen sich zwar als Blockchain-Veteranen - Schiener wurde als Jugendlicher aus Südtirol mit Bitcoin erst reich und dann wieder arm -, haben sich aber von der Glaubensgemeinschaft losgesagt. "Die technologischen Grenzen sind inzwischen allen offensichtlich - einschließlich Beratern", sagt Schiener.

Das deckt sich mit der Erfahrung vieler Konzerne, die zwar von Bitcoin die Finger lassen, aber doch irgendwie an den Blockchain-Hype als nächste große technologische Umwälzung glauben wollten.

Banken sind aus Blockchain-Konsortien wie R3 wieder ausgestiegen und haben sich nach Prüfung der technischen Möglichkeiten doch der althergebrachten zentralen Datenbank zugewendet, fasst Analyst Axel Pierron von Opimas die bisherigen Bemühungen zusammen. "Die große Mehrheit der am Kapitalmarkt umgesetzten Blockchain-Initiativen hat kaum Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Blockchain."

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Ob stattdessen Tangle wirklich die Lösung für echte wirtschaftliche Probleme bietet, muss auch Iota noch beweisen. Ein Hindernis, um als Währung brauchbar zu sein, teilt Iota mit Bitcoin: Wegen der Spekulation auf das nächste große Ding schwankt der Preis zu stark. Ob der Iota-Kurs stark steigt oder stark fällt - beides ist abschreckend für Unternehmen, für die es letztlich auf kalkulierbare Erlöse in Euro oder Dollar ankommt.